Lange vor dem Start befüllten die Schüler den Stratosphären-Ballon mit Helium.
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Lange vor dem Start befüllten die Schüler den Stratosphären-Ballon im Helium. Wie sich herausstellte, hätte es ruhig ein bisschen mehr Gas sein dürfen.

Experiment des P-Seminars

Stratosphären-Ballon-Start wird zur Nervenprobe: Sonde landet in Österreich

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Kurz vor dem Lockdown hat es das P-Seminar des Schongauer Welfengymnasiums gerade noch geschafft, seinen Stratosphärenballon in die Luft zu bringen. Allerdings lief nicht alles nach Wunsch. Die Technik streikte, und der Ballon flog deutlich weiter als geplant. Doch es bahnt sich ein tolles Ende an.

  • Das P-Seminar des Schongauer Welfengymnasiums hat einen spektakuläres Experiment gestartet
  • Die Zwölftklässler hatten eine Sonde gebaut, die Umgebungsdaten in der Stratosphäre sammelt
  • Kurz vor dem Lockdown in Deutschland brachten die Schüler das Experiment in die Luft
  • Doch wegen Problemen mit der Technik wurde der Start zur Nervenprobe

Schongau – Es waren bange Stunden und Minuten vor dem Start des Stratosphären-Ballons am Dienstagvormittag. Das Wetter passte gerade so, die Bewölkung hielt sich in Grenzen. Dem Experiment der Gymnasiasten stand eigentlich nichts mehr im Weg. Doch dann spielte die Technik verrückt. Eine seitlich an der Sonde angebrachte Kamera gab ihren Geist auf, auch ein System zum Erfassen von Daten war ausgefallen, berichtet Regina Schmid. Sie ist das einzige Mädchen im Team der Zwölftklässler.

Per Live-Stream konnte die Welt das Drama auf der Wiese verfolgen

Per Live-Stream konnte die Welt im Internet das Drama auf der Wiese nahe Schongau verfolgen. Die Jugendlichen öffneten die Sonde, um sie mit ihrem Notebook zu verbinden. Das Problem: auch der Computer hatte keinen Saft mehr. Eiligst machten sich zwei Teammitglieder samt Sonde und Notebook auf den Weg nach Hause, um das System neu zu starten.

Lehrer hält tapfer den Ballon fest

Die Laune der zurückgebliebenen Seminarteilnehmer, die monatelang auf den Start hingearbeitet hatten, war schon mal besser. Während sie mit der Technik haderten, hielt ihr Lehrer Klaus Muthsam tapfer den schon mit Helium gefüllten Ballon fest. „Wir sind guter Dinge, das Wetter ist schön“, sagte er. Dass die Technik die eine oder Schwierigkeit bereithalte sei klar. „Aber ich denke, es wird schon noch ein Erfolg heute werden bei diesem tollen Team hier“, sprach er den Schülern Mut zu.

Große Probleme mit der Technik: Die Schüler mussten die Sonde vor dem Start nocheinmal öffnen.

Und siehe da: Eine halbe Stunde später war die Sonde zurück am Startplatz. Das System hatten die Teammitglieder wieder zum Laufen gebracht, die Speicherkarte der Kamera machte allerdings noch immer Zicken. Letztlich beschlossen die Abiturienten ohne sie zu starten. „Dann gibt’s eben keine coolen Bilder“, bedauerte Regina Schmid. Aufnahmen von der Erdkrümmung werden also fehlen. Den Gedanken, als Ersatz für die Kamera ein Handy an den Ballon zu hängen, verwarfen die Schüler.

Handy am Ballon wäre keine gute Idee gewesen

Im Nachhinein sollte sich das als sehr vernünftig erweisen. Denn auch der Ballon machte nicht das, was er sollte. Den erfolgreichen Start gab es noch live im Internet zu sehen, danach war Schluss mit der Übertragung. Die Schüler mussten Sonde und Ballon mit Autos hinterherfahren.

Berechnet war eine Landeplatz nahe des Chiemsees, doch der Ballon flog viel weiter

Berechnet hatte das P-Seminar einen Landeplatz nahe des Chiemsees. Allerdings: Ballon und Sonde stiegen nicht so schnell in die Stratosphäre auf wie gedacht, die Schüler hätten mehr Gas hineinfüllen müssen. Deshalb platzte der Ballon später als geplant. Und er legte einen sehr viel längeren Weg zurück, bevor die Sonde am Fallschirm landete.

Zum Glück fiel die Sonde nicht auf die Landeshauptstadt

Zunächst habe man gedacht, die Sonde wäre schon über München runtergekommen, berichtet Regina Schmid. „Das wäre nicht gut gewesen“, sagt sie mit Blick auf die vielen Gebäude und Straßen, auf die die Styroporkugel hätte fallen können. Östlich von München empfingen die Schüler dann wieder GPS-Koordinaten, der Ballon machte sich immer weiter auf gen Osten.

Der Flug dauerte länger und ging weiter als erwartet: Statt am Chiemsee landete die Sonde in einem Waldstück in einer Gemeinde noch weit hinter Linz in Österreich.

Und irgendwann war klar, dass der Ballon den Chiemsee weit hinter sich lassen würde. Die Schüler brachen die Verfolgung ab. Letztlich flog der Ballon mehr als doppelt so weit wie geplant, bevor er platzte. Die Sonde landete in dem Waldstück einer Gemeinde hinter Linz.

Wegen Corona konnten sich die Schüler nicht selbst auf die Suche in Österreich machen

Wegen der Corona-Beschränkungen konnte sich das P-Seminar nicht selbst auf die Suche nach der Sonde in Österreich machen. Ohne sie wäre die Mission so gut wie gescheitert gewesen. Sämtliche Daten des Flugs sind im Inneren gespeichert: Temperatur, Luftdruck, Feuchte, Beschleunigung und sogar die Radioaktivität in der Umgebung.

Eine Österreicherin hat die Sonde gefunden und schickt sie zurück nach Deutschland

Die Schüler mussten weiter bangen, sie waren auf Hilfe aus Österreich angewiesen. Und die kam: Mithilfe der GPS-Daten hatte das P-Seminar zwischenzeitlich festgestellt, dass in der Nähe der Landestelle ein Haus steht. Name und Telefonnummer der Besitzerin waren schnell herausgefunden. Und die Dame war so freundlich, die Sonde einzusammeln.

Das Welfengymnasium jubelt und wartet gespannt auf die Daten

„Sie schickt sie uns jetzt mit der Post zu“, freut sich Regina Schmid zusammen mit dem gesamten Welfengymnasium. Alle Schüler hatten an einem Gewinnspiel teilnehmen dürfen, 50 Euro gibt es zu gewinnen. Die Teilnehmer hatten Tipps abgegeben, wie weit, wie hoch und wie lange die Sonde unterwegs sein wird. „Wer am nächsten dran ist gewinnt“, erklärt Regina Schmid. Zwei der drei Fragen können allerdings erst beantwortet werden, wenn die Daten ausgewertet sind.

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