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Camping und Caravaning boomt – auch im Landkreis Weilheim-Schongau, wie diese Aufnahme aus Rottenbuch zeigt.

Tourismusverband Pfaffenwinkel

Zukunftssorgen im Urlaubsparadies: 200 Gästebetten verschwinden

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Der Tourismus im Pfaffenwinkel brummt. Nach Jahren wurde 2018 bei den Übernachtungen wieder eine magische Marke geknackt. Immer mehr Menschen machen in der Region Urlaub. Sie lassen auch Geld im Landkreis. Doch es ziehen dunkle Wolken auf.

Landkreis– Eigentlich kann Susanne Lengger ganz zufrieden sein. Für das Jahr 2018 meldet die Geschäftsführerin des Tourismusverbands Pfaffenwinkel steigende Zahlen. Erstmals seit zehn Jahren lag 2018 die Zahl der Übernachtungen mit 825 877 wieder über der 800 000-Marke.

Das Plus gegenüber dem Vorjahr betrug immerhin 5,7 Prozent, während die Gästezahl sogar um 11,2 Prozent auf 223 817 anstieg. Kein Wunder, dass Lengger in der Verbandsversammlung die Bilanz als „sehr erfreulich“ bezeichnete. Die bei der Sitzung im Weilheimer Rathaus anwesenden Vertreter der 27 Mitgliedskommunen nahmen es wohlwollend zur Kenntnis. Der Pfaffenwinkel profitiert von der guten Gesamtlage. „Tourismus boomt einfach“, begründet Lengger auf Nachfrage die positive Entwicklung. Der Deutschland-Tourismus erlebte 2018 das neunte Rekordjahr in Folge, in Bayern kletterten die Übernachtungszahlen auf fast 480 Millionen.

Camping und Caravaning: Landkreis profitiert von einem bundesweiten Trend

Der Landkreis profitiert von einem bundesweiten Trend: Camping und Caravaning brummen. Auch der Super-Sommer 2018 trieb in diesem Bereich die Zahlen nach oben. Beim Verband spricht man von „enormen Zuwächsen“. Fünf Campingplätze gibt es (Rottenbuch, Peißenberg, Iffeldorf, Seeshaupt und Penzberg). 11 880 Gäste übernachteten 39 947-mal (plus 16 Prozent) auf den Arealen. Dazu kommen Wohnmobil-Touristen und Dauercamper. Der Verband rechnet mit immerhin 5,2 Millionen Euro an Jahresumsätzen durch diese Zielgruppe. Doch die Kapazitäten der in der Regel privaten Anbieter sind ausgereizt. Lengger denkt deshalb an neue Angebote: „Camping auf dem Bauernhof könnte ein Thema sein.“

Geschäftsführerin: Es wird nicht leichter, sich am Tourismusmarkt zu behaupten

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Für den Pfaffenwinkel werde es nicht leichter, sich am Tourismusmarkt zu behaupten, mahnte Lengger ihre Mitglieder. Das zeigt sich schon heuer: Die Geschäftsführerin erwartet nach dem guten Jahr eine Stagnation. „Es wird wohl ein bisserl runtergehen“, sagt sie – was aber normal sei, dass sich die Situation nach „einem Wahnsinnsjahr“ beruhige. Allerdings gibt es ein Thema, „was uns weh tut“, wie Lengger bei der Versammlung einräumte: der zunehmende Schwund an Gästebetten. „Das haben alle“, verweist Lengger zwar auf ein branchentypisches Sorgenkind. Aber: Der Verband erwartet, dass allein heuer in Pfaffenwinkel fast 200 Gästebetten im gewerblichen Bereich verschwinden werden. Mache dann 2019 nur noch 3158 Stück, die übrig bleiben. Viele Betriebsschließungen erfolgen aus Altersgründen und weil ein Nachfolger oder das Fachpersonal fehlt. Neueröffnungen können dies kaum ausgleichen. Für Lengger ist es eine einfache Rechnung: „Wenn wir mehr Betten hätten, hätten wir mehr Gäste.“

Urlaubsregion muss mit einem strukturellen Problem klar kommen

Zusätzlich muss die Urlaubsregion mit einem strukturellen Problem klar kommen. Ersatz für den Verlust gibt es selten. „Die Investoren stehen nicht Schlange.“ Neue Projekte, gerade im höherwertigen Sektor, könnte es fast überall im Landkreis gebrauchen, sagt Lengger. Deshalb ist man froh über das neue 4-Sterne-Haus „Pöltner Hof“ in Weilheim. Dass 2018 in Penzberg ein Bürgerentscheid die Pläne für ein Hotel vom Tisch fegte, bedauert die Tourismuschefin. „Das hätte Penzberg gut getan.“ Gerade im östlichen Landkreis spürt der Verband den generellen Immobilien-Engpass: So mancher Besitzer vermietet lieber profitabel dauerhaft, als temporär an Urlauber.

Es wird mit einem Bruttoumsatz von 208 Millionen Euro gerechnet

Dabei bringt der Tourismus nicht nur Gäste, sondern auch viel Geld in den Landkreis. Der Pfaffenwinkel-Verband rechnet mit den Übernachtungszahlen von 2018 mit einem Bruttoumsatz durch die Feriengäste von knapp über 208 Millionen Euro. Lengger: „Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.“ Davon profitieren Vermieter genauso wie Mitarbeiter, Dienstleister und Handwerker. Die Urlaubsbranche sichere somit Arbeitsplätze im ländlichen Raum, leide jedoch auch unter dem Fachkräftemangel, heißt es. Übrigens: Auch die die Kommune profitieren vom Feriengeschäft. Laut Verband können diese mit circa 19,7 Millionen Euro an Steueraufkommen rechnen.

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„So schlecht, wie es mitunter dargestellt wird, steht es nicht um den Tourismus in Schongau.“ Mit diesen Worten leitete Bürgermeister Falk, Sluyterman den Vortrag von Ursula Diesch im Stadtrat ein, die nicht nur Zahlen parat hatte. Deutlich wurde, dass man den Bereich Tourismus bei der Stadt personell verstärken müsste.

Um die Ammer zu schützen und dennoch für alle zugänglich zu lassen, hat der Tourismusverband Pfaffenwinkel in Kooperation mit Vertretern aus Tourismus, Naturschutz und Kommunalpolitik ein Naturtourismuskonzept entwickelt. Das Projekt wurde jetzt vorgestellt.

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