Diese Baumaßnahmen sind dieses Jahr vom Staatlichen Bauamt Weilheim im Landkreis geplant. Eine genaue Beschreibung finden Sie im Kasten unten.
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Diese Baumaßnahmen sind dieses Jahr vom Staatlichen Bauamt Weilheim im Landkreis geplant. Eine genaue Beschreibung finden Sie im Kasten unten.

Die Pläne des Staatlichen Bauamts Weilheim

Autofahrer aufgepasst: Wo dieses Jahr gebaut wird

  • Boris Forstner
    vonBoris Forstner
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Zahlreiche Straßensanierungen plant das Staatliche Bauamt Weilheim für dieses Jahr. Manche werden für die Autofahrer zum Teil wochenlang große Behinderungen bedeuten. Zum Teil werden bereits jahrelang geplante Vorhaben umgesetzt, bei einigen Projekten müssen die Planer sogar Eidechsen und Ochsen beachten. Redaktionsleiter Boris Forstner sprach mit Andreas Lenker, Abteilungsleiter Straßenbau im Landkreis Weilheim-Schongau.

Region Penzberg

Vergangenes Jahr gab es in der Heimatzeitung quasi täglich einen Bericht über Behinderungen und Umleitungen in Penzberg zu lesen, heuer wird es dort eher ruhig werden. „Wir haben nur noch Restarbeiten zu erledigen“, sagt Lenker. Es gibt nur wenige Projekte, die dieses Jahr anstehen. Eines ist die Linksabbiegespur zum Wertstoffhof Schönmühl an der Staatsstraße von Penzberg Richtung Bichl. „Das ist seit Jahren ein Unfallschwerpunkt. Das Geld ist da, das wird dieses Jahr passieren“, sagte Lenker. Zugleich wird dort noch eine Brücke über die Loisach ersetzt, doch das wird erst 2022 angegangen.

Ansonsten stehen im Bereich Penzberg nur zwei Radwegprojekte an, doch die haben es in sich. Denn die streng geschützte Zauneidechse, die bei uns häufig zu finden ist, im Rest Europas aber kaum mehr, hat beide Projekte lange Zeit ausgebremst. Noch im November etwa war unklar, ob der auch für die Schüler dringend benötigte Radweg von Antdorf nach Iffeldorf 2021 gebaut wird, doch jetzt ist laut Lenker klar: „Es schaut sehr gut aus, dass wir uns mit dem Naturschutz einigen und dieses Jahr anfangen.“ Wobei das Projekt eher kurios umgesetzt wird. Denn die Bauarbeiten werden von zwei Seiten beginnen, zwischendrin dürfte ein 100 bis 150 Meter langes Stück frei bleiben, weil dort die meisten Echsen unterwegs sind. „Wir werden sehen, ob wir die Tiere auf die neue oder die bestehende Böschung umsiedeln können, und das Projekt danach vollenden“, sagt Lenker. Radfahrer müssten dann übergangsweise für das kleine Teilstück auf die Staatsstraße ausweichen, wo zur Sicherheit das Bankett verbreitert werden soll. „Das wird einen Aufschrei vor Ort geben“, schwant Lenker,

Weiter ist man schon beim geplanten Radweg östlich von Sindelsdorf an der B 472. „Da haben wir im November das O.k. bekommen, dass die Eidechsen durch den Radwegbau nicht betroffen sind“, so Lenker. Man habe bereits vergangenes Jahr mit ersten Arbeiten begonnen, „wenn das Wetter passt, sollten wir da schon Ende April fertig werden“.

Region Weilheim

Das größte, wichtigste und heikelste Projekt ist sicher die geplante Sanierung der B 2 in Weilheim. Während der nördliche Teil bereits 2016 erledigt wurde, steht jetzt der südliche Teil vom Landratsamt bis zum Kreisverkehr zur Südspange an. „Das bedeutet sechs Wochen Vollsperrung in den Sommerferien“, verdeutlicht Lenker die Ausmaße des Projekts, das bereits im Juni mit Vorarbeiten beginnen soll. Allerdings fehlt noch die Zustimmung der Stadt, die einen gewissen finanziellen Beitrag leisten muss, weil die Zufahrtswege zur B 2 ebenfalls umgebaut und alle Kreuzungen barrierefrei werden. „Es könnte also sein, dass wir das auf nächstes Jahr verschieben müssen“, so Lenker – obwohl man eigentlich schon vor drei Jahren loslegen wollte. Schwerpunkt der Sanierung ist der Lärmschutz, der mit einem neuen Belag erheblich verbessert werden soll.

Eher kleinere Projekte, die vor allem für Radler wichtig sind, ist ein kleiner Lückenschluss auf der Verbindung von Eberfing nach Huglfing, wo Radler bisher ein kurzes Stück bergauf auf der B 2 radeln müssen. „Da wird ein Stück Radweg neu gebaut“, sagt Lenker. Zudem wird es zwei neue Querungshilfen über viel befahrene Straßen geben: Eine bei Tankenrain, die andere am östlichen Ortsausgang von Weilheim.

Auch auf der Staatsstraße zwischen Oderding und Peißenberg müssen sich Autofahrer dieses Jahr auf Baustellen einstellen. „Da muss die Fahrbahndecke zwischen der Bahnbrücke nahe Weilheim bis zum Dehner in Peißenberg erneuert werden, es kommt ein lärmarmer Asphalt drauf, der vor allem die Oderdinger freuen dürfte“, sagt Lenker. Denn obwohl nur eine Staatsstraße, sei die Belastung auf Bundesstraßen-Niveau. „Wir hatten eigentlich vorgehabt, die Straße während des Lockdowns zu sanieren, der ja verlängert wurde“, sagt Lenker. Doch das habe sich nach einer Verkehrszählung zerschlagen – es seien dort bereits jetzt genauso viele Fahrzeuge unterwegs wie zu normalen Zeiten. „Warum, weiß ich nicht, weil doch viele im Homeoffice sind“, sagt Lenker achselzuckend. Weil es aber ohne zeitweise Vollsperrungen nicht geht und der Verkehr in einer Richtung über Polling, in der anderen über Huglfing umgeleitet werden muss, habe man die betroffenen Gemeinden wegen Terminvorschlägen angeschrieben. Beide Verkehre über Polling laufen zu lassen, funktioniert wegen der Engstelle an der innerörtlichen Brücke über den Tiefenbach mit 90-Grad-Kurve nicht – „wenn sich da zwei Lkw begegnen, geht nichts mehr“, weiß Lenker. Ohnehin muss dort während der Umleitung eine Ampel aufgestellt werden. „Eventuell klappt es ja parallel zum Einheben der neuen Radbrücke bei Oderding, für die wir die Straße auch sperren müssen“, sagt Lenker.

Zur kompletten Baustelle wird in diesem Jahr Haunshofen. „Da wird es das ganze Jahr über immer wieder Sperrungen geben, insgesamt haben wir dort vier Bauabschnitte geplant“, sagt Lenker. „Aber auf irgendeiner Seite wird man immer rauskommen.“ Kurios: Weil noch unklar ist, ob das traditionell alle vier Jahre stattfindende Ochsenrennen mit tausenden Besuchern dieses Jahr Ende August ausgerichtet wird, gibt es zwei Pläne beim Bauamt. Mit Ochsenrennen würde nach Bauphase zwei unterbrochen, auch wenn dann theoretisch bei zügigem Baufortschritt wochenlang nichts passiert. Ohne könnte in einem Stück durchgearbeitet werden, so Lenker.

Ein verzwicktes Projekt ist der seit fast zehn Jahren geplante Ausbau der Straße zwischen Peißenberg und Böbing. Der erste Teil mit dem Böbinger Berg ist bereits erledigt, der zweite ungefähr ab der Abzweigung vom Granerhof bis Ende Hochstraße soll endlich folgen. „Die erforderlichen Gelder und Grundstückskäufe sind da. In den Sommerferien geht es los mit einer Vollsperrung im Weiler Osterwald.“ Die Planung war kompliziert. Eine Idee war, die Straße komplett zu sperren und den kompletten Verkehr über Grambach und kleinere Straßen und Wirtschaftswege zu führen, die dafür extra ausgebaut werden sollten. Dann hätte man in Ruhe bauen können und wäre schneller fertig geworden. „Das haben wir aber wieder verworfen“, sagt Lenker. Denn man habe nicht garantieren können, dass Busse diese Nebenstrecken problemlos bewältigen können. „Außerdem waren die Anwohner nur bedingt begeistert“, sagt Lenker. Die Baustelle ist insgesamt auf mehr als ein Jahr angesetzt, vom Beginn der Sommerferien 2021 bis zum Ende der Sommerferien 2022 wird es dort immer wieder Behinderungen geben.

Noch Zukunftsmusik ist der dritte Abschnitt bis Böbing, der für Proteste und vermutlich Klagen sorgen wird. Denn aus Naturschutzgründen kann auf etwa 400 Meter Länge die Straße nicht verbreitert werden, weshalb eine ganz neue Trasse quer durch eine Wiese gebaut werden muss. „Das wird heikel“, weiß Lenker. Die Planung wird noch Jahre dauern.

Region Schongau

Die Sanierung der Bergstraße auf den Hohen Peißenberg ist im unteren Bereich bereits erfolgt, jetzt kommt der Rest bis ganz oben zur Wetterwarte – und der hat es in sich. Denn unter anderem die großen Gräben zur Bergseite kommen weg, sie werden laut Lenker zugeschüttet und ein großes Rohr für den Wasserabfluss eingelegt, das alle 25 Meter mit einem Einlaufschacht versehen wird. „Denn das Wasser dort ist das große Problem“, sagt Lenker. Bei Starkregenfällen, die immer häufiger auftreten, „schießt das Wasser zum Teil in 30 bis 40 Zentimeter Höhe die Straße hinunter“. Mit der Ableitung könne man das Problem nicht gänzlich lösen, aber laut Lenker so viel Zeit gewinnen, dass die Fluten einige Minuten länger zurückgehalten werden. Das reiche manchmal schon. Der schöne Nebeneffekt: Die Straße, die zum Teil nur 4,2 Meter breit ist, kann deutlich komfortabler ausgestattet werden.

Doch bis es soweit ist, wird es für Besucher und Anwohner des beliebten Ausflugsbergs kompliziert. Denn die Regelungen, die getroffen wurden, sind aus Baustellensicht extrem aufwändig: „Eine komplette Sperrung der Straße ist nur von Montag bis Mittwoch zulässig. Jede volle Stunde muss der Verkehr rauf und runter fahren können, zusätzlich können Busse nach Anmeldung auch außerhalb dieser Zeiten durchfahren“, zählt Lenker auf. Selbst der Laie kann sich vorstellen, wie schwer es ist, trotz Baustelle quasi ständig wieder die Befahrbarkeit herstellen zu müssen. „Wir wollten die Anlieger eigentlich längst im Detail informiert haben, aber die geplante Versammlung mussten wir wegen Corona drei Mal verschieben“, bedauert Lenker. Trotzdem soll es nach Ostern losgehen. Saniert wird übrigens alles, auch der Parkplatz oben auf dem Berg.

Kompliziert, weil mit vielen Verkehrsbehinderungen, ist auch die längste Baustelle im gesamten Landkreis, die Sanierung der B 17 von Hohenfurch bis zur Lechtalbrücke bei Peiting. „Wir sind einige Varianten durchgegangen, auch eine Vollsperrung der gesamten zehn Kilometer langen Strecke und die Sanierung an einem Stück“, sagt Lenker. Doch das habe man verworfen, gearbeitet werden soll jetzt in insgesamt vier Abschnitten. Insgesamt wird es zwölf Wochen Vollsperrung geben. Danach ist die gesamte Schongauer Umfahrung wieder in bestem Zustand, denn der Bereich von der Anschlussstelle Peiting-West bis Hohenbrand wurde bereits 2018 saniert.

Lang ersehnt wird auch die Entschärfung der unfallträchtigen Anschlussstelle der B 17 bei Altenstadt. Dort soll in nördlicher Richtung, wo bisher eine Linksabbiegespur ist, an der es trotz freier Sicht immer wieder kracht, eine neue Ausfahrt entstehen. Die wird, anders als auf der gegenüberliegenden Seite, aber nicht mit einem Kreisverkehr angeschlossen, sondern mit einer T-Kreuzung.

Ein letztes Projekt, das nur indirekt mit dem Straßenbau zu tun hat, aber große Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist der Neubau der Echelsbacher Brücke. Da soll die Fertigstellung Mitte des Jahres erfolgen und danach die Ersatzbrücke abgebaut werden. Aber das stört den Autofahrer nicht mehr.

Die Projekte im Überblick (siehe auch Grafik):

- (1): B 17, Deckenbau von Hohenfurch bis Peiting West. Geplant: Abstimmung mit Gemeinden läuft noch, Kosten: ca drei Millionen Euro - Dazu: Umbau Anschlussstelle Altenstadt. Kosten: 500 000 Euro.

- (2): WM 22, Ausbau Bergstraße Hohenpeißenberg. Geplant: nach Ostern, Kosten: 1,2 Millionen Euro.

- (3): St 2058, Erneuerung zwischen Peißenberg und Böbing. Geplant: Ab den Sommerferien, Kosten: 2,3 Millionen.

- (4): B 23, Teilerneuerung Echelsbacher Brücke. Freigabe Mitte des Jahres, Kosten: 30,6 Millionen Euro.

- (5): St 2058, Deckenbau zwischen Peißenberg und Oderding. Geplant: Abstimmung mit Gemeinden läuft noch, geplant Anfang Mai, Kosten: eine Million Euro. Zudem: Neubau Geh- und Radwegbrücke über die Ammer bei Oderding, Kosten: 1,3 Millionen Euro.

- (6): St 2057, Neubau Querungshilfe Tankenrain. Geplant: vermutlich nach Ostern, Kosten: 100 000 Euro.

- (7): B2, Lärmsanierung der Ortsdurchfahrt Weilheim vom Landratsamt bis zum Kreisverkehr Weilheim Süd. Geplant: noch in Abstimmung, geplant im August, Kosten: 2,3 Millionen Euro.

- (8): St 2064, Neubau Querungshilfe östlich Weilheim. Geplant: nach Ostern, Kosten: 100 000 Euro.

- (9): WM 28, Ausbau Ortsdurchfahrt Haunshofen. Geplant: nach den Osterferien, Kosten: zwei Millionen Euro.

- (10): B2, Geh- und Radweg südlich Etting. Geplant: im Sommer, Kosten: 400 000 Euro.

- (11): B 472, Geh- und Radweg östlich Sindelsdorf. Geplant: Mitte März, Kosten: 500 000 Euro.

- (12): St 2038, Geh- und Radweg Antdorf-Iffeldorf. Geplant: nach Ostern, Kosten: 500 000 Euro.

- (13): St 2063, Neubau Linksabbiegespur bei Penzberg-Schönmühl. Geplant: Mai bis Juni, Kosten: 200 000 Euro.

Umfahrung Weilheim: „Stadt muss sich eine Meinung bilden“

Immer wieder wurde von den Verantwortlichen des Staatlichen Bauamts betont, wie lange es dauert, bis eine mögliche Umfahrung Weilheim tatsächlich fertig ist. Von einem Zeithorizont von 15 bis zu 20 Jahren war die Rede. Wer sich dachte, wie das sein kann, muss nur auf das vergangene Jahr schauen: Nach der wegen diverser Kartenfehler eingestampften Bürgerbefragung ist jetzt fast ein Jahr lang rein gar nichts passiert. Wobei das Bauamts-Leiter Stefan Scheckinger so nicht stehen lassen will: „Im Hintergrund ist schon einiges gelaufen“, sagte er. So werde derzeit die Umweltverträglichkeitsprüfung aktualisiert. „Der bisherige Entwurf stammt aus dem Jahr 2018, seitdem hat sich doch einiges getan“, sagte Scheckinger. Die Ergebnisse werde man auch im Laufe des Jahres öffentlich präsentieren, entweder im Stadtrat oder bei einer anderen öffentlichen Gelegenheit. „Der Bericht hat 300 Seiten, der muss natürlich vor der Veröffentlichung bearbeitet werden.“

Und wie ist der Stand bei der Bürgerbefragung, die ein wichtiges Element bei der Entscheidungsfindung für eine Trasse sein soll? „Es ist Sache der Stadt, wie sie zu den verschiedenen Varianten steht“, betont Scheckinger. Wie sich die Stadt ihre Meinung bilde, bleibe ihr überlassen. „Aber die Haltung der Stadt ist wichtig. Wenn sie sich nicht äußert, wird es schwer. Irgendwann müssen wir dem Bund einen Plan vorlegen, und da wird natürlich gefragt: Was sagt die Stadt dazu?“

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