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Die geretteten Tierbilder, die ausgesägt und im Bauhof gelagert worden waren, sind bereits an ihrem neuen Standort im Grundschul-Rohbau eingezogen – mittlerweile natürlich geschützt durch einen Holzrahmen.

Stadtrat

Cobi Reiser und die Salami

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Eineinhalb Jahre ist die dramatische Rettung der Cobi-Reiser-Bilder her, seitdem lagerten die Tiermosaike im Bauhof. Jetzt sind sie in die neue Grundschule eingebaut worden, doch Thema im Stadtrat am Dienstagabend war das ebenfalls gerettete monumentale Uhrenbild: Noch einmal tief in die Tasche greifen oder zerstören?, war die Frage.

Schongau – „Das sieht klasse aus“, sagte Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) zu den acht Tiermosaiken, die dank einer Schüler-Unterschriftensammlung aus der mittlerweile abgerissenen Grundschule gerettet worden waren und bereits in der neuen Schule eingebaut sind. „Alles hat gut geklappt, auch die Kosten sind im Rahmen geblieben“, ergänzte Stadtbaumeister Sebastian Dietrich. Ein nicht unwichtiger Punkt, schließlich hat sich die Stadt die Rettung der acht Tiermosaike, die in den Klassenzimmern der Anfang der 50er Jahre erbauten alten Grundschule hingen, 40 000 Euro kosten lassen. „Leider sind wir bei dem Wanduhrbild noch nicht soweit“, sagte Sluyterman.

Das leitete über zum eigentlichen Tagesordnungspunkt, dem überdimensionalen Uhrenbild. Schon damals war allen klar, dass es das eigentlich wichtigere Werk des Münchner Künstlers Cobi Reiser ist, weil es außen an der alten Turnhalle angebracht und damit auch für Nicht-Schüler sichtbar war. Doch die Rettung schien aus finanziellen Gründen aussichtslos – bis der Historische Vereine, der bereits für die Rettung der Tiermosaike 15 000 Euro beigetragen hatte, eine beispiellose Spendensammlung ins Leben rief, die dank Unterstützung von Künstlern wie Kabarettist Helmut Schleich 27 000 Euro einbrachte. Weil auch die Stadt nochmal 7000 Euro nachschoss, um das ausgesäte, 19 Tonnen schwere Uhrenbild auf dem Schulgelände sicher zu lagern, war die Rettung perfekt. Doch Michael Eberle (CSU) und Ralf Schnabel hatten damals bereits betont, irgendwann müsse Schluss sein. Zitat Sluyterman: „Es gibt die klare Aussage, dass die Stadt keine weiteren Kosten übernimmt.“

Das hatte der Bürgermeister gesagt, weil als sicher galt, dass die Wüstenrot-Stiftung die Kosten für die Aufstellung am neuen Standort übernimmt. Doch Anfang März schrieb Heide Krauthauf, Vorsitzende des Historischen Vereins, einen Hilferuf an Bürgermeister und Stadträte, weil die Wüstenrot-Stiftung abgesagt hatte. „Das war ein herber Schlag“, so Krauthauf. Man sei dabei, weitere einflussreiche Leute anzusprechen, die Spendenbereitschaft vor Ort erneut zu stimulieren und mit anderen Stiftungen Kontakt aufzunehmen. Doch das sei nur möglich, wenn auch der Stadtrat den Erhalt des Cobi-Reiser-Werkes unterstütze.

Problem Nummer eins: Es fehlen 55 000 Euro. Problem Nummer zwei: Die Zeit drängt. „Wegen des Baufortschritts müssen wir das heute entscheiden, denn Mitte des Jahres beginnen wir mit den Außenanlagen“, sagte Dietrich. Sogar die Kosten für Abbruch und Entsorgung des Uhrenbilds hat die Stadt bereits ausgerechnet, das würde 5000 Euro kosten. „Dann wären aber auch alle Spenden verloren“, so Dietrich, was Krauthauf in ihrem Schreiben als „Katastrophe“ bezeichnete.

Deshalb hat sich die Stadt zwei Wege ausgedacht. Der eine sieht vor, die Wiederaufstellung des Uhrenbilds als „Kunst am Bau“ zu deklarieren. Dafür sollen zwischen 0,5 und zwei Prozent der Bausumme ausgegeben werden, da wäre noch viel Spielraum. Bei der in einigen Jahren anstehenden Sanierung der Mittelschule könnte man dann zeitgenössische Kunst gestalten, das wäre sogar förderfähig, so Dietrich. Deshalb Sluytermans Vorschlag: Die Stadt trägt 30 000 Euro der notwendigen Kosten, die restlichen 25 000 Euro werden dem Historischen Verein als zinsloses Darlehen zur Verfügung gestellt. Dann wäre genug Zeit, noch Gelder aufzutreiben. „Es wäre wirklich ein Schildbürgerstreich, das mühsam mit viel Unterstützung gerettete Kunstwerk jetzt zu zerstören, weil man kein Geld geben will. Das wäre niemandem zu vermitteln“, so Sluyterman.

Während Stefan Konrad für die SPD („das muss uns die Kunst wert sein“) und sogar Dauer-Kritiker Markus Wühr von der CSU („mich hat der Vortrag damals im Ballenhaus überzeugt“) sich für die erneute Rettung aussprachen, sprachen Stephan Hild (UWV) und Eberle die erwartbare Salami-Taktik an: „Es ist genau das passiert, was wir damals gesagt hatten“, so Hild, und Eberle sagte lakonisch: „Dann essen wir das nächste Salami-Stück.“ Der Beschluss fiel einstimmig.

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