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Andrea Jochner-Weiß bezog am Samstag in der Tagesschau Stellung.

Stimmungslage der CSU im Landkreis

In der Sache richtig, aber schlecht im Ton

  • Jörg von Rohland
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Innerlich zerrissen, in Umfragen bei nur noch 38 Prozent der Stimmen: Die CSU steckt in einer schweren Krise, möchte man meinen. Die Basis im Landkreis blickt den Wahlen im Herbst dennoch gelassen entgegen. Einige Delegierte des jüngsten Bezirksparteitags versprühen sogar neuen Optimismus.

Weilheim-Schongau – Landrätin Andrea Jochner-Weiß stellte sich am Wochenende beim Bezirksparteitag in Irschenberg vor die Fernseh-Kamera und brachte das Dilemma, in dem die CSU steckt, auf den Punkt: Die scharfen Worte im Asylstreit „haben ein schlechtes Bild auf uns geworfen“, sagte sie am Samstagabend zur besten Sendezeit der ARD-Tagesschau. Der Machtkampf zwischen dem Innenminister und der Kanzlerin sei schlimm gewesen, konkretisierte die CSU-Landrätin ihre Aussage nun auf Anfrage. „Das hat uns Ansehen und Stimmen gekostet.“

Das war’s dann aber schon mit der öffentlichen Kritik an der Parteispitze. Ab sofort richten sich die Blicke der Christsozialen im Landkreis nach vorne: „Die Stimmung auf dem Bezirksparteitag war gut, man muss das jetzt abhaken können“, meint die Landrätin. Von einem „sehr positiven Bezirksparteitag“ spricht auch Peter Ostenrieder. Der stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende aus Birkland freute sich ebenso wie Jochner-Weiß, dass die anderen Themen der CSU angesprochen wurden, die zuletzt oft außen vor geblieben waren. Ostenrieder sah eine oberbayerische CSU, „die hinter ihrem Ministerpräsidenten Markus Söder steht“. Der sparte am Samstag die Asyldebatte weitestgehend aus und rief zusammen mit Ministerin Ilse Aigner zur Geschlossenheit auf. Das kam an: „Vor den 38 Prozent ist mir nicht bange“, sagt Ostenrieder zum Stimmungstief, das er für eine Momentaufnahme hält.

Der Schongauer Dr. Oliver Kellermann lässt sich ebenfalls nicht ins Bockshorn jagen. Der Schongauer CSU-Vorsitzende sieht in der Partei gar eine „Jetzt-Erst-Recht-Stimmung“ aufkommen. Die Demonstration am vergangenen Wochenende in München, bei der Tausende gegen die CSU-Politik auf die Straße gingen, kritisiert er scharf: „Das war unter der Gürtellinie.“

Dass der Protest gegen die Parteispitze mitunter sogar von den eigenen CSU-Mitgliedern befeuert wird, findet der Schongauer Zahnarzt derweil nicht schlimm: „Grabenkämpfe gibt es in jeder Partei, das kann der Demokratie nur gut tun.“ In der Schongauer CSU gibt es laut Kellermann keine Grabenkämpfe. Man sei mit der Dreierspitze Seehofer, Dobrindt und Söder „auf einer Linie“.

Gleiches gilt für Weilheim: „Wir stehen zu 100 Prozent hinter unserem Kreisvorsitzenden Alexander Dobrindt und dem Regierungsprogramm von Markus Söder“, erklärt der CSU-Ortsvorsitzende Frank Dittmann. Auch im Asylstreit seien in der Sache die Meisten einverstanden mit dem gewesen, was der Bundesinnenminister gemacht habe, führt Dittmann aus. „Aber es sind Ausdrücke gefallen, über die man diskutieren kann und muss“, schränkt er ein.

Eine „Union der Mitte“, die sich derzeit in München bildet und gegen Populismus in der CSU auflehnt, ist aber weder in Schongau noch in Weilheim ein Thema. Das beschränke sich auf die Landeshauptstadt München, heißt es.

Zuletzt hatten sich die Kritiker vor allem auf Bundesinnenminister Horst Seehofer eingeschossen. Nach seinen Äußerungen im Asylstreit steht er in der Kritik. Die Peitinger Frauenunion-Vorsitzende Irma Gundlach spricht von „einer Hetzkampagne gegen Seehofer und die CSU“. „Man muss schauen, wie man da jetzt rauskommt“, sagt sie und betont, dass die Partei so vieles Gutes gemacht habe.

Explizit verweist die Peitingerin zum Beispiel auf das Betreuungs- und das Baugeld. „Gerade in schlechten Zeiten lässt man seinen Partner nicht im Stich“, macht sie jetzt klar. „Wir müssen jetzt nach vorne schauen und die Menschen überzeugen.“

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