Welche Kommune ist wie weit? Die Grafik (Stand Mitte 2020) zeigt beispielsweise, dass die Bürger in Schongau im niedrigeren bis mittleren Mbit-Bereich ganz gut versorgt sind: Mehr als 97 Prozent haben 50 Mbit/s, 200 Mbit/s genießen immerhin noch 92 Prozent. Anschlüsse mit mehr als 400 Mbit/s muss man in der Lechstadt dagegen noch mit der Lupe suchen.
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Welche Kommune ist wie weit? Die Grafik (Stand Mitte 2020) zeigt beispielsweise, dass die Bürger in Schongau im niedrigeren bis mittleren Mbit-Bereich ganz gut versorgt sind: Mehr als 97 Prozent haben 50 Mbit/s, 200 Mbit/s genießen immerhin noch 92 Prozent. Anschlüsse mit mehr als 400 Mbit/s muss man in der Lechstadt dagegen noch mit der Lupe suchen.

Vergleich: Wie sich die Breitbandversorgung im Landkreis entwickelt hat

Das Angebot hat sich verbessert, aber vereinzelt wird das Homeoffice noch zur Qual

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Es ist zwar noch viel Luft nach oben, der Breitbandausbau im Landkreis ist in den vergangenen zwei Jahren aber ein gutes Stück vorangekommen. 94 Prozent der Haushalte sind jetzt mit mindestens 50 Mbit pro Sekunde versorgt. Einzelschicksale mit geringeren Bandbreiten bleiben da nicht aus, betroffene Eltern und Schülern stehen während des Lockdowns vor Problemen. Am schlimmsten ist die Lage in Wessobrunn, nur in Schwabbruck sind alle glücklich.

  • Bei Facebook haben uns einige Leser ihr Leid geklagt
  • Noch nicht überall im Landkreis ist das Internetangebot befriedigend
  • Fürs Homeoffice und -schooling während des Lockdowns ist das fatal
  • Pure Glückseligkeit herrscht nur in einer Gemeinde

Landkreis – Eine schnelle und stabile Internet-Verbindung ist für die Landkreisbürger in Zeiten des Lockdowns fast überlebenswichtig. Während Eltern über Videokonferenzen mit den Kollegen verbunden bleiben, folgen ihre Kinder an den Computern dem Online-Unterricht. Dafür braucht es reichlich Megabits (Mbits), die aber nicht überall aus den Leitungen kommen.

Eine Facebook-Umfrage von Schongauer Nachrichten, Weilheimer Tagblatt und Penzberger Merkur brachte einige Lücken ans Tageslicht. Sie decken sich mit der aktuellen Statistik des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im sogenannten Breitbandatlas.

Unser Internet ist so langsam, das wird sogar von einer Schnecke überholt

Eine Frau aus Schwabsoien

„Unser Internet ist so langsam, das wird sogar von einer Schnecke überholt“, klagt zum Beispiel eine Frau aus Schwabsoien. Sie dürfte zu den 17 Haushalten der Schönachgemeinde gehören, in denen sich laut Breitbandatlas noch weniger als 16 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) aus der Leitung quälen. Auch in Schongau bleiben Beschwerden nicht aus: „Meine Tochter wohnt in der Joseph-Haydn-Straße, sie hat gerade mal 6 Mbit“, berichtet eine Mutter erbost. Ein Mann aus Burggen meint gar, er lebe „in der Steinzeit“, während ein paar Kilometer weiter in Schwabbruck Glückseligkeit herrscht: „Wir sind mit Glasfaser bis ins Haus gesegnet“, freut sich ein Bürger.

Schwabbruck ist das Aushängeschild im Pfaffenwinkel

Die 1000-Seelen-Gemeinde Schwabbruck ist das Aushängeschild im Pfaffenwinkel, wenn vom Breitbandausbau die Rede ist. Schon 2016 nahm Bürgermeister Norbert Essich vom damaligen Finanzminister Markus Söder den Zuwendungsbescheid entgegen, 2018 war der Ausbau abgeschlossen. 408 der 409 Haushalte können heute mit bis zu 1000 Mbit/s durchs Internet sausen. Den Glasfaseranschluss gab es damals für alle Anwohner gratis bis ins Haus.

Penzberg hat die meisten Glasfaseranschlüsse

In der Masse der Glasfaseranschlüsse haben freilich größere Kommunen die Nase vorn: Penzberg hat mit Abstand die meisten zu bieten. 2421 von 8645 Haushalten surften in der Stadt schon 2020 über die störungsärmste aller Techniken. In den Außenbereichen kamen jüngst weitere Glasfaseranschlüsse hinzu. Aber auch in Penzberg gibt es offenbar noch vereinzelt Versorgungslücken. So meldet eine Leserin aus dem Ortsteil Steigenberg spärliche 5 bis 6 MBit/s: „Das geht gerade so fürs Homeoffice“, meint die Frau. „Bei Videokonferenzen mit mehr als fünf Teilnehmern sollten aber alle Kameras aus sein, sonst klappt es mit dem Ton oft nicht.“

In der Summe zählt Penzberg laut Breitbandatlas aber zu den am bestversorgtesten Städten im Landkreis. Knapp 98 Prozent der Haushalte sind mit Bandbreiten von 50 Mbit/s und mehr unterwegs, für mehr als 90 Prozent sind 1000 Mbit/s verfügbar, wenn die Kunden den entsprechenden Tarif bei ihren Anbietern buchen.

Die wenigsten Klagen kommen aus Weilheim

Am wenigsten Klagen unzufriedener Bürger kamen in unserer Facebook-Umfrage aber aus der Kreisstadt Weilheim. Und das hat seinen Grund: Stattliche 99 Prozent der 12 217 Weilheimer Haushalte surfen mittlerweile mit mindestens 50 Mbit/s durchs Internet. Mit bis zu 1000 Mbit/s sind 86 Prozent versorgt. Zu verdanken haben die Bürger das der Stadtwerke Weilheim Energie GmbH. Sie hatte 2017 damit begonnen, Lücken in der Breitbandversorgung mit einem geförderten Glasfasernetz zu schließen. Laut Geschäftsführer Peter Müller wurden mehr als 100 Kilometer Glasfasertrassen verlegt und 600 Haushalte angeschlossen. „Inzwischen sind in Weilheim die meisten Engstellen behoben und alle Haushalte, die ursprünglich eine Datenrate kleiner 30 Mbit/s hatten, erschlossen“, erklärt der GmbH-Chef.

Ähnlich zufrieden sein dürften die Bürger in Peißenberg: 95 Prozent der Haushalte in der Marktgemeinde haben mittlerweile Bandbreiten von 50 Mbit/s, 89 Prozent können sogar 1000 Mbit/s buchen.

Von 1000 Mbit/s können fast alle Schongauer nur träumen

Davon kann man derzeit in Schongau nur träumen. Zwar sind in der Lechstadt dank des weit verzweigten Kabelnetzes, aus dem auch das Fernsehen bezogen wird, immerhin 97 Prozent der Haushalte mit mehr als 50 Mbit/s unterwegs. Highspeed-Anschlüsse gibt es dagegen verschwindend wenige. Nur knapp zwei Prozent der Haushalte kommen in Schongau in den Genuss von 1000 Mbit/s. Glasfaseranschlüsse gab es Mitte 2020 gerade einmal 103.

Homeoffice und Homeschooling gleichzeitig ist nicht möglich

Eine Schongauerin bei Facebook

Von Anwohnern in der Lechstadt hagelte es in der Facebook-Umfrage dann auch Beschwerden über unzureichende Internetverbindungen. „Homeoffice und Homeschooling gleichzeitig ist nicht möglich“, lautete eine davon. Am häufigsten wurde bemängelt, dass die Kabelnetz-Leitungen nicht das hergeben, was sie versprechen. Der Stadt ist das Problem bekannt: Breitbandpate Martin Blockhaus spricht bei dem Internetangebot aus dem Kabelnetz deshalb auch ganz offen von „einem schalen Beigeschmack“. Ein groß angelegter Breitbandausbau ist in der Lechstadt derzeit dennoch nicht in Sicht. Noch 50 bislang „unterversorgte“ Haushalte bekommen demnächst Glasfaseranschlüsse spendiert, das war’s. Der Rest muss sich fürs Erste mit dem begnügen, was er hat.

Auch in Peiting ist noch reichlich Luft nach oben

Auch in Peiting ist beim Breitbandausbau noch reichlich Luft nach oben. Nur gute zwei Prozent der Haushalte schaffen es bis in den Gigabit-Bereich (1000 Mbit/s), 91 Prozent haben 50 Mbit/s und mehr. Klagen über schlechte Verbindungen bleiben deshalb auch in der Marktgemeinde nicht aus: Ortsauswärts Richtung Steingaden sei die Versorgung „katastrophal“, beklagt sich eine Mutter in unserer Facebook-Umfrage. „Gerade jetzt, wenn beide Teenies Homeschooling haben, ist es unerträglich, da geht gar nichts“, schimpft sie. In der heutigen Zeit könne sie das nicht verstehen.

Wir können den Frust verstehen

Bürgermeister Peter Ostenrieder

Die Gemeinde steuert gegen, der Breitbandausbau läuft. „Wir können den Frust verstehen“, sagt Bürgermeister Peter Ostenrieder mit Blick auf den noch laufenden Ausbau der Telekom. Der wird erst im Sommer 2022 abgeschlossen sein. „Da aber zu beobachten ist, dass immer wieder neue Straßenzüge aufgeschaltet werden oder auch plötzlich eine höhere Datenrate erhalten, sind wir zuversichtlich, dass das weiter positiv verlaufen wird“, meint der Bürgermeister. Aktuell hakt es laut Ostenrieder am meisten an fehlenden ausführenden Tiefbau-Unternehmen. Peiting tut derweil, was es kann: Unter anderem mit einem „Leerrohr-Masterplan“ und einer Untersuchung für das nächste Förderprogramm (Gigarichtlinie), das der Freistaat ab 2025 umsetzen will.

Kleinere Gemeinen machen kräftig Boden gut

Kräftig Boden gut gemacht haben in den vergangenen zwei Jahren viele kleinere Kommunen im Kreis. Das gilt zum Beispiel für die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Rottenbuch-Böbing. Der Ausbau im Bundesförderprogramm ist hier bereits abgeschlossen, beide Gemeinden seien sehr froh, berichtet VG-Geschäftsstellenleiter Peter Vogt. „Andernfalls hätte der Außenbereich in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling jetzt große Probleme“, meint er. Vor allem im Klosterdorf surfen jetzt viele Bürger mit Top-Speed. 511 der 781 Haushalte haben Glasfaseranschlüsse und können deshalb bis zu 1000 Mbit/s buchen. In Böbing kommen immerhin 185 von 757 in diesen Genuss. Dennoch sieht die VG weiteren Handlungsbedarf, insbesondere in den Orts- und Nahbereichen der beiden Gemeinden. Hier erfolge die Versorgung größtenteils zwar schon mit mindestens 30 Mbit/s, „aber noch über Kupfer“, nennt Vogt das Problem. Deshalb hat man sich auch hier entschlossen, über das „Bayerische Gigabitförderverfahren“ weiter ausbauen zu wollen.

Froh sein dürfte man derweil vor allem in Eglfing, das vor zwei Jahren noch das Schlusslicht im Vergleich der landkreisweiten Breitbandversorgung war. Mittlerweile surfen in der Gemeinde schon 82 Prozent der Haushalte mit 50 Mbit/s und mehr durchs Internet. 2018 schafften das dort nur 17,3 Prozent.

Schlusslicht Wessobrunn hadert mit der Telekom

Schlusslicht ist jetzt Wessobrunn. Nur 37 Prozent der 973 Haushalte bringen es auf 50 Mbit/s. Und Bürgermeister Georg Guggemos ist sich des Dilemmas natürlich bewusst: „Wir sind überhaupt nicht zufrieden“, sagt er. Der aktuelle Status quo in vielen Bereichen der Gemeinde bringe erhebliche Nachteile für die Bürger mit sich, bedauert der Rathauschef mit Blick auf Homeoffice und -schooling im Lockdown. „Der bereits im Jahr 2019 mit der Deutschen Telekom unterzeichnete Vertrag zum Glasfaserausbau muss schnellstmöglich umgesetzt werden“, fordert Guggemos. „Wir setzen uns für eine Fertigstellung noch vor dem zugesicherten Termin im Herbst 2022 ein.“

Und damit würde dann auch der Landkreis insgesamt seinen noch mäßigen Schnitt etwas aufpolieren. Zusammengenommen sind es im Kreis nämlich laut Breitbandatlas nur 46 Prozent der Haushalte, die bis in den Gigabit-Bereich vordringen können. Das Gesamt-Oberland hat da mit einem Schnitt von immerhin 56 Prozent deutlich mehr zu bieten.

Serie zum Breitbandausbau:

Nur eine Gemeinde im Landkreis Weilheim-Schongau kann allen ihren Bürgern einen perfekten Internet-Zugang mit Glasfaser und bis zu 1000 Mbit/s bieten, wenn sie ihn denn wollen: Schwabbruck. Was die anderen Städte und Gemeinden im Landkreis dafür tun, um den Rückstand aufzuholen, erläutern wird Ihnen in den kommenden Wochen in einer Serie zum Breitbandausbau noch etwas genauer. 

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