1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Schongau

„Das ist extrem“: Betriebe in Bayern kämpfen mit hohen Spritpreisen - Führerschein bald teurer?

Erstellt:

Von: Elena Siegl

Kommentare

Die Preise an der Tankstelle kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben. (Symbolbild)
Die Preise an der Tankstelle kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben. (Symbolbild) © Marijan Murat / dpa

Tief in die Tasche greifen muss man derzeit beim Tankstellenbesuch. Die hohen Spritpreise treffen vor allem Unternehmen in der Region, die mehrere Fahrzeuge auf der Straße haben.

Landkreis – Seit Wochen schnellen die Spritpreise nach oben. Der Liter Diesel kostet am Donnerstagvormittag 1,56 Euro in Weilheim, der Liter Super liegt bei 1,74 Euro. Grund dafür sind unter anderem höhere Rohölpreise und die neue CO2-Steuer. Betriebe, die zwangsläufig viele Fahrzeuge auf den Straßen haben, trifft es besonders hart.

Hohe Spritpreise: Betriebe mit vielen Fahrzeugen trifft es besonders hart

150 Busse, davon 110 eigene, fahren für den RVO in der Region. „Rund 300 Kilometer legt ein Bus am Tag zurück, auf 100 Kilometer braucht er 40 Liter, macht 120 Liter am Tag – und weiter möchte ich da eigentlich gar nicht mehr rechnen“, sagt RVO-Niederlassungsleiter Ralf Kreutzer. Zwar würden noch keine genauen Daten vorliegen, die Spritpreise würden dem Unternehmen aber sehr zu schaffen machen.

„Wir haben immer noch ein Erlösproblem“, so Kreutzer: Einige wollen derzeit nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein, andere müssen es nicht mehr so oft, weil sie von Zuhause aus arbeiten können. „Und jetzt auch noch Kostensteigerungen.“ Zwangsläufig werde man die höheren Ausgaben an die Kunden weitergeben müssen. Im Januar wird der neue Tarif bei der Regierung von Oberbayern vorgelegt. Das passiert jährlich.

Teurer Sprit: Assistenzsysteme unterstützen Busfahrer beim klimafreundlichen Fahren

Das Thema „Spritsparen“ beschäftigt den RVO schon länger. Zwei Hybridbusse gehören dem Unternehmen, außerdem vier E-Busse. „Aber Strom wird auch nicht günstiger“, so Kreutzer. In allen Bussen habe man Assistenzsysteme eingebaut, die den Fahrer unterstützen, klimaschonend zu fahren.

Vielleicht könnten die Spritpreise auch Vorteile für den RVO haben, weil Menschen statt teuer zu tanken, doch lieber mit dem Bus fahren? „Das kann man nur empfehlen“, so Kreutzer. Allerdings: „Ich bin ein optimistischer Mensch, aber so viele Fahrgäste werden wir wohl nicht gewinnen, um die Mehrkosten komplett aufzufangen.“

E-Auto in der Fahrschule im Einsatz - Führerschein wegen Spritpreisen bald teurer?

Steigende Unkosten muss Thomas Butz von der gleichnamigen Fahrschule in Penzberg hinnehmen. „Wir müssen mit jedem Fahrschüler alle Fahrten machen, die notwendig sind“, sagt Butz. Er habe die Preise im Blick, beobachtet die Entwicklung. „Wenn es so weiter geht, muss ich die Kosten aber entsprechend weitergeben“, so Butz. Heißt: Der Führerschein würde teurer werden.

„Spritsparendes Fahren wird seit eh und je unterrichtet“, sagt Butz. Außerdem hat er seit rund einem Jahr ein E-Auto in seiner Flotte. Das sei im Verbrauch zwar günstiger, „aber der Strompreis bleibt auch nicht gleich“. Dass das Auto ein Automatikgetriebe hat, sei kein Problem. Seit heuer kann die Prüfung damit gemacht werden und der Führerschein gilt trotzdem für Autos mit Schaltgetriebe, erklärt Butz. Allerdings müssen die Schüler beide Getriebearten in Fahrstunden kennenlernen.

Dieselpreisgleitklausel hilft Spedition

Auch bei der Spedition p.Ressle in Schongau verfolgt man die Spritpreiserhöhung – kann aber entspannt bleiben, wie Geschäftsführer Christian Hiemeyer schildert. Schon seit vielen Jahren habe man mit circa 95 Prozent der Kunden eine sogenannte Dieselpreisgleitklausel vereinbart.

„Sonst müssten wir mit jedem alle zwei, drei Monate nachverhandeln“, so Hiemeyer. Über die Klausel wird der aktuelle Spritpreis an den Kunden weitergegeben. Fällt der Kraftstoffpreis, sinken auch die Kosten für den Kunden entsprechend – und umgekehrt, wenn die Spritpreise wie jetzt steigen, müssen auch die Kunden etwas tiefer in die Tasche greifen.

Hohe Spritpreise: Taxi-Fahrer schaut sich nach Alternativen um

Kurze Beförderungsfahrten, Flughafentransfers bis hin zu Krankenfahrten stehen unter anderem im Portfolio von Robert Boschs gleichnamigen Taxiunternehmen in Weilheim. Er sei „Gott sei dank nicht so tankstellengebunden“, sagt Bosch. Vor Monaten hat er über eine Heizölfirma tausende Liter Diesel gekauft. „Wegen Corona war es damals recht günstig“, erklärt Bosch. Auf diesen Vorrat kann er nun zurückgreifen.

Bosch befürchtet aber, dass die Spritpreise weiter steigen. „Und ich habe natürlich ein Privatauto – da merk ich es jetzt schon. Das ist extrem.“ Im Taxi achten die Fahrer immer aufs Spritsparen, sagt Bosch. Er schaut sich außerdem schon länger nach Alternativen um. E-Autos wäre er nicht abgeneigt. „Aber Ladezeiten und Laufleistungen passen für uns noch nicht“. Für die Zukunft sei es sicherlich interessant.

Noch mehr Nachrichten aus der Region Weilheim-Schongau lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Schongau-Newsletter. Und hier geht‘s zum Weilheim-Penzberg-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare