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Die Baustelle am Haus für Kinder: Die Vergaben der einzelnen Bauleistungen werden immer schwieriger.

Komplizierte Vergaben in Schongau

Städtische Probleme dank Handwerks-Boom

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Die gute Lage der Bauwirtschaft bringt Städte und Gemeinden zunehmend in Schwierigkeiten. Denn bei Bauprojekten bewerben sich kaum oder gar keine Unternehmen – deshalb wird es oft teurer als gedacht. Das war jetzt im Schongauer Stadtrat zu beobachten.

Schongau – Auf der Baustelle am ehemaligen May-Gelände geht es voran mit dem Bau des neuen Hauses für Kinder, im Herbst sollen dort die Kinder toben können. Doch bis es soweit ist, stehen noch einige Auftragsvergaben an – und der zuständige Bauamtsmitarbeiter Robert Thomas wird drei Kreuzzeichen machen, wenn dieser Teil vorbei ist. „72,5 Prozent der Baukosten sind mittlerweile vergeben“, teilte Thomas in der jüngsten Stadtratssitzung mit. Doch weil es oft teurer wird als angenommen, schmilzt der Risikopuffer bedenklich zusammen.

Vier Gewerke waren in der Sitzung zu vergeben. Das Dilemma zeigte sich gleich bei den Trockenbauarbeiten: Neun Firmen wurden angeschrieben, aber nur eine gab überhaupt ein Angebot ab. Das lag mit 128 000 Euro, rund 8000 Euro über der Planung, also noch im Rahmen. Doch bei den Estricharbeiten, bei denen wegen diverser Verfahrensfehler ebenfalls nur einer übrig geblieben war, gab es Diskussionen: Die kommen nämlich mit fast 46 000 Euro fast 10 000 Euro teurer als gedacht. „Kann man die Auftragsvergabe nicht noch einmal machen?“, wollte Michael Eberle (CSU) wissen. Davon riet Thomas dringend ab: Zum einen, weil unklar sei, ob man wirklich günstiger wegkomme, zum anderen, weil es sonst beim Fortgang der Arbeiten zu Verzögerungen kommen könnte.

Wenn ein Angebot 30 Prozent über der veranschlagten Summe liege, könne man die Vergabe aufheben, klärte Thomas auf. Das wurde bei den Estricharbeiten knapp verfehlt. „Aber es kommt auch drauf an, ob man eventuell die Summe zu niedrig angesetzt hat“, so Thomas.

Das wurde beim Thema hinterlüftete Fassade aktuell. Da gab es Änderungen, weil es bei der Planung Unstimmigkeiten mit der Dämmung gegeben habe, sagte Thomas. „Deshalb wurde der Kostenansatz erheblich überschritten“, nämlich statt angenommener 98 000 Euro wurden daraus 136 000 Euro. Fast müßig zu erwähnen, dass von neun angeschriebenen Firmen nur zwei Angebote abgegeben hatten.

Obwohl das die höchste Preissteigerung des Tages war, wurde erheblich länger über die Vergabe der sogenannten Spezialinnentüren diskutiert. Die kommen vergleichsweise mit einem geringen Aufschlag von rund 9000 Euro daher, doch weil dafür insgesamt 154 000 Euro ausgegeben werden, gaben sich die Baufachleute unter den Stadträten, Helmut Hunger (CSU) und Stephan Hild (UWV), fassungslos. Obwohl Thomas erklärt hatte, dass es um alle rund 30 Türen im Haus geht, dazu die Eingangstür gehört und auch einige Schiebe- sowie Brandschutztüren dabei sind („also keine 08/15-Türen“), musste er sich einiges anhören: „Im Schnitt 5000 Euro für eine Tür ist Wahnsinn“, sagte Hunger. „Man kann nicht alles abnicken“, sagte Hild. Beide stimmten bei diesem Punkt dagegen.

Es dürfte spannend werden, wie es mit den restlichen 27,5 Prozent der Vergaben weitergeht. Denn der Risikopuffer des 2,6 Millionen Euro teuren Projekts ist auf 48 000 Euro abgeschmolzen, man liegt fast fünf Prozent über den geplanten Kosten.

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