Zu Hunderten lassen sich die Tauben auf dem Kirchendach nieder und halten nach Futter Ausschau. Ein paar Unverbesserliche füttern sie nach wie vor. 
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Zu Hunderten lassen sich die Tauben auf dem Kirchendach nieder und halten nach Futter Ausschau. Ein paar Unverbesserliche füttern sie nach wie vor. 

Großes Problem in der Schongauer Altstadt

Taubenfütterung: Bis jetzt nur ein Bußgeld verhängt

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Wilde Tauben können Krankheiten übertragen, deshalb sind sie auch in Schongau nicht sehr gerne gesehen. Trotz Verbots füttern ein paar Unverbesserliche die Vögel trotzdem immer wieder und tragen so zu einer höheren Population bei. Die Stadtverwaltung spricht derzeit aber nicht von einer Plage.

Schongau – Sie fliegen um die Stadtpfarrkirche, lassen sich auf dem Dach des Gotteshauses nieder und halten nach Futter Ausschau. Am Frauentor werden die Vögel mitunter fündig. Noch immer werden sie dort gefüttert, haben die SN von Bürgern erfahren.

Erwischen lassen sollte man sich dabei nicht. Denn das Taubenfüttern steht in Schongau seit knapp zwei Jahren unter Strafe. Der Stadtrat hatte im Februar 2019 eine Verordnung erlassen, die das Füttern im öffentlichen Raum untersagt. Wer auf frischer Tat ertappt oder angezeigt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Reich geworden ist die Stadt damit bislang aber nicht. Nach Angaben von Geschäftsleiterin Bettina Schade wurde in den vergangenen zwei Jahren erst eine einzige Verwarnung ausgesprochen. Laut Schade war das im Oktober 2020, das Bußgeld lag damals „im zweistelligen Bereich“, sagt sie.

Für den Kirchturm sind die Tauben auch nicht gerade zuträglich. Ihr Kot ist ätzend und kann Gebäude beschädigen. 

Wie oft tatsächlich gegen das Taubenfütterungsverbot in Schongau verstoßen wird, kann die Geschäftsleiterin nicht wissen. „Wir sind auf Hinweise aus der Bürgerschaft angewiesen“, sagt sie. Schade betont aber, dass die Stadt jederzeit in der Lage sei, zu reagieren. Sollte man einen Hinweis erhalten, dass Futter ausgelegt wurde, würde jemand kommen und es wieder wegräumen, versichert die Geschäftsleiterin.

Im Stadtrat hatte Schade die Mitglieder 2019 vor einer zu hohen Population der Tiere gewarnt und für das Fütterungsverbot in Form einer Verordnung geworben. Die Vögel hätten sich damals deutlich vermehrt, und Schade nannte auch gleich den Grund: „Tauben brüten bis zu sieben Mal im Jahr.“

Bei der Stadtverwaltung waren damals immer wieder Beschwerden von Bürgern eingegangen. Vor allem in der Christophstraße an der Ecke zur Löwenstraße sammelten sich teilweise bis zu 30 Stadttauben, die gezielt gefüttert worden waren.

Die Stadtverwaltung verwies damals auch darauf, dass die Hinterlassenschaften der Tauben gesundheitsschädlich sind. Die Tiere selbst können demnach unter bakteriellen Erkrankungen leiden. Mit dem Kot scheiden die Tauben Mikroorganismen – Bakterien, Hefen und Pilze – sowie Viren aus. Wer den getrockneten infizierten Kot einatmet, kann sich anstecken. Besonders für Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann das gefährlich werden. Und für die historischen Häuser in der Altstadt sind die Tauben auch alles andere als zuträglich. Der Taubenkot sei ätzend und beschädige auch Gebäude und Häuser, erklärte Schade damals.

Der Stadtrat stimmte damals der Verordnung zu. Orientiert hatte man sich am Beispiel der Stadt München. Dort werden Bußgelder zwischen 5 und 1000 Euro erhoben. Aktuell sieht man in Schongau in der Verwaltung aber keinen akuten Handlungsbedarf. An die Geschäftsleitung sind laut Schade zuletzt keine Beschwerden von Bürgern mehr herangetragen worden.

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