Nach den Feiertagen werden vermehrt Tiere im Heim abgegeben, sagt Leiterin Elke Keller.
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Nach den Feiertagen werden vermehrt Tiere im Heim abgegeben, sagt Leiterin Elke Keller.

Adoptionssperre im Tierheim

„Tiere sind kein Weihnachtsgeschenk“

  • Elena Siegl
    vonElena Siegl
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Auch wenn sie auf manchem Wunschzettel stehen – Tiere gehören nicht als Geschenk unter den Christbaum. Das Schongauer Tierheim legt deshalb in der Vorweihnachtszeit eine Adoptionssperre ein.

Schongau – „Erst gestern hat wieder eine Frau angerufen und gefragt, ob wir zur Zeit Babykatzen haben. Sie bräuchte noch ein Weihnachtsgeschenk“, erzählt Elke Keller. Solche Wünsche, lehnt die Schongauer Tierheimleiterin klar ab. „Tiere sind kein Weihnachtsgeschenk. Ein Lebewesen sollte man sich nicht leichtfertig anschaffen und erst recht nicht verschenken.“

Schon zwei Wochen vor Weihnachten geben die Mitarbeiter in Schongau keine Tiere mehr heraus. Aus Erfahrung wissen sie, dass Tiere, die kurzfristig vorm Feiertag aus dem Heim geholt werden unter dem Christbaum landen. Und die meisten bald wieder zurückgegeben werden. Dann, wenn die erste Euphorie vorüber ist und die Beschenkten feststellen, dass Kaninchen nicht nur kuschelig sind, sondern auch Dreck und Arbeit machen, so Keller.

Viele Tiere werden nach Weihnachten im Heim abgegeben

Tatsächlich werden im Januar vermehrt Tiere im einzigen Tierheim des Landkreises abgegeben. Vor allem Katzen und Kaninchen. Es bestätigt Keller in ihrer Überzeugung, vor Weihnachten eine Adoptionssperre zu verhängen. Bei den meisten Tieren, die im Januar im Tierheim abgegeben werden, vermuten die Mitarbeiter, dass sie zu Weihnachten verschenkt wurden, andere erzählen ganz offen, dass ihre Kinder die Katze bekamen, sich aber doch nicht darum kümmern können und wollen. Für die Tiere bedeutet dieses Umziehen puren Stress. „Aber ich bin froh, wenn sie die Tiere wenigstens direkt bei uns abgeben und wir etwas über ihre Vorgeschichte wissen, statt sie einfach irgendwo auszusetzen. Das kommt leider auch vor“, sagt Keller.

Obwohl das Schongauer Tierheim es bereits seit über zehn Jahren so handhabt, dass Tiere vor Weihnachten nicht mehr vermittelt werden, wenden sich immer wieder Menschen mit einem Geschenkwunsch an die Mitarbeiter. Seien es Eltern, die ihren Kindern eine Freude machen wollen, oder Männer, die noch etwas Besonderes für ihre Freundin suchen.

Tiere können nicht einfach mitgenommen werden

Ins Tierheim fahren, sich einen Hund aussuchen und mit nach Hause nehmen – so einfach, wie sich das manche vorstellen, ist es nicht. Auch außerhalb der Weihnachtszeit wollen die Verantwortlichen sicher gehen, dass die zukünftigen Besitzer der Aufgabe gewachsen sind.

Wer zum Beispiel einen Hund adoptieren möchte, muss vorher mindestens zehnmal mit ihm Gassi gehen. Außerdem wollen die Verantwortlichen bei jedem Tier, das abgegeben wird, erst die Wohnung des neuen Besitzers sehen. „Platzkontrolle“ heißt das. Haben die Mitarbeiter des Tierheims das Gefühl, dass das Tier ist beim neuen Besitzer nicht gut aufgehoben ist, geben sie es nicht heraus. „In der Vorweihnachtszeit werden die Regeln noch einmal etwas strenger ausgelegt“, so Keller.

Besser selbst im Tierheim vorbeischauen

Statt unüberlegt Tiere zu verschenken, rät die Tierheimleiterin dazu, besser nach Weihnachten selbst vorbeizuschauen, die Tiere kennenzulernen und mit den Mitarbeitern zu sprechen.

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