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Warnschilder ignoriert: Spaziergänger füttern Schafbock zu Tode - Besitzer mit dringender Bitte

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Von: Elena Siegl

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Schafe und Lämmer, die am Bahnberg gegrast hatten, wurden mittlerweile in den Stall getrieben.
Schafe und Lämmer, die am Bahnberg gegrast hatten, wurden mittlerweile in den Stall getrieben. © Hans-Helmut Herold

Die Schafe am Bahnberg in Schongau erfreuen viele Spaziergänger, gefüttert werden sollten sie aber auf keinen Fall. Brot kann lebensgefährlich für sie werden – der Bock ist nun gestorben.

Schongau – Rund 20 Coburger Füchse, wie die seltene Schafrasse heißt, grasen am Bahnberg in exponierter Lage. Gleich ans Wohngebiet angrenzend, kommen viele Spaziergänger auf dem Weg in die Altstadt an den Schafen vorbei. „Am Marktsonntag standen bestimmt 50 Leute entlang des Zauns“, erzählt der Schäfer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Nur kurz zuvor waren innerhalb von zwei Tagen zehn Lämmer auf die Welt gekommen – „alle acht Stunden zwei. Ich hab praktisch zwei Tage durchgemacht“, so der Schäfer.

Schongau: Schäfer freut sich über Beliebtheit der Tiere - Fütterungen werden zu Problem

Der Schäfer freut sich, dass die Tiere gut ankommen. Er weiß, dass das in einem Wohngebiet auch ganz anders ausschauen, es Beschwerden wegen Lärm oder ähnlichem hageln kann. Allerdings bringen die vielen Menschen, die an der Weide vorbeikommen, auch Schattenseiten mit sich. Dass viele die Tiere füttern, habe sich mittlerweile zu einem großen Problem entwickelt.

Schongau: Schafbock litt nach Füttern unter Nierensteinen

Ganze Brotlaibe hat der Schäfer heuer schon von der Weide klauben müssen. „Zum Teil holen Leute extra Brot vom Vortag beim Bäcker, um dann die ganze Tüte über den Zaun zu den Schafen zu schmeißen“, erzählt er. Der Schongauer weiß, dass die meisten es gut meinen, sich vielleicht sorgen, dass die Schafe nicht mehr genug zu fressen auf der Weide finden – doch sie bringen die Tiere damit in große Gefahr, sagt der Schäfer.

Vor wenigen Tagen musste er seinen Schafbock, den er erst seit zehn Monaten hatte, einschläfern lassen. „Ein Schafbock darf auf keinen Fall zu viel Eiweiß fressen“, erklärt der Schongauer. Doch das sei durch die massige und unkontrollierte Fütterung von Unbekannten passiert. Als Folge litt der Bock unter Nierensteinen. „Er hat nur noch geschrien beim Bieseln“, so der Schäfer. Ein paar Tage lang bekam das Tier Schmerzmittel, am Ende sei leider nur noch die Einschläferung übrig geblieben.

„Füttern verboten! Kolilgefahr“: Das Warnschild am Zaun wird oft ignoriert.
Das Warnschild am Zaun wird oft ignoriert. © Hans-Helmut Herold

Auch für die anderen Schafe – und insbesondere die Lämmer – kann das Füttern böse Folgen haben. Vom Brot bekommen sie Blähungen, Koliken drohen. Ein Schild am Zaun macht darauf aufmerksam, manche ignorieren es trotzdem.

Schäfer betont: Schafe bekommen genug zu fressen

Und es ist nicht nur das Brot. Während der Schäfer im Herbst einen Großteil der Kastanien auf der Weide einsammelte, um sie zu trocknen, zu häckseln und nach und nach unter das Futter zu mischen, kamen andere mit ganzen Plastiksäcken voller Kastanien, um sie an die Schafe zu verfüttern. Zum Teil schimmelten sie schon, so der Schäfer. Ein anderes Problem stelle die Erstickungsgefahr dar.

Die Schafe bekommen genug zu fressen betont der Schäfer, die Lämmer werden außerdem mit Milch gefüttert. Die Tiere könnten jederzeit in den Stall. Allerdings haben sie sich mittlerweile daran gewohnt, dass ihnen Menschen, die an der Weide vorbeigehen, etwas zustecken. Sobald sie jemanden sehen, kommen sie her und meckern, so der Schäfer, dem die Entwicklung Sorge bereitet, weil er Lärm-Beschwerden befürchtet.

Auch die Zäune müssten immer wieder ausgebessert werden, weil die Schafe gierig ihren Kopf durchstecken, wenn sie gefüttert werden.

Nachdem Schafbock starb: Tiere sind nun im Stall

Die Coburger Füchse sind eine seltene Rasse, es gibt nur wenige tausend Tiere. Die Haltung wird deshalb in Bayern sogar gefördert, sagt der Schäfer, der sie mit Herdbuch züchtet. Neben dem emotionalen Verlust trifft der Tod des Deckbocks den Schäfer auch finanziell. 800 bis 1200 Euro sei das Tier Wert gewesen. Zwar betreibt der Schongauer die Zucht nicht hauptberuflich. Nur als Hobby sei sie aber zu zeitaufwendig. „Wenn es irgendwann nur noch Arbeit und Verluste sind, muss ich überlegen, die Schäferei an den Nagel zu hängen.“

Nach dem Tod des Schafbocks hat der Schongauer beschlossen, seine Tiere früher als sonst in den Stall zu treiben. Eigentlich macht er das erst kurz vor Silvester, wenn die ersten Böller verkauft werden. Der Schäfer hofft, dass es im kommenden Jahr wieder ruhiger um seine Schafe wird und sich die Menschen an seine Bitte halten, nicht zu füttern.

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