Das Urlechtal verläuft durch das künftige Wohn- und Gewerbegebiet

Droht Baugebiet Schongau-Nord das Aus?

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Das Urlechtal könnte dem Baugebiet Schongau-Nord in die Quere kommen. Um keine Zeit zu verlieren und trotzdem bald Bauland anbieten zu können, wird nun zuerst das westlichste Teilgebiet der fünf Quartiere überplant, „die Fischblase“ östlich Franz-Josef-Strauß-Straße und südlich „Am Eichenfeld“.

SchongauDas Thema Baugebiet Schongau-Nord beschäftigt Schongau bereits seit Mitte der 80er Jahre. Wie in der jüngsten Stadtratssitzung angedeutet wurde, könnte der ehemalige Verlauf des Lechtals fast die gesamte Planung gefährden, und zwar letztlich nicht nur des Baugebietes westlich des Krankenhauses, sondern auch einen Teil des künftigen Gewerbegebietes Richtung Hohenfurcher Flur. Es habe von privat den Antrag gegeben, das gesamte Urlechtal als Naturschutzgebiet auszuweisen, informierte Stadtbaumeister Sebastian Dietrich. Damit hatte sich zunächst einmal die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt befasst, die zwar laut Dietrich keine Veranlassung gesehen habe, ein Naturschutzgebiet auszuweisen. Aber in der Naturschutzbeiratssitzung sei immerhin angeregt worden, das Urlechtal so weit wie möglich von Bebauung freizuhalten.

„Dies hat keinen bindenden Charakter“, so Dietrich, jedoch werde derzeit geprüft, ob der gesamte Bereich als Geotop betrachtet werden müsse. Dazu hat im September ein Ortstermin mit dem Landesamt für Umwelt stattgefunden, das Ergebnis soll zeitnah vorliegen.

Der Stadtrat war über das Damoklesschwert bereits in der Sitzung am 17. April informiert worden – hinter verschlossenen Türen. Nichtöffentlich war beschlossen worden, mit der übergeordneten Planung erst einmal zu pausieren. Um möglichst wenig Zeit zu verlieren, sollten jedoch zumindest die Planungen in dem Bereich vorangetrieben werden, der auch dann bebaut werden könnte, wenn es seitens des Landesamtes für Umwelt Einschränkungen gibt. Vom Urlechtal in jedem Fall nicht mehr tangiert wird die sogenannte „Fischblase“, die Grundstücke östlich der Franz-Josef-Strauß-Straße und südlich „Am Eichenfeld“, im Westen bis zur Bebauung. „Das liegt außerhalb des geologisch interessanten Bereichs“, so Dietrich. Allerdings gehören die Grundstücke nicht der Stadt, derzeit würden Gespräche mit Eigentümern geführt.

So könnte das gesamte Baugebiet Nord aussehen - ein Modell der bisherigen Planung

Weil die Nachfrage nach Bauland groß ist, will man in Schongau parallel dazu versuchen, so rasch wie möglich innerstädtisch nachzuverdichten. Vier Gebiete hat das Bauamt dabei im Auge:

† Zwischen Marktoberdorfer Straße und Amselstraße vor den Meisenhöfen. Die Aufstellung des Bebauungsplanes ist bereits beschlossen.

† An der Colmarer Straße ist eine Nachverdichtung möglich, die Änderung des Bebauungsplanes ist beschlossen.

† Zwischen Liedl- und Amtsgerichtsstraße im Bereich des ehemaligen Josefsheim ist der Bebauungsplan im Verfahren.

† Bei den ehemaligen Forsthäusern an der Greifenstraße könnte nach dem Einfügungsgebot relativ rasch eine Bebauung realisiert werden. Das Thema steht bereits in der kommenden Woche auf der Tagesordnung im Bauausschuss.

Über den aktuellen Sachstand hatte man im Stadtrat auf Antrag der CSU berichtet. Dieser wichtige Punkt der Stadtentwicklung müsse vorangebracht und auch den Bauwilligen eine zeitliche Perspektive geboten werden. Wenn das Ergebnis der jüngsten Ortsbegehung bekannt sei, möge man bitte den Stadtrat unterrichten, so Kornelia Funke. Die CSU-Fraktionsvorsitzende regte außerdem an, den Begriff „Fischblase“ nicht weiterzuverwenden – „kein passender Name für ein Baugebiet“.

Fraktionskollege Robert Stöhr merkte an, dass man bei neuen Baugebieten auf eine attraktive Grundstücksgröße achten solle. „Familien müssen sich entfalten können, und wir müssen etwas für das Klientel ,guter Mittelstand’ bieten.“

Das rote Feld soll nun zuerst erschlossen werden. 

Nina Konstantin (ALS) hielt dagegen, dass sich junge Familien diese Grundstücke kaum leisten könnten, sie plädierte für eine „gute Mischung“, wie sie auch die Verwaltung vorschlägt: ein Wohnungsmix vom Einfamilienhaus übers Doppelhaus bis hin zum Mehrfamilienhaus. Bettina Buresch (ALS) verwies darauf, dass bereits bei der Infoveranstaltung der CSU im Juli 2017 klar geworden sei, dass das Baugebiet Schongau-Nord nicht zeitnah erschlossen werden könne und auch nichts für junge Familien sei. „Wenn es öfter wiederholt wird, wird es auch nicht wahrer“, so ihre Kritik.

Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) hatte zuvor darauf verwiesen, dass derzeit 120 Personen auf der Warteliste stünden für einen Bauplatz in Schongau. „Wer es sich letztlich wirklich leisten kann zu bauen, steht aber auf einem ganz anderen Blatt“, betonte er.

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