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Direkt vor der Kamera rasten gleich mehrere Autos über die rote Ampel, trotz möglichen Gegenverkehrs.

Sperrung an der Schongauer Kanalbrücke

Autofahrer ignorieren reihenweise Durchfahrverbot und rote Ampel: Jetzt greift die Polizei durch

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Auch am zweiten Tag der neuen Verkehrsregelung an der Schongauer Kanalbrücke hielt sich eine Vielzahl von Autofahrern nicht an das Durchfahrverbot von Schongau Richtung Peiting. Anwohner wundern sich, dass bei den vielen gefährlichen Situationen noch nichts passiert ist.

Schongau – Montagabend, 20.15 Uhr. Es ist dunkel geworden in der Peitinger Straße, doch weiterhin kommen Autos aus Schongau Richtung Peiting angefahren, die erst an der Absperrung auf Höhe des ersten Haindl-Hauses merken, dass es nicht weitergeht. Nachdem der tagsüber dort stehende Bauarbeiter Feierabend gemacht hat, steht ein Anwohner dort und schickt die Autos zurück. Die meisten kehren rechtzeitig am extra angelegten Wendeplatz um, doch ein Mercedes-Fahrer mit WM-Kennzeichen überlegt es sich beim Rangieren mitten auf der Straße anders – und schießt mit Vollgas Richtung roter Ampel an der Behelfsbrücke.

Das ist die Initialzündung: Wie bei den Lemmingen sieht ein nachfolgender Autofahrer, dass dort einer steht, und fährt nach. Und noch einer. Und noch einer. Rund zehn Autos, darunter ein Taxi, stehen schließlich an der Ampel, die nur für Linienbusse und Einsatzfahrzeuge auf Grün schaltet, und warten – ja, auf was eigentlich? Nach fünf Minuten (in dieser Zeit wären sie längst auf der Umgehungsstraße gewesen) machen die ersten schließlich kehrt.

Anwohner sprachen Montagabend Autofahrer an, warum sie denn über die gesperrte Zufahrt nach Peiting wollen.

Doch als später weitere Autofahrer verbotenerweise aus Richtung Schongau an die Ampel fahren, schaltet sie nach einiger Zeit plötzlich doch auf Grün. Das spricht sich dank Internet rasend schnell herum. Christoph Prause, Abteilungsleiter beim Staatlichen Bauamt Weilheim, hatte diese Information bewusst zurückgehalten, um nicht noch mehr Falschfahrer anzulocken. Auch die SN haben dieser Bitte entsprochen. Tatsache aber ist: Tagsüber wird die rote Ampel auf Anforderung von Einsatzfahrzeugen und Linienbussen händisch bedient, abends und nachts wird sie per Kamera auf Automatik-Schaltung gestellt. „Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Durchfahrt Richtung Peiting für normale Verkehrsteilnehmer verboten ist“, sagte Prause. Außerdem werde nächste Woche die Ampel ausgewechselt: Dann kommt ein Exemplar zum Einsatz, das nur per Fernbedienung freigeschaltet werden kann. Dann können Autofahrer auch abends vor der roten Ampel warten, bis sie schwarz werden.

Bis dahin dürften sich aber noch zahlreiche Szenen abspielen wie Montagabend. Manche Autofahrer sind tatsächlich bewusst über die rote Ampel Richtung Peiting gefahren, obwohl dort Gegenverkehr kommen könnte. Einem Anwohner ist das passiert, berichtete er: Mitten auf der Brücke kam ihm ein Auto entgegen, der Fahrer zeigte ihm wütend den Vogel – als ob nicht er, sondern der Anwohner falsch gefahren wäre. Bis spät in die Nacht haben Anwohner auch auf die Autofahrer eingeredet und ihnen erklärt, dass sie dort nicht fahren dürfen – zum Teil erfolgreich, zum Teil vergebens.

Polizei will verstärkt kontrollieren

Auch die Polizei war Dienstagnachmittag vor Ort und hatte reichlich zu tun. „Erstaunlich, dass immer noch so viele Autofahrer kommen“, sagte ein Beamter. „Wie soll ich denn jetzt fahren?“, war die meistgehörte Frage. Tatsächlich ist überall angezeigt, dass man nach Peiting nicht den direkten Weg fahren darf, doch wohin es sonst gehen soll (nämlich über die Umgehung), das fehlt vor allem Ortsfremden. „Die Leute schimpfen, weil Umleitungsschilder fehlen“, sagt auch der kroatische Bauarbeiter, der wie am Vortag die Stellung gehalten hat – allerdings weiter hinten, kurz vor der roten Ampel, wo man eigentlich schon gar nicht mehr fahren darf.

Auch an Tag zwei der halbseitigen Sperrung gab es viel Erklärungsbedarf, wie dieser Polizist feststellen musste.

Schongaus Polizeichef Herbert Kieweg hat nach den Erfahrungen der ersten beiden Tage beschlossen: „Wir werden dort verstärkt kontrollieren, so geht es nicht weiter.“ Dann werde es auch erste Verwarnungen geben, kündigte er an: 20 Euro kostet die verbotene Durchfahrt zur roten Ampel, für das nachts ständig vorkommende Überfahren der roten Ampel sind 250 Euro und ein Monat Führerscheinsperre fällig.

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