Stadtführerin Renate Zöpf war auch in diesem Jahr wieder mit Gästen im Klosterhof unterwegs, allerdings mit etwas mehr Abstand. 
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Stadtführerin Renate Zöpf war auch in diesem Jahr wieder mit Gästen im Klosterhof unterwegs, allerdings mit etwas mehr Abstand. 

Jahresbilanz von Volkshochschule und Tourist Information Schongau

Stadtführungen: Viele Besucher und neue Ideen

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Ganz zufrieden mit den Besucherzahlen in Schongau und bei den Veranstaltungen der Tourist Information ist Ursula Diesch. Die Leiterin der Volkshochschule und Tourist Information Schongau hatte mit ihrem kleinen Team ein Corona-konformes Programm auf die Beine gestellt. Und auch für 2021 hat man schon Pläne.

Schongau – Erlebnisführungen, Wandern und Radeln sowie das Angebot des Lechfloßes – die Tourismus-Strategie der Stadt Schongau baue auf die Erlebbarkeit von Kultur und Natur auf, erklärt Ursula Diesch. Blickt man zurück auf dieses besondere Corona-Jahr, so sei man mit den Zahlen „recht glücklich“. Acht Stadtführer standen wieder für die während der Saison regelmäßig angebotenen Führungen am Freitagnachmittag und für Gruppenführungen zur Verfügung. Besonders die Themenführungen würden sorgfältig ausgearbeitet und ausgewählt, um die Attraktivität und die Historie der Altstadt zu präsentieren.

Seit diesem Jahr verstärkt Ursula Heitmeir das Team, ehemalige Schulleiterin an der Staufer-Grundschule. „Nun können wieder Führungen in den Sprachen Englisch, Französisch und Italienisch angeboten werden, was sehr gut ankommt“, so Diesch. Auch hatten sich einige der Stadtführer in den Wintermonaten darauf vorbereitet, Gästegruppen auch die Kirchen im Pfaffenwinkel zeigen zu können. „Aufgrund der Corona-Pandemie mussten jedoch in den Monaten März bis Juni und dann wieder im Herbst alle geplanten und gebuchten Führungen storniert werden“, bedauert Diesch.

„Henker-Heiler-Hexen“-Führung ein voller Erfolg

Bestens lief dafür die in den Sommermonaten „spontan konzipierte“ Erlebnisführung zum Thema „Henker – Heiler – Hexen“. Weil die Stadtführer mit den Teilnehmern ausschließlich Sehenswertes im Freien ansteuerten, war die Führung jederzeit gut machbar. Als Überraschung wartete zum Abschluss am Kasselturm eine Kräuterfrau, die sich Ursula Engelwurz nennt und dort ihre Apotheke zeigte und ihr Räucherwerk entzündete (wir berichteten).

Bis November 2020 sind Schongaus Stadtführer zu 64 Führungen aufgebrochen und haben insgesamt 997 Gäste durch die Altstadt oder in die Wieskirche begleitet. Zum Vergleich: Im Festspieljahr 2019 nahmen 4017 Gäste an 184 Führungen teil – ein Plus in Höhe von 19 Prozent gegenüber 2018.

Ursula Engelwurz nennt sich die Kräuterfrau, die heuer erstmals im Kasselturm ihre Apotheke zeigte.

Die Adventsführungen, die für das restliche Jahr noch vorgesehen waren, mussten heuer dann aber aufgrund der aktuellen Pandemie-Entwicklung abgesagt werden. „Trotzdem ist die Geschäftsstelle der Tourist Information erfreut, dass so viele Gäste eine Stadtführung erleben konnten“, so Diesch. Vier Mitarbeiter – 2,3 Stellen – zählt das Team der Tourist Information, das gleichzeitig für die Volkshochschule tätig ist und zusätzlich noch erste Anlaufstelle für alle Bürger im Rathaus, da man auch den Bürgerservice betreut.

Die Arbeit geht nicht aus: Im Sommer würden auch das ganze Wochenende über zwischen 8.30 und 18 Uhr Anmeldungen angenommen oder Informationen an Gäste weitergegeben. „Es ist ein kleines Team; was da geleistet wird, ist enorm“, so Diesch.

Auch für das neue Jahr gibt es schon wieder ganz viele Ideen für Stadtführungen – natürlich wieder mit strengem Hygienekonzept. Für 2021 sind literarische Erlebnisführungen in Zusammenarbeit mit dem Henkerstochter-Autor Oliver Pötzsch geplant. Außerdem soll ein Audioguide konzipiert werden, ebenfalls in Kooperation mit Oliver Pötzsch.

An neuen Themen wird gearbeitet

Der Hörer wird auf diese Weise zu den Schauplätzen der Henkerstochter in Schongau geführt. „Mit diesem Projekt ist es Gästen möglich, zu jeder Zeit einen interessanten Rundgang durch die Altstadt zu unternehmen“, so Diesch.

Auch an neuen Themen für weitere Erlebnisführungen wird bereits gearbeitet. Im Jahr 2021 soll es eine Entdeckertour zu verborgenen Winkeln der Altstadt geben. Außerdem habe der neue Band „Die Henkerstochter und der Fluch der Pest“ die Stadtführerinnen inspiriert, einen spannenden Rundgang daraus zu erstellen, verrät Diesch. Erstmals umrundet auch eine Stadtführerin die Stadtmauer außerhalb der Altstadt unter dem Motto „Das sind (ja) schöne Aussichten“. „Die Teilnehmenden werden bestimmt überrascht sein, welche Geschichten man bei diesen Führungen erfahren kann.“

53 Fahrten auf dem Lechfloß

Nach wie vor gut angenommen wird das Lechfloß – auch 2020. Das Floß brauchte heuer eine neue Unterkonstruktion und bekam einen neuen Kapitän. Trotz Corona – laut Hygienekonzept durften lediglich 30 Personen statt sonst 40 auf dem Floß Platz nehmen – fuhren insgesamt 1466 Gäste mit.

Wie im Vorjahr wurden 53 Fahrten organisiert, teilweise wurden an den Sonntagen vier bis fünf Fahrten unternommen. Sechs Fahrten mussten wetterbedingt abgesagt werden.

Corona: Einbruch bei den Übernachtungen:

Corona hat den Übernachtungszahlen in Schongau mächtig zugesetzt. Laut Ursula Diesch, Leiterin der Tourist Information Schongau, wurden dem Bayerischen Landesamt für Statistik von Januar bis September 2020 insgesamt 12 792 gewerbliche und nicht gewerbliche Übernachtungen gemeldet. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies für den gewerblichen Bereich ein Minus in Höhe von 34,3 Prozent. Damit liegt man etwas besser als im gesamten Oberbayern, wo ein Minus von 39,1 Prozent geschrieben wurde.

„Dabei ist zu berücksichtigen, dass es coronabedingt mehrere Monate lang gar keine Möglichkeit für eine Übernachtung im Hotel oder in einer Ferienwohnung gab“, so Diesch.

Die Statistik weist für das Jahr 2019 insgesamt 25 256 Übernachtungen aus, sodass ein Minus in Höhe von 5,3 Prozent zu verzeichnen ist (2018: 26 671). Der Rückgang der Übernachtungen im gewerblichen Bereich liegt bei 5,1 Prozent im Vergleich zu 2018, wo sogar ein Plus in Höhe von 13,9 Prozent verzeichnet worden war. Im gesamten Pfaffenwinkel waren 2019 die Übernachtungszahlen um 0,3 Prozent gestiegen, im Jahr 2018 um 4,2 Prozent.

Nicht in der Statistik erfasst werden die Übernachtungen der Wohnmobilisten am Schongauer Stellplatz. Diese lagen laut Diesch 2019 bei geschätzten 6000. Der Trend hin zum Wohnmobil ist aber auch in Schongau spürbar. „Auffallend war die Zeit nach dem ersten Lockdown im Frühjahr, als der Wohnmobilplatz gleich im Mai oftmals mit 20 und mehr Wohnmobilen gut gefüllt war“, so Diesch.

Der Ansturm hielt in den Sommermonaten weiter an. In Stellplatzführern bzw. Apps wird der Schongauer Volksfestplatz als „Geheimtipp für die Durchreise“ geführt: sehr günstig und stadtnah. Auch die erst kürzlich vom Stadtrat beschlossene Erhöhung von fünf auf acht Euro wird daran vermutlich wenig ändern.

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