Das Landesamt für Denkmalpflege hält die Haindl-Häuser an der Peitinger Straße nicht für denkmalschutzwürdig.

Kein Denkmalschutz für Haindl-Häuser

„Diese Entscheidung ist ein Skandal“

  • schließen

Erleichtert ist die Führung des Schongauer UPM-Werks, dass die Haindl-Häuser an der Peitinger Straße vom Landesamt für Denkmalschutz für nicht denkmalschutzwürdig befunden wurden. Doch jetzt sorgt Architekt Heiko Folkerts (Weilheim) für Aufregung: Er hält die Entscheidung für einen Skandal und will politisch alle Hebel in Bewegung setzen, um die Häuser zu retten.

Schongau – „Für uns ist das positiv“, sagt der Schongauer UPM-Werkleiter Wolfgang Ohnesorg zum Urteil des Landesamts für Denkmalpflege, das die zum Teil mehr als 100 Jahre alten Häuser nicht unter Denkmalschutz stellen will (wir berichteten). Seit Jahren schon werden freiwerdende Wohnungen in den stark sanierungsbedürftigen Gebäuden nicht neu belegt, um sich alle Optionen für die Zukunft offenzuhalten. „Wir haben nicht mehr viele Erweiterungsflächen“, sagt Ohnesorg. Auch für eine kürzlich diskutierte bessere Zufahrt ins UPM-Werk sei man in Gesprächen, „aber das ist alles noch nicht spruchreif“. Wichtig sei nur, dass einem möglichen Abriss der Häuser nichts mehr im Wege stehe.

Doch wenn es nach Heiko Folkerts geht, wird das nicht passieren. „Die Entscheidung des Landesamts ist ein Denkmal-Skandal“, poltert er. Es handele sich um einige der wichtigsten Werke der Postbauschule, die Häuser seien von den berühmten Architekten der frühen Münchner Moderne, Norkauer & Lechner, errichtet worden. „Dass man solche Bauwerke zum Abriss freigibt, ist unglaublich“, schimpft Folkerts und spricht dem beim Landesamt zuständigen Oberkonservator Detlef Knipping gleich noch die Kompetenz ab: Der sei ein „Scharlatan, wie er im Buche steht. Wenn wir solche Bauwerke nicht schützen können, brauchen wir kein Landesamt für Denkmalpflege.“

Folkerts hat sich in der Vergangenheit schon mehrfach für seiner Meinung nach schützenswürdige Häuser eingesetzt, denen der Abriss drohte – in ganz Bayern. Jetzt richtet er sein Augenmerk auf Schongau: Er will den Landesdenkmalrat unter Vorsitz von Ex-Staatsminister Thomas Goppel einschalten. Das Gremium hat die Aufgabe, die Staatsregierung zu beraten und in wichtigen Fragen der Denkmalpflege mitzuwirken. Außerdem hat Folkerts an den örtlichen Bundestagsabgeordneten Alexander Dobrindt geschrieben, er solle „die mutwillige Zerstörung des historischen Schongauer Ortsbildes durch den völlig unnötigen Abbruch der bedeutenden Haindl-Werkssiedlung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern“. Doch Dobrindt verwies auf SN-Anfrage nur auf die Entscheidung des Landesamts, das sorgfältig geprüft habe: „Ich bedaure, Ihnen keine positivere Rückmeldung geben zu können“, schrieb Dobrindt an Folkerts.

Dass sich bisher nur der Schongauer Architekt Helmut Vollmann öffentlich für den Erhalt der Haindl-Häuser ausgesprochen hat und die meisten Kommentare im Internet den Tenor „Schandfleck, weg damit“ hatten, ficht Folkerts nicht an. Er kenne einige in Schongau, die seiner Meinung seien, „doch viele trauen sich nicht und wollen sich nicht mit dem Unternehmen anlegen“, sagt er. Auch dem Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer, der die Voraussetzungen für den Denkmalschutz nicht erfüllt sah, wirft Folkerts Versagen und Befangenheit wegen familiärer Bindungen vor.

Folkerts will eine öffentliche Diskussion in Gang setzen und fordert den Stadtrat auf, sich mit dem Thema zu befassen, weil die Haindl-Werkssiedlung für die Sozialgeschichte Schongaus hochinteressant sei. Sie stehe wie ein Sinnbild für die gute Zusammenarbeit der Firma Haindl und der Stadt. „Die Häuser haben herausragende Grundrisse und sind gut bewohnbar – ich kann mir nicht vorstellen, dass sie nicht sanierbar sein sollen“, sagt Folkerts. Er verweist auf das Knorr-Gelände in München, das aus derselben Zeit stammt und fantastisch saniert worden sei. Folkerts will Gespräche mit UPM und dem Haindl-Nachkommen und Ehrenbürger Fritz Holzhey führen, der sich ebenfalls gegen den Denkmalschutz ausgesprochen hatte. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Stadt die Häuser kauft. Es wären hervorragende Wohnimmobilien und bei Vermietung finanzierbar.“

Ohnesorg hat durch die SN erstmals von Folkerts Bestrebungen erfahren. „Ich kann die Vorstellungen von Privatleuten nicht kommentieren. Für uns ist das Schreiben des Landesamts für Denkmalpflege bindend“, sagte er. Aber eines sei sicher: „Wir können und werden kein Geld in diese Häuser investieren.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Lächerliche Beute bei zwei Einbrüchen
Ein leerstehendes Bauernhaus in Ingenried und ein Einfamilienhaus in Schongau, das nur zum Urlaubsaufenthalt genutzt wird, waren Ziele von Einbrechern. Die Beute ist …
Lächerliche Beute bei zwei Einbrüchen
Wildsteig: Streit unter Asylbewerbern eskaliert
Körperliche Auseinandersetzung mit Messer, lautete am Montag der Alarm aus einer Asylbewerberunterkunft in Wildsteig.
Wildsteig: Streit unter Asylbewerbern eskaliert
Nach Unwetter: Hang an der Ammer rutscht weiter ab
An der Ammer in Hohenpeißenberg hat sich der Hang in Bewegung gesetzt. Der viel genutzte Forstweg ist deshalb in Gefahr.
Nach Unwetter: Hang an der Ammer rutscht weiter ab
Darm-Zentrum etablieren
Der neue Schongauer Chefarzt Dr. Jochen Dresel und Geschäftsführer Thomas Lippmann ziehen Bilanz und stellen ihre Pläne vor: Schongau soll Darm-Zentrum werden.
Darm-Zentrum etablieren

Kommentare