+

Verhandlung vor dem Amtsgericht

Nigerianer aus Schongau soll Schleuser sein

Ist er ein professioneller Einschleuser oder war der 35-jährige Nigerianer einfach nur gutmütig? Eindeutig geklärt werden konnte die Frage am ersten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht Weilheim nicht. Es blieben einige Fragen offen.

Schongau Der Angeklagte, der mit seiner Familie in Schongau lebt, war mit einer Dolmetscherin erschienen. Die Verständigung auf Englisch gestaltete sich dennoch schwierig. Immer wieder unterbrach die Vorsitzende Richterin Christiane Serini den Redefluss des Angeklagten, um einigermaßen herauszuhören, was Ende März dieses Jahres am Grenzübergang zu Österreich in Scharnitz vorgefallen war.

Laut Angaben des Nigerianers, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern eine „vorübergehende Aussetzung der Abschiebung“, eine sogenannte Duldung von ausreisepflichtigen Ausländern, hat, bekam Ende März einen Anruf von einem Unbekannten. Dieser bat ihn, zwei Frauen und ein Baby, ebenfalls aus Nigeria, am Bahnhof Innsbruck abzuholen und nach Deutschland zu bringen. Der Angeklagte soll dann noch einen Anruf von einer dieser Frauen erhalten haben. „Das Baby habe ich weinen gehört“, sagte der Nigerianer. Daraufhin habe er beschlossen, die drei Personen abzuholen. Dass er mit einer Duldung Deutschlands Grenzen nicht überschreiten darf, will er nicht gewusst haben.

„Ein vollkommen Fremder ruft Sie an und Sie machen das einfach?“, wunderte sich die Richterin. Den Grenzbeamten war damals das Auto mit dem Angeklagten am Steuer aufgefallen, sie kontrollierten die Ausweise der Insassen.

Nun widersprechen sich die Aussagen. Laut Angaben des Nigerianers habe der Beamte der Bundespolizei sofort alle vier Ausweise sehen wollen. Er habe seine Papiere und die seiner Frau und Kinder vorgezeigt, da er nur diese Duldungs-Ausweise habe. Der als Zeuge geladene Grenzbeamte sagte aber aus, dass der Nigerianer die Papiere griffbereit hatte, als ob er geplant hatte, die falschen Dokumente vorzuzeigen. Bei weiterer Prüfung stellte sich dann heraus, dass die Ausweise nicht mit den beiden Frauen und dem Baby übereinstimmten. Also nahmen die Beamten die Insassen fest.

Dem Nigerianer wird nun vorgeworfen, dass er zunächst unerlaubterweise die Grenze von Deutschland nach Österreich überschritten hat. Weiterhin habe er gesetzeswidrig drei Personen eingeschleust und zudem noch falsche Papiere für diese vorgelegt. „Ich würde niemals die Ausweise meiner Kinder nehmen und so etwas machen“, beteuerte der Angeklagte immer wieder.

Richterin Serini ließ sich die Ausweise der nigerianischen Familie vorlegen. Kurioserweise stellte sich bei ihrer Überprüfung dann heraus, dass Daten nicht mit den damals von den Grenzbeamten eingetragenen Ziffern übereinstimmten. „Das ist sehr seltsam. Das sind nicht die gleichen Ausweise“, sagte die Richterin. Der Angeklagte behauptete nachdrücklich, immer nur diese Ausweise besessen zu haben. Er gab an, alle drei Monate beim Landratsamt die Papiere erneuern lassen zu müssen.

Um das mit einem Sachbearbeiter vom Landratsamt zu klären, setzte die Richterin einen weiteren Verhandlungstag an. Außerdem werden dann zwei wichtige Zeugen verhört. Der ominöse Anrufer ist identifiziert. Dieser scheint wirklich ein Mittelsmann in Schleuserkreisen zu sein. Gegen ihn wird gesondert ermittelt.

Regina Wahl-Geiger

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Betrunkener Schongauer bedroht Polizisten mit Schraubendreher
Weil ihr Mann daheim anfing zu randalieren, hat eine Schongauerin am frühen Sonntagmorgen die Polizei zu Hilfe gerufen. Der Betrunkene zeigte sich von den eintreffenden …
Betrunkener Schongauer bedroht Polizisten mit Schraubendreher
Wie die Boneberger-Spende geholfen hat
Dank der Boneberger-Spendenaktion können jedes Jahr Menschen aus dem Schongauer Land, die dringend Hilfe brauchen, oder Vereine und Institutionen unterstützt werden. Wir …
Wie die Boneberger-Spende geholfen hat
Lechberg nächstes Jahr drei Wochen zu
Der Lechberg wird im kommenden Jahr zur Großbaustelle: Wegen der Setzungen und Risse in der Straße muss der Hang befestigt werden. Dafür kommt schweres Gerät mit …
Lechberg nächstes Jahr drei Wochen zu
23-Jähriger liefert unter Drogen Essen aus
Den Beamten wollte er weismachen, am Wochenende einen Joint geraucht zu haben. Stattdessen waren es aber Amphetamine, die der Essenslieferant geschluckt hat. Der …
23-Jähriger liefert unter Drogen Essen aus

Kommentare