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An die 1000 Mails haben sich bei Bürgermeister Falk Sluyterman seit Einfü hrung des Beschwerdemanagements zu Beginn seiner Amtsperiode angesammelt.

Ideen- und Beschwerdemanagement der Stadt

Sluytermans Schongauer Seismograph 

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„Schon während des Wahlkampfes hatte sich gezeigt, dass Bürger Schwierigkeiten haben, mit der Verwaltung in Kontakt zu treten.“ Als er dann Schongauer Bürgermeister wurde, griff Falk Sluyterman das Thema auf und führte das Ideen- und Beschwerdemanagement ein. Bis heute sind an die 1000 Mails eingegangen mit normalen, aber auch abwegigen Vorschlägen.

Schongau – „Viele Bürger schätzen den persönlichen Kontakt“, so der Schongauer Bürgermeister. Die Bürgersprechstunde, die er jeden Donnerstag anbietet, sei gut besucht. Aber auch das Ideen- und Beschwerdemanagement werde angenommen – in elektronischer Form gehen regelmäßig Vorschläge und Beschwerden ein, Anregungen und Bedenken.

Was bewegt die Schongauer Bürger? Von zu viel Unkraut an den Gräbern über Lärmbelästigung an Glascontainern und einem veralteten Briefkopf der Stadt ist alles dabei. Ein großes Themengebiet ist der Verkehr. Da geht es um zu schnelles Fahren, falsches Parken oder zugewachsene Gehwege. Den Hinweisen gehe man auch nach. Bei einer angeregten Geschwindigkeitsmessung sei hilfreich, wenn auch gleich ein Platz für das Radargerät im Garten angeboten werde – manchmal scheitere es nämlich daran, dass dieses nicht unauffällig aufgestellt werden könne. „Allen kann man es aber nicht recht machen“, weiß der Bürgermeister. Bestes Beispiel hierfür ist der Räum- und Streudienst. Mal kommt der Winterdienst in der kleinen Seitenstraße zu früh (man würde lieber länger schlafen), mal zu spät (man kommt nicht rechtzeitig in die Arbeit).

Verwaltung musste vom Beschwerdemanagement überzeugt werden

Von der Idee, dieses Beschwerdemanagement einzuführen, habe er die Verwaltung erst überzeugen müssen, erinnert sich Sluyterman, „denn das macht Arbeit“. Grundsätzlich müsse man nicht überall Abhilfe schaffen, diesen Anspruch habe man nicht. „In vielen Bereichen können wir aber helfen und ist die schnelle Info seitens des Bürgers auch gut.“ Damit niemand das Gefühl hat, dass sein Schreiben ins Leere geht, soll er binnen fünf bis acht Werktagen Antwort bekommen.

Wie funktioniert das in der Praxis? Alle Mails gehen im Hauptamt bei Ursula Lehmann ein und werden von ihr an die zuständige Abteilung weitergeleitet. Jede Zuschrift landet als Kopie im Postfach des Bürgermeisters. „Ich sehe jede Mail, das ist wie ein Seismograph dessen, was in Schongau los ist.“ Wenn die Altpapierbündel an der Straße stehen bleiben, bleibt das der Stadt nicht verborgen. Manchmal ist auch rasches Handeln notwendig, wenn z.B. eine Schulweg-Ampel nicht funktioniert oder eine Straßenlaterne ausgefallen ist.

Kuriose Vorschläge

Natürlich geht auch der ein oder andere kuriose Vorschlag ein. Der Bürgermeister erinnert sich an die Forderung eines Bürgers, die Blaue Traube möge doch bitte wieder Pommes anbieten. „Auf eine Speisekarte haben wir jedoch keinen Einfluss.“ Sluyterman erinnert das an seine Zeit beim Bundesverkehrsministerium. Dort war er zuletzt zuständig für die Tank- und Rastanlagen mit dem System Sanifair. „Wir hatten eine halbe Milliarde Kundenkontakte mit Themen von der Essensqualität bis zur sogenannten Pipigebühr – da haben wir auch versucht, den Autoreisenden mitzunehmen.“ Das war ein klein wenig Vorbild für das Schongauer System, verrät der Bürgermeister.

Diese Ideen wurde aufgegriffen

Welche Ideen von Bürgern hat man tatsächlich aufgegriffen? Es kam der Vorschlag, Radlfahrer in der Altstadt auch entgegen der Einbahnstraße fahren zu lassen. Seither gibt es die „unechten Einbahnstraßen“. Wenn Hinweis kommen zu notwendigen Ausbesserungsarbeiten, werde zügig reagiert: „So haben wir die Arbeiten am maroden Aufgang am Klostergarten vorgezogen.“

Nicht alle Mails sind jedoch ansprechend formuliert. Zum Thema Flüchtlinge hat die Stadt Zuschriften erhalten, „teils nicht erfreulich bis strafrechtlich relevant“, so Sluyterman. Einmal seien er und seine Familie auch direkt bedroht worden. Man einigte sich darauf, nicht zu reagieren. „Das ist erschreckend, aber man kann nicht für alles der Sündenbock sein.“

Info:

Wer etwas bei der Stadt melden möchte, kann das Formular herunterladen oder online ausfüllen www.schongau.de/Ideen-und-Beschwerdemanagement.

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