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Besonders geschützt: (v.l.) Dr. Michael Platz, Kirsten von der Heide und Dr. Ikechukuwu Emmanuel Anikwe vor der Tür zur Geburtshilfe. Sie liegt in einem abgel egenen Bereich des Krankenhauses – weit weg von der Corona-Isolierstation.

„Mütter müssen sich keine Sorgen machen“

Sichere Geburt im „Hochsicherheitstrakt“ des Schongauer Krankenhauses

  • Andreas Baar
    vonAndreas Baar
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Die Geburtenstation im Schongauer Krankenhaus meldet steigende Zahlen – trotz Coronakrise. Werdende Mütter müssen sich keine Sorgen machen, betonen die Mediziner. Die Klinik hat ein besonderes Schutzkonzept.

Schongau – Dr. Ikechukuwu Anikwe ist zufrieden, wenn er auf die Statistik blickt. „Die Geburtszahlen in Schongau steigen“, sagt der Chefarzt der Klinik für Geburtshilfe am Krankenhaus. Trotz Corona. Bis 23. April kamen heuer 186 Säuglinge auf die Welt. 21 mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahrs. Kein Wunder, dass die Krankenhaus GmbH für 2020 darauf hofft, endlich die 600er Marke zu knacken. Diese ist wichtig für staatliche Zuschüsse für den Betrieb der Geburtenstation. 2019 lag man mit 571 Säuglingen knapp drunter.

Eigentlich eine gute Entwicklung für die regionale Geburtshilfe. Wenn da nicht die Pandemie wäre. Immer wieder rufen werdende Mütter und Väter besorgt an. Auch, dass die GmbH die Covid-19-Patienten künftig an der Schongauer Klinik konzentrieren will (siehe Kasten), trägt zu einer Verunsicherung bei. Das räumt Dr. Michael Platz, Ärztlicher Direktor und Pandemiebeauftragter in Schongau, ein: „Jeder hat Angst.“ Dafür gibt es jedoch in der Klinik keinen Grund, lautet die Botschaft des Arztes.

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„Die Patienten können sich sicher fühlen“, betont Platz. Er bezeichnet das Schongauer Krankenhaus gar als „Hochsicherheitstrakt“. Zum einen gibt es das umfassende Sicherheitskonzept mit Security und Triage-Station am Eingang. Corona-Verdachtsfälle kommen gleich nach rechts in einen Isolierbereich, wo ein Abstrich gemacht wird. Es gibt Mundschutzpflicht, das Besuchsverbot gilt weiter. Bei jedem neuen Patienten, ob verletzt oder schwanger, wird ein Abstrich gemacht. „Der Test ist relativ sensibel“, sagt Platz – die Ergebnisse schnell da.

Zum anderen verweist der Ärztliche Direktor auf die örtlichen Vorteile im Haus: Die Isolierstation für Covid-19-Fälle liegt in einem Seitenflügel – weit weg von der Geburtsstation. „Wir haben eine räumliche Trennung.“ Zudem gebe es „klare Wege“.

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„Die Frauen sollen keine Sorgen haben“, sagt Chefarzt Anikwe. „Bisher hatten wir keine Komplikationen.“ In der Geburtsklinik wurden die strengen Regeln aufgelockert: Väter durften bislang zwar bei der Geburt dabei sein oder für einen Kaiserschnitt in den OP-Saal – dann aber mussten sie gehen. Ab sofort dürfen die stolzen Papas jedoch täglich eine Stunde zu Besuch auf die Wöchnerinstation, teilt GmbH-Sprecherin Isa Berndt mit.

Schwestern sind vor allem als Seelentröster gefordert

Auf der Station 5 arbeiten vier Ober-, drei Beleg- und vier Assistenzärzte; dazu zehn Pflegekräfte und neun Hebammen. Angst müsse keine Frau haben, bekräftigt Hebamme Nadine Lachmann. „Bei uns läuft das Tagesgeschäft.“ Die Situation ist jedoch auch für die Beschäftigten neu. „Anfangs war das sehr ungewohnt für uns“, sagt Stationsleiterin Kirsten von der Heide über die Pandemieregeln. „Die Schwestern sind sehr gefordert.“ Vor allem als „Seelentröster“, wie es von der Heide nennt. „Was wir am meisten im Moment machen, ist, den Frauen zuzuhören.“ Doch es gibt einen positiven Aspekt: „Die Frauen kommen sehr schnell zur Ruhe, wir haben überhaupt keine Stillprobleme mehr.“

Ein bisserl Normalität ist auf der Geburtenstation bereits wieder eingekehrt: Es werden die Geburtsvorstellungen angeboten. Frauen können nach Anmeldung den Kreißsaal besuchen. Die Infoabende gibt es noch nicht, dafür viele Tipps auf den sozialen Kanälen.

Infos

auf https://meinkrankenhaus2030.de. Schwangere sollen sich für Beratung und Untersuchung vorher anmelden (Tel. 08861/215-291)

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