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In diesem Haus sollen im Erdgeschoss Wohnungen gebaut werden.

Umwandlung von Geschäft in Wohnung genehmigt

Tabubruch in der Münzstraße

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Immer wieder erhält die Stadt Anfragen aus der Altstadt, Geschäftsflächen in Wohnungen umzuwandeln, und stets abgelehnt, wenn es um die zentralen Münz- und Weinstraße geht. Bis jetzt: Hauchdünn hat der Bauausschuss einem Antrag zugestimmt.

Schongau – Derzeit ist in dem Haus an der Münzstraße 49 noch eine Wellness-Oase untergebracht. Doch laut Michael Wölfle vom Stadtbauamt endet der Mietvertrag im kommenden Februar, seinen Informationen zufolge wolle das Geschäft an einen anderen Ort umziehen. Diesen Wechsel will die Hausbesitzerin nutzen und von ihrer Wohnung oben im Haus ins Erdgeschoss ziehen. „Wir haben ihr vorgeschlagen, ob sie nicht wenigstens Büros dort unterbringen will“, sagte Wölfle, doch die Besitzerin bestand auf Wohnungen.

In diesem Haus direkt gegenüber wurde die Umwandlung von Geschäft in Wohnungen vor drei Jahren noch abgelehnt, seitdem steht es unansehnlich da.

Damit wäre der Fall eigentlich klar: Während die Stadt in Nebenstraßen der Altstadt, die definitiv keine Einkaufsmeilen sind wie zum Beispiel der Liedlstraße, immer wieder der Umwandlung von Geschäfts- oder Büroräumen in Erdgeschoss-Wohnungen zugestimmt hat, war das bisher in den Hauptachsen der Altstadt tabu. Darauf wies Wölfle explizit hin und erinnerte an das Haus gleich gegenüber, das seit Jahren unansehnlich mit Brettern vor den Fenstern vor sich hin gammelt, weil der Besitzerin eben diese Umwandlung von Gewerbefläche in Wohnungen nicht genehmigt wurde.

Genau an diesen Fall erinnerte Paul Huber (CSU): „Wenn der Eigentümer keine Geschäftsflächen haben will, hilft es nichts. Mir wäre Gewerbe auch lieber, aber vernagelte Fenster sind definitiv schlechter als eine Wohnung.“ Deshalb sei er der Meinung: Wenn der Eigentümer so eine Umwandlung wolle, soll man sie genehmigen, „auch wenn es wehtut“.

Auch Ilona Böse (SPD) gestand den „großen Zwiespalt“ ein, in dem sie sich befindet. „Man muss schon darauf achten, dass es ästhetisch ausschaut. Schließlich sind da Schaufenster drin, und wenn künftig innen ein Schabrackenvorhang hängt, dann bitte nicht.“ Auch wenn es das allerletzte Haus in der Münzstraße sei, fahre dort jeder darauf zu. „Das muss fürs Ensemble und für eine Eingangsstraße passen“, forderte sie. Wölfle entgegnete, er hänge sicher nicht an den Schaufenstern, doch man könne die Besitzerin nicht zwingen, sie auszubauen. Die Denkmalschutzbehörde werde dort ein Wort mitreden.

Bettina Buresch (ALS) hätte gerne schon einen ersten Plan gehabt, doch es handelt sich nur um eine Voranfrage – der würde erst beim Bauantrag folgen. „Wenn es Wohnungen werden sollen, muss man es auch als Wohnhaus gestalten“, fand sie, also ohne Schaufenster. Ralf Schnabel (UWV) wollte, vermutlich mit dem Hintergrund, ob eine Treppennutzung zu beschwerlich wäre, wissen, wie alt die Hausbesitzerin ist, was Wölfle mit einem Lächeln quittierte: „Wir prüfen bei Anträgen weder Alter, Geschlecht noch Rasse“, sagte er unter Gelächter, meinte aber, die Frau sei schon älter. Am Ende der Diskussion war Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) der Meinung, er könne „mit Bedenken“ zustimmen. Seine Ja-Stimme war schließlich das Zünglein an der Waage bei der 5:4-Entscheidung, die einen Tabubruch bedeutet, nachdem CSU und UWV dafür und SPD/ALS dagegen stimmten.

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