Scheuklappen-Preisträgerinnen: Die Weklfen-Gymnasiastinnen (v.li.) Amreis Maes, Angela Lochbihler, Bilge Bastürk, Beyza Turan und Adrienne Jasper, die Vorlesestunden für Flüchtlingskinder halten.

Stiftung Scheuklappen in Schongau

Drei Scheuklappen-Preisträger im Kampf gegen Vorurteile

Der diesjährige Preis der Stiftung Scheuklappen ist vergeben. Ausgezeichnet worden sind die Schülerin Rama Akhras, ein Projekt der Pfaffenwinkel-Realschule und Vorleserinnen des Welfen-Gymnasiums.

Schongau – „Vorurteile können sehr unterschiedlicher Natur sein. Dem einen sind Menschen mit einer anderen Hautfarbe unheimlich, andere haben Probleme mit Behinderungen oder unterschiedlichen religiösen Gesinnungen. Diese Ängste erzeugen in uns Vorurteile. Wir wollen genau diese Art von Vorurteilen abbauen.“ So steht es auf der Homepage der Schongauer Stiftung Scheuklappen, die von Gisela und Erwin Höpfl gegründet worden ist. Jedes Jahr zeichnet die Stiftung Menschen aus, die sich in diesem Sinne verdient gemacht haben.

Scheuklappen-Preisträgerin: Die Kulturdolmetscherin Rama Akhras aus Syrien. 

Dieses Jahr hat es gleich drei Preisträger gegeben. Im Rahmen eines Festakts in der Aula des Welfen-Gymnasiums mit Buffet und Kabarett sind sie von Vorjahrespreisträgerin Veronika Dietzel ausgezeichnet worden. So wurde Rama Akhras aus Syrien für ihr ehrenamtliches Engagement als Kulturdolmetscherin geehrt.

Die Schülerin, die im Jahr 2014 im Alter von 14 Jahren aus Aleppo nach Schongau gekommen ist, hat in kürzester Zeit Deutsch gelernt und bereits ein Jahr später ihre Quali-Prüfung an der Mittelschule Schongau mit der Note 1,8 abgelegt. Im vergangenen Schuljahr hat sie die Mittlere Reife erworben und besucht derzeit die Übergangsklasse des Welfen-Gymnasiums.

„Ich habe selbst erlebt, wie schwer es ist, in einem Land zu leben und die Sprache nicht zu können“, begründete sie ihr Engagement als Kulturdolmetscherin. Besonders die Lehrerinnen Johanna Bystry und Monika Soyer-Bauer hätten ihr geholfen, ihre Ziele, die Sprache zu erlernen und einen guten Schulabschluss zu machen, zu erreichen. Deshalb wolle sie weitergeben, was sie an Hilfe bekommen habe.

Als Kulturdolmetscherin hilft sie Landsleuten, sich in Deutschland zurechtzufinden, begleitet sie bei Arztbesuchen oder Behördengängen. „In Syrien gibt es ein Sprichwort: Tu etwas Gutes, und du wirst es finden“, so Rama Akhas.

Gutes tut auch die Realschule Pfaffenwinkel. Im vergangenen Schuljahr hat Rektor Armin Eder ein Nachbarschaftshilfe-Projekt ins Leben gerufen. Statt im Religionsunterricht zu sitzen, sollten die Schüler der neunten Klassen ihn praktisch leben. Vier Wochen lang leisteten die Schüler in rund 13 000 Stunden ehrenamtliche Hilfe in Altenheimen, Kindergärten oder einfach beim Einkaufen für ältere Mitbürger.

Scheuklappen-Preisträger: (v.li.) die Vorjahres-Preisträgerin Veronika Dietzel mit Schülern der Pfaffenwinkel-Realschule, die sich in der Nachbarschaftshilfe engagiert haben, und Vertreter der Schule und der Elternschaft.

Über ihren Einsatz haben die Schüler ein Tagebuch geführt, das benotet wurde. Das Projekt stieß von allen Seiten auf positive Resonanz und soll in diesem Schuljahr wiederholt werden.

Ebenfalls ehrenamtlich setzen sich fünf Schülerinnen der 11. Klasse des Schongauer Welfen-Gymnasiums in ihrer Freizeit für Integration ein. Sie gestalten Vorlesestunden für Flüchtlingskinder in der Bücherei am Münztor. Fünf solcher Stunden haben bereits stattgefunden und sollen einmal im Monat weitergeführt werden.

Aber auch ein anderes Projekt am Welfen-Gymnasium, das P-Seminar Werbefilm, ist von der Stiftung Scheuklappen beim Kauf einer Kamera unterstützt worden, wie die drei Moderatoren des Abends, Greta Braun, Marco Holinski und Carolin Waldmann, ausführten. Zudem gab es Geld für die Kamera vom Förderverein des Welfen-Gymnasiums und von der Initiative Integration. Die Schüler revanchierten sich dafür mit der Ausrichtung und Organisation des Festakts.

Ursula Fröhlich

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