250 000 Kilowattstunden wurden für das Schongauer Eisstadion im Jahr 2019 verbraucht.
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250 000 Kilowattstunden wurden für das Schongauer Eisstadion im Jahr 2019 verbraucht.

Aus dem Stadtrat

Schongau: Stadt wählt teurere Ökostrom-Variante

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Die Stadt Schongau setzt auch weiterhin auf Ökostrom. Dies beschloss der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung, wenn auch nicht einstimmig. Vor allem ging es darum, ob man sich künftig den Aufpreis leisten möchte, dass der Ökostrom weitgehend aus neuen und modernen Anlagen geliefert wird.

Schongau – Die kommunale Stromausschreibung läuft in Schongau schon seit einigen Jahren über die Firma KUBUS GmbH. Diese bietet den bayerischen Gemeinden in Kooperation mit dem Bayerischen Gemeindetag die Teilnahme an Bündelausschreibungen an.

Seit 2014 ist man damit in Schongau offenbar ganz gut gefahren, jetzt sollte im Stadtrat entschieden werden, ob man den Vertrag für die Jahre 2023 bis 2025 verlängert. Klare Empfehlung der Verwaltung: Ja, auch für die Folgejahre an der Stromausschreibung teilnehmen.

Es geht nicht nur um die städtische Stromversorgung

Dabei geht es nicht nur um die städtische Stromversorgung, sondern auch die der Stadtwerke, der Heiliggeist-Spital-Stiftung, des Kommunalunternehmens Plantsch und des TSV Schongau für den Strombezug des Eisstadions.

Schon für die Lieferjahre 2017 bis 2019 hatte die Stadt Schongau auf Ökostrom gesetzt, mit großer Mehrheit im Stadtrat beschlossen. Auch für den aktuellen Vertrag – Lieferjahre 2020 bis 2022 – hatte man entschieden, bei Ökostrom zu bleiben, und zwar jeweils bei der günstigeren Variante – ohne sogenannte Neuanlagenquote.

Dabei wird nicht nur garantiert, dass die elektrische Energie nachweislich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. Der Zusatz „Neuanlagen“ bedeutet, dass mindestens die Hälfte des gelieferten Stroms in modernen Anlagen erzeugt wird.Weiterer

Weiterer Vertrag beginnt zum 1. Januar 2023

Mit Start der Lieferung zum 1. Januar 2023 dürfen Anlagen für Windenergie, Energie aus Biomasse und Solarenergie laut Vorgabe dann nicht älter als vier Jahre sein, müssen also mindestens aus dem Jahr 2019 stammen. Wenn Energie aus Wasserkraft und Geothermie zum Einsatz kommt, dürfen die Stromerzeugungsanlagen nicht älter als sechs Jahre sein.

Der preisliche Unterschied zwischen Normalstrom und Ökostrom beträgt bis zu 0,5 Cent pro Kilowattstunde, wer gleichzeitig noch auf Neuanlagen setzt, bezahlt zwischen 0,5 Cent und 1,20 Cent mehr.

Doch welche Mehrkosten bedeuten das konkret für Schongau? 470 500 Kilowattstunden waren allein für die städtischen Liegenschaften verbraucht worden. Dafür waren Zahlen aus 2019 herangezogen worden, da das ungewöhnliche Corona-Jahr wenig aussagekräftig erschien. Gegenüber Normalstrom müsste die Stadt für die städtischen Liegenschaften beim einfachen Ökostrom im Mittel rund 600 Euro mehr bezahlen, beim Ökostrom mit Neuanlagenquote im Mittel 3900 Euro mehr.

Wenig überraschend ist das Eisstadion mit 250 000 Kilowattstunden ein großer Stromfresser, wie Stadtbaumeister Sebastian Dietrich und Bauamtsmitarbeiter Martin Blockhaus in einem kurzen Vergleich darlegten. Aus dem Jahr 2020 pickte man sich den Verbrauch von 200 000 Kilowattstunden bei der Straßenbeleuchtung mit Ampeln und Parkscheinautomaten heraus, da bereits eine Umstellung auf LED erfolgt war und diese Zahl als realistisch erschien.

Es gibt zwei Ökostrom-Varianten

Die Verwaltung schlug vor, bei der günstigeren Ökostrom-Variante zu bleiben. Bettina Buresch (Grüne) lobte dies grundsätzlich: „Es hört sich gut an, der Ökostrom ohne die Neuanlagenquote, ich bin sehr froh, dass wir da ,umgeswitcht’ haben, das tut unserem Gewissen gut, und wir haben als Stadt auch eine Vorbildfunktion.“

Allerdings gab sie zu bedenken, dass man bei der etwas günstigeren Variante auch Betriebe dabei habe wie das Heizkraftwerk Altenstadt. Das sei eine Altanlage, die man nicht wolle. „Deshalb plädiere ich dafür, den teureren Ökostrom zu nehmen, das ist die ehrlichere Variante.“

Ilona Böse (SPD) empfand das Thema als eine „schwierige Entscheidung, aber wir müssen dem Klimawandel ins Auge sehen“. Ihrer Meinung nach „müssen wir etwas tun, auch wenn die Kassen leer sind“. Auch Bürgermeister Falk Sluyterman bezeichnete die Entscheidung hin zum Ökostrom als guten Schritt, verwies aber ebenfalls auf die finanzielle Lage der Stadt. „Im Hinblick auf die sehr angespannte Haushaltssituation ist nicht alles, was wünschenswert ist, auch leistbar.“

Auf Wunsch des Stadtrats wurde der Vorschlag der Verwaltung geändert. Mit 14:8 stimmten die Räte für die teurere Ökostrom-Variante mit Neuanlagenquote. Wenn die Stadt Eigenstrom gewinnt, wird der Vertrag hiervon nicht berührt. Dies wurde auf Nachfrage von Friedrich Zeller (SPD) bestätigt.

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