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Das Modell im Stadtmuseum ist Ausgangspunkt vieler Führungen. Hier erläutert Stadtführerin Gisela Sporer den Teilnehmern die Stationen der Führung „Mit der Henkerstochter durch das mittelalterliche Schongau“.

Stadtführungen erfolgreich 

Henkerstochter lockt sogar Chinesen

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Die Schongauer Stadtführungen ließen 2017 keine Wünsche offen. Die mittelalterlichen Gemäuer und ihre unzähligen Geschichten stießen bei knapp 4000 Gästen auf großes Interesse. Ein Magnet war erneut die Tour mit der „Henkerstochter“. Aber auch die neuen Angebote schlugen auf Anhieb ein.

Schongau – Stadtführerin Kornelia Funke hatte sich einiges vorgenommen, als sie die „Schongauer Biergeschichten“ aus der Taufe hob. 14 Brauereigasthöfe gab es einmal in der Lechstadt, heute erinnern in der Altstadt oft nur noch ihre Gemäuer und neue Gaststätten an sie. Funke hatte einiges zu recherchieren. Im Archiv wälzte die Schongauerin Bücher, der Kreisheimatpfleger konnte ihr auch viel erzählen, freut sich Funke, die die Geschichten seit 2017 in ihren Führungen lebendig macht. Zum Beispiel, wenn sie mit ihren Gästen vor dem Gasthof zur Glocke (Olympia) steht und erklärt, dass das Gasthaus in einer eiskalten Januarnacht beinahe abgebrannt wäre. Das Feuer war in der Gaststube ausgebrochen, die Wirtsleute konnten es zunächst nicht löschen, „weil die Wasserleitungen eingefroren waren“, weiß Funke. In ihrer Not löschten sie es dann mit Bier.

In der Kirche Mariae Himmelfahrt zeigt Funke den Gruppen die Zunftstange der Schongauer Brauer, die dort neben all den anderen steht, im Kasselturm reicht sie herb-süße Bierpralinen einer örtliche Manufaktur. Und am Schluss gibt es in der Traube natürlich Bier und Brezen.

Spannend ist auch der Stoff, den Stadtführerin Sylvia Hochmuth-Rexa als redselige „Anna Gerberin – Die Bürgersfrau zwischen Huren und Henkern“ zum Besten gibt. Sie leitet die zweite neue Tour, die es seit 2017 gibt. Die Gäste erfahren alles über die Berufe und Bewohner des Flussufers – und über die Hassliebe, die die redselige Bürgersfrau Anna mit der Lechvorstadt verbindet. Bei der ersten Führung seien es nur vier bis sechs Teilnehmer gewesen, bei der zweiten schon 18, freut sich Hochmuth-Rexa, die heuer noch „ein paar Stellschrauben nachziehen“ möchte, sagt sie. Es sei nicht immer einfach als Schauspielerin die Anna Gerber darzustellen und gleichzeitig Fragen aus der Gruppe zu beantworten. „Das ist schon etwas schizophren“, lacht die Stadtführerin, die in diesem Jahr ihre Rolle auch auf dem Floß spielen wird.

Die von Hans Hartung initiierten Lechfloßfahrten sind die dritte Neuerung aus dem vergangenen Jahr. Sie schlugen bekanntlich voll ein: Im August und September fuhren 1000 Gäste auf dem historischen Fernhandelsfloß und lauschten den Geschichten aus dem entbehrungsreichen Leben der ehemaligen Flößerfamilien, die Holz, Kalk, Zinn, Vieh und mehr über die Wasserstraße transportierten. Hartung wollte die Fahrten gerne ausweiten, die strengen behördlichen Auflagen machten ihm aber einen Strich durch die Rechnung. „Es gibt eventuell ein Uhu-Pärchen, das nicht gestört werden darf“, klagte Hartung in den SN. Stadtführerin Hochmuth-Rexa berichtete am Freitag nun, dass die Fahrten heuer auch im Juli angeboten werden sollen. Die Gäste wird es freuen.

Die begeisterten Zuhörer der Führungen auf dem Wasser und zu Lande kommen aus der Region, aber auch aus dem weiteren deutschsprachigen Raum. Das am häufigsten gebuchte Angebot ist „Mit der Henkerstochter durch das mittelalterliche Schongau“. Das hat die Lechstadt bekanntlich auch Oliver Pötzsch zu verdanken, dessen Roman „Die Henkerstochter“ mittlerweile sogar im fernen Osten in Mandarin erhältlich ist. Führerin Gisela Sporer nennt zudem die Schauspieler der Gruppe Treibhaus und die mittelalterliche Musik, die die Henkerstocher begleiten. „Es ist eine sehr schöne Führung“, sagt sie und empfiehlt, zwei Wochen im Voraus zu buchen. Denn die Gruppen seien fast immer ausgebucht.

Fürs Floß und in der Stadt sucht die Tourist Information noch Verstärkung. Vor allem wünschen sich die Verantwortlichen für die kommende Saison – sie beginnt im Mai – auch Stadtführer mit Fremdsprachenkenntnissen. Wer das Team verstärken möchte, meldet sich bei der Tourist Information unter Telefon 08861/214181.

Die Termine

gibt es im Internet unter www.schongau.de/Stadtfuehrungen.106.0.html. Die meisten Führungen finden in der Zeit von Mai bis Oktober statt. Gesonderte Termine können aber das ganze Jahr organisiert werden – zum Beispiel für eine Geburtstagsfeier oder ähnliche Anlässe.

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