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Voll war das Schongauer Brauhaus beim Starkbieranstich mit Bruder Michael alias Michi Marchner.

Starkbierfest im Brauhaus

Der Kack mit dem Ikekhickhack

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Schongau - Mit seinen beiden bisherigen Fastenpredigten im Schongauer Brauhaus hatte Kabarettist Michael Marchner alias Bruder Michael die Latte extrem hoch gehängt. Dieses Jahr ist er nicht an die sensationellen Auftritte der Vorjahre herangekommen – auch, weil die Vorlagen aus der Lokalpolitik gefehlt haben.

Der Starkbieranstich im Brauhaus, er ist Bruder Michael „ans Herz gewachsen“, wie er selber nach der obligatorischen Begrüßung der „lieben Schongauerinnen und -gauer“ zugibt. Allein: Es fehlen die Themen, alles läuft. „Hallo? Das ist nicht das Schongau, das ich kenne“, schimpfte Marchner. Der vorsichtige Optimismus, der sich im Städtchen ausbreite, „ist die Extase des Schwaben“.

Das heikle Thema Flüchtlinge streifte Bruder Michael nur kurz, lobte unter kräftigem Applaus die Helferkreise und spottete über Landrätin Jochner-Weiß, dass die „Bussi-Bussi-Andrea“ wegen des Asyl-Themas gar keine Zeit mehr habe. Dass Bürgermeister Falk Sluyterman nicht mehr jedes Jahr drei Kilo zunehme, womit er am Ende der Amtszeit einen stattlichen Bürgermeister abgegeben hätte, sei logisch – „weil ja irgendwann eventuell vielleicht doch die erweiterte Sauna am Plantsch öffnet. Da muss Sluyter öffentlich vorsaunen, damit ihm der goldene Sauna-Wachel verliehen wird.“ Bei der Einweihung der Badeinsel am Lido habe der Bürgermeister ja noch ein „Falk-Double“ schwimmen lassen, kritisiert Marchner.

Bürgermeister Falk Sluyterman hat souverän das erste Fass angezapft, die insgesamt fünf kräftigen Schläge wären gar nicht nötig gewesen. Neben Sluyterman Braumeister Stefan Göpfert und das Wirts-Ehepaar Marion und Tyll-Patrick Albrecht.

Mit Vize-Bürgermeister Tobias Kalbitzer sei dagegen nicht mehr viel los. „Kürzlich habe ich einen alten Mann in Trachtleroutfit getroffen, der gesagt hat: Mit der jetzigen Frisur hätte ich ihn nicht gewählt.“ Kalbitzer sei froh, dass er nicht Bürgermeister geworden ist, so Marchner: „Sluyterman gelingt es im Gespräch mit den Bürgern immer auf charmante Art, Interesse zu heucheln. Kalbitzer dagegen hätte vermutlich schon mindestens drei Leute erschlagen.“

Auch die Ex-Bürgermeister Friedrich Zeller und Karl-Heinz Gerbl, die jetzt beide Kommunalpolitik unterrichten, blieben nicht verschont: „Wer’s kann, der tut’s, wer nicht, der unterrichtet’s.“ Wobei, schwächte er ab: Zeller wisse über alles Bescheid. „Und wenn nicht, dann weiß er es immer noch besser als alle anderen.“ Und Gerbl? Zu dem falle ihm nichts ein. Doch, halt: „Er hat die Fußgängerzone verhindert.“

Apropos Fußgängerzone: Da solle ja die Verweildauer und Aufenthaltsqualität optimiert werden, aber bisher prägen dank kostenlosem W-Lan vor allem Flüchtlinge das Bild. „Sonst ist niemand da. Und was soll man da auch kaufen? Es gibt ja nichts.“ Da blieb manchem Zuhörer das Lachen im Halse stecken, ebenso wie beim Volksfest-Gag über die mangelhafte Ausstattung des Bierzelts: „Der Festwirt hat sich vorher in der Stadt umgeschaut und gedacht: Die Schongauer lieben es trostlos.“

Aufenthaltsqualität auf dem Marienplatz vor allem für Flüchtlinge 

Als Bruder Michael auch noch über die vielen schlichten Gemüter in Schongau spottete, schien es mit der Freundschaft bald vorbei zu sein. Doch der Fastenprediger kratzte noch die Kurve und die restlichen lokalen Themen hervor, die sich anbieten. Die Bahnhof-Situation etwa, die Gewerbesteuer-Erhöhung mit einem Ärger-Ausfluss über die Firma Hirschvogel, die sich darüber beschwert, und natürlich der „Ikekhickhack“, also der Kack mit dem Mittelzentrum. „Die Schongauer finden das Mittelzentrum schon gut, aber warum denn mit den Peitingern?“, fragte Marchner. Schließlich habe man sich früher einmal im Vierteljahr mit denen auf dem Schloßberg getroffen und sich gegenseitig den Schädel eingeschlagen.

Zum Schluss wurde Bruder Michael fast noch sentimental. Er müsse tags darauf eine Fastenpredigt in Landsberg halten, „und die sind ein Haufen: Je länger ich mit denen zu tun habe, desto froher bin ich, dass ich euch habe. Ich bin ein Schongauer!“ Dass es einige Längen und Wiederholungen wie den Rex-Gildo-Witz auf Kosten der CSU gab, war beim tosenden Applaus des Publikums längst vergessen. Marchner musste sogar zu einer Zugabe kommen, was ihn einigermaßen verwirrte: „Bei einer Fastenpredigt habe ich so etwas noch nie gehört.“ Mit einem Witz löste er die ungewöhnliche Situation auf. Und vielleicht bietet ihm die Stadtpolitik nächstes Jahr wieder mehr Themen.

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