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Wird auch bei Biogas zwischen alt und neu unterschieden? Dies fragt sich Karikaturist Hubert Pfeffer.

Vergabe 2020 bis 2022

Schongau verzichtet weiter auf dreckigen Strom

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Die Stromvergaben werden für die Gemeinden immer komplizierter. Jetzt musste sich der Stadtrat Schongau nicht nur zwischen Öko- und Normalstrom entscheiden, sondern auch über die sogenannte Neuanlagenquote. Viel Grund für Debatten im Stadtrat.

Schongau – Eine Bündelausschreibung ist mittlerweile bei der Stromvergabe Usus: In Kooperation mit dem Bayerischen Gemeindetag bietet eine Firma diesen Dienst für die Jahre 2020 bis 2022 an, bereits bei der letzten Strompreisvergabe für Stadt, Stadtwerke und Heiliggeistspital-Stiftung für den Zeitraum 2017 bis 2019 hatte Schongau das Angebot in Anspruch genommen. Es soll über die Menge günstigere Preise bringen, die andere Alternative wäre eine eigene europaweite Ausschreibung. Das wollten die Stadträte in der jüngsten Sitzung nicht, sie plädierten wieder für die Bündelausschreibung.

Komplizierter wurde es im zweiten Teil. Da ging es zunächst um die Frage Öko- oder Normalstrom, und wenn Öko, dann auch noch gesplittet in Ökostrom mit oder ohne Neuanlagenquote. In beiden Fällen würde es bedeuten, dass die elektrische Energie nachweislich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. Beim Zusatz „mit Neuanlagen“ müssen die Lieferungen aber zu mindestens 50 Prozent aus Anlagen stammen, die nicht älter als vier Jahre (Wind, Biomasse und Fotovoltaik) oder sechs Jahre (Wasserkraft und Geothermie) sind. Damit würde beispielsweise das 2003 gebaute Peitinger Windrad ausscheiden. Wobei: Wenn eine bestehende ältere Ökostrom-Anlage ertüchtigt wird, ist der mehr gewonnene Strom wie eine Neuanlage zu werten.

So weit, so kompliziert. Friedrich Zeller (SPD) wollte es gerne „so haben wie beim letzten Mal“ – da wurde Ökostrom gewählt. Und weil man gerade beim Thema war, schlug er vor, dass die Stadt bei der nächsten Fuhrpark-Beschaffung ein Elektroauto kaufe. „Für unser Gebiet wäre das von der Akkuleistung kein Problem“, so Zeller.

Paul Huber (CSU) dagegen hatte die Vorstellung mit zunehmend finsterer Miene verfolgt. Er erinnerte daran, dass man bei der ersten Bündelausschreibung 2013 – auf Hubers Ansinnen übrigens – noch knapp für die billigste Lösung gestimmt habe, den Normalstrom. 2015 unter dem neuen Stadtrat war es damit vorbei, da war Huber beim 18:1-Votum für Ökostrom allein auf weiter Flur. In einer langen Rede geißelte er die Probleme der Energiewende, dass Deutschland 30 Prozent zu viel Sonnenstrom produziere und es viele Geschäftemacher in diesem Bereich gebe. „Deshalb plädiere ich für die billigste Energie, die ich bekommen kann“, so Huber. Denn nach Berechnungen der Stadt sei der Ökostrom bis zu 0,3 Cent pro Kilowattstunde teurer, der Ökostrom mit Neuanlagenquote 0,5 bis ein Cent pro Kilowattstunde. „Ich kann die Argumente von Herrn Huber nachvollziehen“, sprang ihm auch Stephan Hild (UWV) zur Seite.

„Herr Huber ist ein Freund von Atomkraftwerken, der hätte wohl auch in Schongau eines gebaut“, antwortete Siegfried Müller (ALS). Er erinnerte daran, dass herkömmlicher Strom oft teurer sei als gedacht, vor allem, wenn die Folgelasten berücksichtigt werden. „Ich bin überzeugt, wir sollten weiterhin keinen dreckigen Strom verwenden, selbst wenn er billiger wäre.“

Als Huber zu einem erneuten Monolog anheben wollte, griff Vize-Bürgermeister Tobias Kalbitzer, der Falk Sluyterman (Urlaub), vertrat, auf lustig-dominante Art ein: „Jetzt kommen wir langsam in den Schmarrn rein, das könnt ihr auch nachher im Café Müller besprechen.“ Mit 20:2 Stimmen wurde schließlich der günstigere Ökostrom gewählt.

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