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Müssen die Bibeln umgeschrieben werden?

Schlechte Übersetzung? 

Vaterunser auf dem Prüfstand

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Müssen die Bibeln umgeschrieben werden und Kinder im Religionsunterricht einen neuen Vers lernen? Geht es nach dem Papst, könnte das in Deutschland durchaus passieren. Franziskus missfällt ein Passus in der deutschen Übersetzung des Vaterunser. Die Reaktionen darauf sind bei den Geistlichen im Schongauer Land unterschiedlich.

Schongau – Papst Franziskus hatte am Mittwoch im italienischen Fernsehen für Aufsehen gesorgt, als er den Vaterunser-Passus „führe uns nicht in Versuchung“ rügte. Es sei nicht Gott, der den Menschen in Versuchung stürze, um zu sehen, wie er falle. „Ein Vater tut so etwas nicht; ein Vater hilft, sofort wieder aufzustehen“, monierte der Papst. „Wer dich in Versuchung führt, ist Satan.“

Wiespfarrer Gottfried Fellner kann die Überlegungen des Kirchenoberhaupts gut nachvollziehen.„Der Papst hat sicher recht, die Übersetzung ins Deutsche ist missverständlich“, sagt er. Fellner wurde in der Vergangenheit selbst oft schon auf die Gebetsstelle angesprochen: „Gott führt uns doch nicht in Versuchung. Wie kann das sein?“, berichtet er von der immer wiederkehrenden Frage. Mann müsse es den Leuten erklären, weiß der Wiespfarrer. Richtig heiße es „Gott möge uns bewahren vor der Versuchung, uns von ihm abzuwenden“. Er selbst hätte überhaupt kein Problem mit einer Änderung im Text des Vaterunser, sagt Fellner.

Dennoch wird in der Wieskirche weiterhin das Vaterunser wie gewohnt gebetet, versichert der Pfarrer. Für eine Änderung sei die Bischofskonferenz zuständig, „wir werden dann Anweisung bekommen“.

Schongaus Stadtpfarrer Norbert Marxer wurde gestern von der Nachricht aus dem italienischen Fernsehen überrascht. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir bei Bibelgesprächen darauf zu sprechen kommen werden“, kündigte er aber an. Die große Frage sei, wie es im griechischen Text heiße, meinte der Geistliche. Aber der Papst habe Erfahrung, „er hat das sicher im Blick“, meinte Marxer.

So sieht es auch Karl Klein, leitender Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Altenstadt, zu der Schwabniederhofen, Schwabsoien, Hohenfurch, Schwabbruck und Sachsenried zählen. Der Papst möchte natürlich nicht das Vater unser ändern, macht Klein klar. Es gehe ihm um die deutsche Übersetzung des Vaterunser, das ja ursprünglich in Griechisch aufgeschrieben worden sei. Die Stelle „führe uns nicht in Versuchung“ sei schlecht übersetzt. Besser finde Franziskus die neue französische Übersetzung „Lass uns nicht eintreten in die Versuchung“, weiß der Geistliche.

Klein selbst findet die Übersetzung jedoch „sprachlich sehr sperrig“. Und ob es eine gute Übersetzung des Urtextes sei, müssten die Sprachwissenschaftler klären. „Inhaltlich geht es für mich um die Tatsache, dass wir Menschen immer wieder in der Versuchung sind, uns für den leichteren oder egoistischen Weg zu entscheiden, und deswegen um die Bitte an Gott, uns zu helfen, dass wir uns immer wieder für das Gute, für die Wahrheit und die Liebe entscheiden“, erklärt der Altenstadter Pfarrer.

„In jedem Fall wäre ich mit einer Änderung der Übersetzung des Vaterunser aber sehr vorsichtig und zurückhaltend“, macht Klein klar. Denn viele Menschen kennen und beten es, „da würde ich nicht leichtfertig etwas ändern“. Klein würde außerdem großen Wert darauf legen, dass in der Frage Einigkeit mit der evangelischen Gemeinschaft bestehe. „Ich fände es fatal, wenn wir nicht einmal mehr das Vaterunser mit den gleichen Worten beten würden.“

Und was sagen die Lutheraner zu dem Vorstoß des Papstes? Schongaus evangelische Pfarrerin Julia Steller hält es ebenfalls für wichtig, zunächst einmal auf den Urtext zu blicken und ihn zu erklären. Von einer „Hauruck-Aktion“, also den Text sofort zu ändern, ist Steller nicht begeistert. Das Vaterunser in seiner jetzigen Form sei den Menschen vertraut. „Wenn ein Mensch in eine Krise gerät und ihm die Worte fehlen, kann er oft nur noch beten. Das Vaterunser ist in Mark und Bein.“

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