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Los geht’s: Um 3 Uhr morgens startet Sepp Bauer (38) von der Peitinger Straßenmeisterei aus seine Räumtour. Er war gestern durchgängig auf der B 472 zwischen Peiting und Peißenberg im Einsatz.

Reportage

„Als Schneepflugfahrer ist man Einzelkämpfer“

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Um 2.45 Uhr klingelt das Telefon und reißt Sepp Bauer (38) aus Peiting aus dem Tiefschlaf. Draußen schneit es kräftig. Der Arbeitstag des Schneepflugfahrers beginnt. Wir haben ihn bei einer Tour begleitet.

Weilheim-Schongau– Dicke Schneeflocken wehen gegen die Windschutzscheibe. Draußen ist es noch stockdunkel. Schon seit 3 Uhr ist Sepp Bauer zwischen Peiting und Peißenberg unterwegs. Der Schneepflugfahrer kennt die Strecke in und auswendig. Auch auf den Hohen Peißenberg und über Hetten bis zur Abzweigung Richtung Forst räumt und streut er die Straße. Jeden Tag. Die Motorbremse brummt laut, die Sitze wackeln, wenn der Pflug in eine Eisplatte einsticht.

Am Computer beobachtet Hermann Schweiger in der Straßenmeisterei die aktuelle Wettersituation.

Alarmiert werden Bauer und seine Kollegen von Hermann Schweiger. Er beobachtet die Wetterlage von der Straßenmeisterei Peiting aus. Vier Messstellen im Schongauer Land liefern aktuelle Bilder, sowie Informationen zur Luft- und Straßentemperatur. Sogar unterhalb der Straßendecke sind Sensoren angebracht. Außerdem schaut sich Schweiger Wettervorhersagen an.

Für Schneepflugfahrer sei es natürlich ein Highlight, wenn es wie jetzt richtig schneit, freut sich Sepp Bauer. Man sehe richtig, was man geschafft hat, wenn die schwarze Straße wieder zu sehen ist. Allerdings verschwindet sie auch schnell wieder unter einer Schneedecke. Immer wieder fährt Bauer die Bundesstraße 472 zwischen Peiting und Peißenberg ab. Hin und her. Sie hat immer Vorrang. Ein kleinerer Schneepflug fährt voraus, räumt den Schnee von der Straßenmitte. Dahinter folgt Bauer mit dem 4,50 Meter breiten Pflug, um den Schnee zur Straßenseite zu schieben. Die teilweise dreispurige Fahrbahn kann nur in Teamarbeit geräumt werden.

Mit Schneepflug-Fahrer Sepp Bauer war SN-Volontärin Elena Siegl einen Vormittag lang im Räumeinsatz.

Über Funk ist Bauer mit seinem Kollegen in Kontakt. Ein anderer Fahrer braucht die Hilfe des kleinen Räumfahrzeugs. „Kommst du derweil ohne mich aus?“ Als Schneepflugfahrer ist man meistens Einzelkämpfer, sagt Bauer. Bereits seit 16 Jahren arbeitet er bei der Straßenmeisterei. Er fährt gerne Schneepflug. Nur an das frühe Aufstehen kann er sich nicht gewöhnen. „Ich werde jedes Mal aus dem Tiefschlaf gerissen“, sagt er und lacht.

Gerade haben er und sein Kollege noch die Bundesstraße geräumt, auf der Rückfahrt ist sie schon wieder mit Schnee bedeckt. Zu viel für einen Lkw. Bei Peißenberg ist er stecken geblieben. Bauer fährt nah um den Lkw, streut kräftig Salz, vermengt mit Lauge. „Jetzt müsste es wieder gehen“, sagt er. Bei der nächsten Fahrt ist der Lkw tatsächlich weg.

Während die Schneepflugfahrer frühmorgens fast noch allein auf den Straßen unterwegs sind, merkt man ab 5 Uhr den zunehmenden Berufsverkehr. Ein Auto reiht sich ans andere. Obwohl rutschiger Schnee die noch ungeräumte Überholspur bedeckt, drängeln sich einige am Schneepflug vorbei. Bauer schüttelt den Kopf. „Die fahren, als wäre es Sommer. Viel zu schnell.“ Immer wieder deutet er auf Spuren am Straßenrand. Von Autos, die fast in den Graben gerutscht sind.

Bei Peißenberg ist am frühen Mittwochmorgen ein LKW stecken geblieben, den Bauer befreien muss.

Über Beschwerden, der Räumdienst würde seine Arbeit nicht machen, ärgert er sich. Schließlich ist er ständig unterwegs. Notfalls kann er das auch nachweisen. Ein sogenanntes Mobidat speichert automatisch, wann das Räumfahrzeug wo unterwegs ist, ob der Pflug unten ist und wie viel Salz gestreut wird.

„Insgesamt 230 Kilometer werden von uns betreut“, sagt Claudia Immisch von der Straßenmeisterei. Bundes-, Kreis- und Landstraßen zählen dazu. Von Kinsau bis Wildsteig, von Rettenbach bis Peißenberg. Je nach Wetterlage ist der Bereich in kleinere Gebiete unterteilt. Schneit es so viel wie heute, sind neun Fahrzeuge im Einsatz. Sonst reichen vier bis sechs Schneepflüge.

Nachdem die Bundesstraße geräumt ist, geht es für Bauer den Hohen Peißenberg hinauf. Jetzt schneit es besonders stark. Man sieht nur wenige Meter weit. Der Wind fegt den Schnee vom Straßenrand auf die Fahrbahn. Vereinzelt kommen dem Schneepflug auf der engen Straße Autos entgegen. Sie passen gerade noch aneinander vorbei.

Es gäbe ohnehin kaum Ausweichmöglichkeiten. An beiden Straßenseiten türmen sich die Schneeberge. Die Leitpfosten sind fast nicht mehr zu sehen. „Wenn es weiter so schneit, müssen wir den Schnee fräsen und abtransportieren.“ Nachdem Bauer die Bundesstraße noch einmal abgefahren ist, geht es um 7.30 Uhr zurück zur Straßenmeisterei. Gerade hat es aufgehört zu schneien. Bei einer Tasse Kaffee ratscht Bauer kurz mit Kollegen. Dann geht es zurück auf die Straße. Seine nächste Runde nach Peißenberg beginnt.

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