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Der Hingucker der „Meteors“ schlechthin: Ein Renault Floride Cabriolet von Wolfgang Friebel, der auf die Mädels mächtig Eindruck machte. Obenauf von links: Wolfgang Friebel, Ewald Mayerthaler, Max Geiger und Manfred Sawilla.

Band-Serie

„The Meteors“ und ihr weißes Cabrio

Die 60er-Jahre sind die Zeit der Livemusik. Egal ob zum Tanztee gebeten wird oder zum Stadlfest: Tanz- oder Beatgruppen sind das Höchste aller musikalischen Gefühle. Auch im Schongauer Raum wachsen die Gruppen wie Pilze aus dem Boden. Auch die „Meteors“, die es mit ihren Auftritten sogar bis ins Ruhrgebiet schafften.

Peiting – Sie sind jung, sie lassen es krachen, und sie sind vor allem musikbegeistert. Vier junge Spunde aus Peiting haben eine Idee: Man müsste nur einige gute aktuelle Musikstücke einstudieren und dann auf Familienfeiern oder Hochzeiten auftreten. „Das bringt Kohle, damit könnte man sich nebenbei etwas mehr leisten als nur die Dinge vom Lohn als Lehrling“, so der Gedankengang von Wolfgang Friebel. Gerade mal 15 Jahre alt ist er, steckt mitten in der Ausbildung als Elektromechaniker.

Gitarre und Gesang klangen kläglich

Er kann seine Kumpels überzeugen. Werner Ott (heute immer noch Black Diamonds) ist fit am Akkordeon, Heinz Sanktjohanser klopft ein Notprogramm an Griffen auf der Gitarre, Balthasar Teufel kann sich glücklicher Eigentümer eines Schlagzeugs nennen, und Wolfgang Friebel selbst hat Saxophon und Gitarre gelernt. Beste Voraussetzungen, um eine Band zu gründen.

Die ersten Schritte waren gewöhnungsbedürftig. Das Schlagzeug dominiert, das Akkordeon zieht noch mit, aber Gitarren und Gesang sind geradezu kläglich. Verstärker müssen her. Für Wolfgang ein Heimspiel in der Werkstatt seines Arbeitgebers. Unterstützt wird er durch den Sohn des Inhabers Jürgen Wechner. Der zaubert aus irgendeinem Fundus einen großen Radioempfänger her. So ein Nobelgerät mit Holzgehäuse und Stoffbespannung an der Frontseite. Wolfgang kümmert sich um das Innenleben des Radios, so gut es seine Ausbildungskenntnisse zulassen. Er schafft es, aus der Telefunken-Kiste einen Verstärker für die Gitarren zu zaubern.

Wiedersehen der alten Meteor-Vollblutmusiker nach über 50 Jahren: (v.l.) Sebastian Beischer, Manfred Sawilla, Heinz Kirstein, Wolfgang Friebel und Dietmar Friebel.

Schwieriger wird es mit dem Verstärker für den Gesang. Wolfgang muss bei Null einsteigen. Nur die Teile stellt sein Sponsor zu Verfügung. Das Zusammenbauen, Verlöten und Montieren obliegt Wolfgang. Der erste Test in der Werkstatt: Das leichte Rauschen ist nicht zu überhören, das gelegentliche Kribbeln an den Lippen bei Berührung der Mikrofone ist zu ertragen. Die Jungs sind stolz, haben jetzt ihre Verstärker. Und auch schon den Namen für ihre Band: „The Blue Trains“.

Von 1962 bis 1963 ziehen sich die Jungs manche Feste an Land. So lange bleiben sie in der Formation. „Unser erster Auftritt war eine Hochzeit im Cafe Haaf“, (jetzt Enzian-Stube Schongau), erzählt Frontman Wolfgang. Die Verstärker überstehen die Bewährungsprobe, die Hochzeitsgäste auch. Nach der Trennung und einer kurzen musikalischen Verschnaufspause gründet Wolfgang eine neue Gruppe. „The Meteors“ werden 1965 geboren. Wolfgang singt, spielt Saxophon und Gitarre. Manfred Sawilla wird als weiterer Gitarrist und Bassist mit ins Boot geholt, Ewald Mayerthaler übernimmt den Part als Schlagzeuger und Akkordeonspieler.

Der Wehrdienst von Wolfgang Friebel bedeutet das zwischenzeitliche Ende

Das Trio ist erfolgreich, spielt jedes Wochenende auf irgendwelchen Festen. Fast zwei Jahre lang ist alles paletti. Dann setzt der Wehrdienst von Wolfgang der Band ein jähes Ende. Marschieren statt Musik steht jetzt auf dem Dienstplan. Wolfgang muss nach Germersheim in eine Ausbildungskompanie. Dort ein glücklicher Zufall. Der Offiziersball steht an, ein Saxophonist wird dringend gesucht. Wolfgang meldet sich. Als der Kommandeur erfährt, dass der junge Soldat auch noch Gitarre spielen kann, wird Wolfgang sofort wieder in Richtung Heimat in Marsch gesetzt. Mit dem Zug zurück nach Peiting, mit Sondergenehmigung und eigenem Auto zurück in die Kaserne. Die Instrumente im Kofferraum. „Hier habe ich das erste Mal gelernt, super Musik zu machen“, erzählt Wolfgang. Neben ihm alles Profis, tägliches Proben ist angesagt. Alle Bälle in und um die Kaserne wurden von dieser Band begleitet.

Ein Super-Job für Wolfgang. Aber weit weg von der Heimat. Anfang 1968 wird er nach Lagerlechfeld versetzt. Verpflichtet sich dort für drei Jahre. Endlich wieder in der Nähe seines Wohnorts Peiting. Dass er von der Musik nicht lassen kann, ist klar. Neuer Treffpunkt wird der Keller von Heinz Kirstein, „The Meteors“ werden in neuer Besetzung wiedergeboren.. Heinz Kirstein steht jetzt am Keyboard, Dietmar Friebel zupft die Höfner-Bassgitarre, Sebastian Beischer trommelt und Wolfgang Friebel bearbeitet weiter Saxophon und Gitarre. Spezialisiert wird sich auf alle Musikrichtungen, bei denen man tanzen, ausflippen oder sich näher kommen kann. Berühmt berüchtigt die ellenlangen Knieschieber, bei denen die Pärchen förmlich aneinanderkleben.

Die Cocktailbar in Peißenberg wird die große Bühne von „The Meteors“. Jeden Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag wird dort gespielt. Von 8 Uhr bis 1 Uhr oder noch ein bisschen länger. Das Pächterehepaar Lothar und Hanni Herbert verstehen es, die Band bei Laune zu halten: „Am Ende des Abends kam Lothar zu uns auf die Bühne und drückte jedem locker seine verdienten 35 Mark in die Hand“, sagte Wolfgang. Cash ist das Zauberwort.

1966 lockt ein Wettstreit in Bochum

Ein weiteres Zauberwort ist zu der Zeit ein „Renault Floride“ mit dem Kennzeichen SOG-Z 90. Ein weißes Cabriolet, das Wolfgang sein Eigen nennt. Das zieht die Mädels an. Wenn man mit so einem Schlitten diese dann noch von Peiting nach Peißenberg karrt, hat man ganz von selbst seine Fangemeinde. „Ich bin manchmal drei- bis viermal gefahren, um alle dorthin zu bringen“, so Wolfgang. Seine Kumpels benutzten einen alten Ford, der manchmal mit bis zu neun Mann beladen wurde. Da kam man sich noch näher als auf der Tanzfläche.

„Bräuwastlhalle“, „Sonne“, „Fischerstüberl am Schliersee“ – alles wurde abgegrast und mit Tanz- und Beatmusik bespielt. Dann im Dezember das große Beatfestival in der „Sonne“ in Peißenberg. 15 Bands gehen an den Start, darunter auch „The Satisfaction“, die erste Mädchen-Beatband aus München. „The Meteors“ belegen einen guten Platz.

Schließlich folgt der Hammer-Auftritt schlechthin: Ein großer Kapellenwettstreit lockt 1966 in die Ruhrlandhalle nach Bochum. Zwei Setra-Reisebusse von Enzian-Reisen werden angemietet. Man will schließlich auf seine Fans nicht verzichten. Vor allem nicht auf die mit den heißen Miniröcken. Alte Fotos zeigen die übermütigen Fans auf einem Autobahnparkplatz, wie sie ihre Tanzschritte üben. „The Meteors“ geben alles, setzen im Ruhrpott eine Peitinger Duftmarke. Sie belegen von 15 Bands Platz sieben. Auf die Urkunde ist Wolfgang heute noch stolz. Ein Jahr später, Ende 1967, trennen sich die Wege aus beruflichen Gründen.


Hans-Helmut Herold

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