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Die Ausgangslage der groß angelegten Übung. Ein Pkw mit zwei Personen kollidiert seitlich mit einem Kesselwagon.

Übung der Kreisbrandinspektion bei UPM

Fit sein für den Ernstfall

Am  Samstag war ein Teil des UPM Firmengeländes Schauplatz einer umfangreichen Übung. Es soll das Zusammenspiel der Wehren bei einem nicht alltäglichen Brand- oder Unfallszenario geübt werden.

Schongau Ein Arbeitstag wie jeder andere auf dem Firmengelände von UPM. Zwei Arbeiter fahren mit ihrem Pkw in Richtung Hackschnitzelanlage. Aus noch ungeklärter Lage übersieht der Fahrer die Güterwagen, die von einem Unimog über die Schienen gezogen werden. Der Pkw fährt ungebremst in die Seite eines Kesselwagons, in dem sich noch Restbestände von Natronlauge befinden. Beide Fahrer sind verletzt und nicht mehr ansprechbar, aus einem Riss am Kessel tritt Flüssigkeit aus. Ein Augenzeuge meldet den Vorfall sofort dem Pförtner, der die Werksfeuerwehr alarmiert.

So stellt sich Punkt 9 Uhr die Ausgangslage des Szenarios für den Kommandanten der UPM Werksfeuerwehr und Brandschutzbeauftragten Erwin Gnais dar. Sofort erkennt er, dass ohne Unterstützung der Wehr aus Schongau die Situation nicht zu bewältigen ist. Während sich zwei seiner Trupps mit Atemschutz sofort um die Verletzten kümmern, diese aus der Gefahrenzone retten und danach die genauen Inhalte des Wagonbehälters erkunden, lässt Kommandant Gnais über die Integrierte Leitstelle Alarm für Schongau auslösen.

9.12 Uhr: Schongau rückt neben dem Einsatzleit-Fahrzeug mit einem Rüstwagen, einem Löschfahrzeug und einem Versorgungs-Lkw an. Acht Minuten später folgt ein weiteres Tanklöschfahrzeug. Sofort wird am Einsatzleit-Fahrzeug Kartenmaterial angebracht, um die Führungskräfte in die Lage und Örtlichkeiten einzuweisen. Die Einsatz- und Sicherungstrupps beider Wehren legen Spezialausrüstungen für Chemie- oder Säureunfälle an. Da durch einen Riss am Tankkessel Flüssigkeit austritt, muss versucht werden, möglichst schnell das Leck zu schließen. Der Bereich, auf dem sich die Natronlauge schon ausgebreitet hat, wird mit Pylonen gekennzeichnet und abgesperrt. Nahegelegene Gullydeckel werden mit Dichtkissen abgedichtet. Man positioniert Auffangwannen unter der Schadstelle. In Richtung Lech baut man eine Chemikaliensperre auf, um eine Verunreinigung des Flusses zu verhindern.

9.30 Uhr: Der Dekontaminationsplatz wird eingerichtet. Dort müssen nach dem Einsatz alle Personen, die einen Chemieschutzanzug getragen haben, in einem Becken mit Spezialmittel abgewaschen werden. Erst dann können die Anzüge abgelegt werden, die dann in Sammelbehältern einer Verbrennung zugeführt werden.

9.45 Uhr: Der erste Versuch, das Leck zu schließen, scheitert. Neues Material wird eingebracht, fünf Minuten später meldet der Trupp, dass die Schadstelle abgedichtet ist. Ein Handpumpensystem wird an die Auffangschalen angeschlossen, um die Flüssigkeit in große Transportbehälter umzupumpen. Alles Handbetrieb unter Atemschutz im luftdichten Chemieanzug bei mittlerweile prallem Sonnenschein.

Übung bei UPM in Schongau: Bilder

10.15 Uhr: Beginn der ersten Duschmaßnahmen. Kontaminierte Personen durchlaufen die Stationen, erst dann dürfen sie sich im Versorgungsfahrzeug umziehen. Auch dies alles unter genauer Beobachtung von Eisenbahnbetriebsleiter Tibor Illes, der die Abläufe mit Kamera dokumentiert. Wie von ihm zu erfahren ist, werden regelmäßige Überprüfungen durch die Regierung von Oberbayern an den Gleisanlagen durchgeführt. „Durch diese Übung konnten einige Erkenntnisse gewonnen werden, um Fehlerquellen auszuschließen“, so Illes.

„Die Übung wurde umfangreich vorbereitet, von der Schadenslage interessant dargestellt und sauber abgearbeitet“, so Kreisbrandinspektor Ludwig Fernsemmer bei der Schlussbesprechung. Zusammen mit Kreisbrandmeister Johann Deschler hat Fernsemmer die komplette Übung dokumentiert.

Hans-Helmut Herold

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