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Emotionaler Höhe- und Schlusspunkt, bei dem kein Auge trocken blieb: Seine Musiker bereiteten Marcus Graf einen ganz besonderen Abschied.

Abschied mit zwei Konzerten

Stadtkapelle Schongau: Einmalig schöne Verabschiedung für Graf

Der letzte Vorhang ist für Marcus Graf gefallen: Dieser hat sich nach 23 Jahren als Stadtkapellmeister mit zwei grandiosen Konzerten von seinen treuen Musikern und Zuhörern verabschiedet. Und die dankten es ihm mit stehendem Applaus und einer großen, sehr emotionalen Überraschung.

Schongau – Es war kein Frühjahrskonzert wie jedes andere: Das bemerkte man nicht nur an der Stimmung, sondern auch beim Blick aufs Programm. Denn dort waren Stücke aufgelistet, die dem einen oder anderen langjährigen Besucher bekannt vorkamen. Eine Art „Best of“ aus 23 Jahren.

Aber nicht irgendwelche: Die meisten davon waren hoch anspruchsvolle Klassiker, die zu Oberstufen-Wettbewerben einstudiert worden waren. Darunter die epochale Titelmusik von „Ben Hur“, Rossinis „Diebische Elster“, Odysseus „Return to Ithaca“ und „Bonaparte“, die Moderatorin Kathrin Beckstein als „Hammer“ ankündigte. Denn diese Stücke verlangten den knapp 80 Musikern der Stadtkapelle alles ab.

Konzerte der Stadtkapelle Schongau mit abwechlungsreichem Programm

Aber auch dem Publikum. Wer es schafft, sich auf diese vier Meisterwerke einzulassen, der kann in einzigartiger Weise die Geschichten dahinter musikalisch erleben, darf staunen, nachdenken und genießen. Musik muss nicht immer eingängig gefällig sein. Sie darf auch fordern und wird dadurch erst recht großartig. Vor allem, wenn sie so grandios intoniert wird wie von der Stadtkapelle Schongau.

Stabübergabe: Andreas Immler (links) bekam den Taktstock von Marcus Graf überreicht.

Doch ein Profi wie Marcus Graf weiß natürlich um die Wichtigkeit eines abwechslungsreichen Programms, um ein Konzert perfekt zu machen. Nach den gewaltigen Ouvertüren begeisterten seine Musiker mit mexikanischer Mariachi-Musik, beschwingten Polkas und schneidigen Märschen.

14-Jähriger begeistert am Xylophon

Und dazwischen durfte man wieder staunen: Der erst 14-jährige Felix Ruhland stellte sich ganz cool ans Xylophon vorn auf der Bühne und schmetterte die „Erinnerung an Zirkus Renz“ wie ein Profi. Einfach super.

Auch dieses Stück hat eine Geschichte: Denn vor vielen Jahren hat die Stadtkapelle extra für dieses Stück das Xylophon angeschafft. Damals stand Thomas Sporrer an den klingenden Holzstäben, der heute Ruhlands Lehrer ist.

Und noch eine Komponente durfte bei Grafs Frühjahrskonzerten nie fehlen: der Humor. Eine offizielle, steife Stabübergabe an seinen Nachfolger Andreas Immler? Nicht bei Marcus Graf. Nachdem dieser an Posaune und Bariton sein großes musikalisches Können unter Beweis gestellt hatte, bekam er von Graf den Taktstock in einem überdimensionalen Paket überreicht – und durfte auch gleich ans Dirigentenpult, während Graf im Trompetenregister Platz nahm.

Cool und perfekt wie ein Profi: Der erst 14-jährige Felix Ruhland am Xylophon.

Doch das „Marsch-Konfetti“ treibt jeden Dirigenten scheinbar in den Wahnsinn, da jedes Register ein Eigenleben entwickelt und bekannte Märsche durcheinander spielt. „Jetzt hast Du gemerkt, dass Du die Zügel fest in der Hand halten musst, sonst macht dieser Haufen hier, was er will“, gab Moderatorin Beckstein dem neuen Dirigenten humorvoll mit auf den Weg zurück ins Posaunenregister. Lachen, staunen, genießen: Die knapp tausend Besucher an den beiden Konzert-Abenden bekamen nicht genug davon und forderten drei Zugaben ein. Die sie natürlich auch bekamen.

Überraschung für Marcus Graf

Vor der letzten Zugabe verabschiedete sich Stadtkapellmeister Marcus Graf von seinem Publikum und dankte ihm für seine Treue: „Ich habe Sie entführt, verführt, gefordert, aber hoffentlich nicht überfordert“, blickte er auf die 23 Jahre zurück. Seine Musiker, die „ich oft vor mir hergetrieben habe, sind nun mein Rückhalt. Es ist schön zu wissen, dass Ihr hinter mir steht und mich zur rechten Zeit auf den Boden der Tatsachen zurückholt.“

So passte auch das letzte Stück des Abends wunderbar: „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ von James Last. „Ein Stück, das einem bewusst machen soll, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen“, erklärte Graf in seiner bescheidenen Art. Doch für seine Musiker war und ist er wichtig. Nach dem allerletzten Ton wurden unter Grafs erstauntem Blick Instrumente und Notenständer beiseite geräumt, Liedblätter in die Hand genommen, und alle Musiker sangen „Heast as net“ von Hubert von Goisern. Ein Moment, der Graf tief unter die Haut ging. Wie auch seinen Musikern und dem Publikum. Da blieb fast kein Auge trocken. Eine einmalig schöne Verabschiedung von einem wunderbaren Dirigenten.

VON CHRISTINE WÖLFLE

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