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Im Gerberviertel in der Lechvorstadt endet die Stadtführung von Sylvia Rexa. Sie erzählt als Anna Gerberin viel über Schongaus Geschichte.

Neue Führung durch Schongau

Stadtgeschichte hautnah erleben

Monatelange Recherche steckte Sylvia Rexa in Schongau in das neue Stadtführungs-Angebot. Herausgekommen ist die Figur der Anna Gerberin. Diese nimmt die Besucher mit in ferne Jahrhunderte.

Schongau – „Meine Aufgabe als Kind war es, die Schweine morgens in den Garten zu jagen“, erzählt Anna, die Weißgerberstochter. Dargestellt wird sie von Sylvia Rexa, die gekleidet in einen langen schwarzen Rock mit roter Schürze, grünem Mieder und weißer Leinen-Bluse vor den Besuchern steht. Vervollständigt wird der historische Look durch einen netzartigen Kopfputz.

Bei Anna Gerberin handelt es sich um eine fiktive Figur, die aber so in Schongau gelebt haben könnte. Geboren ist sie um das Jahr 1660 nach dem Ende des 30-jährigen Krieges. Ihr Vater war der Oberste der Weißgerber. Diese fertigten aus dem hellen Leder von Ziege, Schaf und Kalb zierliche Weißlederarbeiten, wie feine Handschuhe oder Börsen und Gürtel.

„Die Weißgerber waren die Feingeister unter den Gerbern“, erzählt Anna. Wenngleich diese standesgemäß unter den Rotgerbern rangierten, die vor allem durch Militäraufträge wesentlich mehr verdienten.

Kein Wunder, dass es das Bestreben der Eltern war, die Tochter mit einer guten Partie aus den Reihen der Rotgerber zu verheiraten. Es war keine Liebesheirat. „Als ich den Franzl das erste Mal gesehen habe, wusste ich: Das wird schwierig“, gesteht Anna. Als ihr Franzl sie allerdings das erste Mal zum Tanz holte beim Patroziniumsfest des heiligen Bartholomäus, war es schon nicht mehr so schwierig. Und schließlich ist es ganz gut geworden mit dem Franzl und ihr. Ihr Franz hat es zum Zunftmeister gebracht, und Anna, sorgte vor allem für den Haushalt und die Kinder.

Natürlich hat die eigenwillige Person einen eigenen Hausheiligen, Crispin, der in der Nische ihres stolzen Hauses an der Lechbrücke im Gerberviertel steht. Wenn Gäste kommen, holt sie schon einmal das feine, chinesische Porzellan heraus.

Eine ihrer Leidenschaften ist es, das rege Treiben am Marienplatz zu beobachten. In der Handelsmetropole Schongau machten im Mittelalter bis zu 300 Fuhrknechte täglich Station, weiß sie. Rund 24 sind abwechselnd tagsüber auf dem Marienplatz ständig präsent. Nach der Ehrenrunde um die Kirche machen sie auf dem Platz vor dem Ballenhaus Station.

Eine weitere Leidenschaft von Anna ist das Kochen. Sogar ein eigenes Kochbuch hat sie geschrieben. Die frischen Zutaten bekommt sie u. a. im Kloster bei den Karmelitern, die nicht nur edle Obstsorten wie Pfirsiche, Birnen, Aprikosen oder Feigen züchten, sondern aus dem Obst auch den berühmten „Seelentröster“ brennen, mit dem sich so manche Hausfrau ihren Kummer versüßt.

Zum Kloster gehört auch die Kirche St. Anna, nach deren Patronin Anna benannt worden ist. Kurzum: Anna Gerberin hat viel zu erzählen. Über ihre Mitbürger, das alltägliche Leben in der Stadt und außerhalb der Stadtmauern. Sie führt die Besucher an Original-Schauplätze und macht auch Station im Stadtmuseum und der Karmeliter-Kirche. Anschaulich erzählt sie Geschichtliches aus ihrer Zeit, springt aber auch in andere Jahrhunderte, um umfassend zu informieren.

Als die Führung schließlich im ehemaligen Gerberviertel endet, wissen alle ein bisschen mehr über die Stadtgeschichte. Sozusagen aus erster Hand!

Ursula Fröhlich

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