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Das Fagott hält Einzug in die Musikschule: Laura Bartsch lernt das Instrument von dem neuen Lehrer Thom as Huppertz (r.), der künftig auch das Nachwuchsorchester leitet. Musikschulleiter Marcus Graf (l.) hält das Fagottino in den Händen, auf dem auch jüngere Schüler üben können. Für die Anschaffung hat er auf Geburtstagsgeschenke verzichtet. 

Musikschule Pfaffenwinkel 

Verstärkung mit Fagott und fürs Orchester

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Die Pfaffenwinkel Musikschule in Schongau schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Mit Thomas Huppertz hat sie einen Fagott-Lehrer gewonnen, der obendrein das Nachwuchsorchester übernimmt. Der künftige Musikschulleiter Marcus Graf erhält damit die gewünschte Entlastung, die Vielfalt des Instrumentalangebots wächst.

Schongau– Marcus Graf, der die Nachfolge der ausgeschiedenen Musikschulleiterin Kristina Kuzminskaite übernehmen wird, soll, wie berichtet, seine Unterrichtsstunden halbieren, damit er sich mehr der Verwaltung widmen kann. Da kam es gelegen, dass Thomas Huppertz in Schongau anklopfte und sich anbot, das selten gewordene Fagott zu unterrichten und obendrein von Graf die Leitung des Nachwuchsorchesters zu übernehmen.

Der Mammendorfer (Landkreis Fürstenfeldbruck) ist im Schongauer Land kein Unbekannter. Seit September 2016 leitet Huppertz den ökumenischen Chor Vivace und brachte ihn auf einen neuen Kurs. Die erste Orchestermesse in der Wieskirche im November vergangenen Jahres war ein großer Erfolg.

Der 55-Jährige spielt viele Instrumente, das Fagott ist sein Steckenpferd. Die Liebe zu dem selten gewordenen basslagigen Blasinstrument, das in Mozartmessen ebenso zu hören ist wie im Jazz, war bei dem Musiklehrer schon in jungen Jahren entfacht worden. Gegenüber seines Elternhauses in Wuppertal probte jeden Tag ein Fagottist des örtlichen Orchesters. Dem Nachbarsjungen gefiel, was er hörte. Er wollte es auch lernen. Doch erst als er zwölf war, habe sich der Nachbar bereit erklärt, ihn zu unterrichten, so Huppertz. „Jetzt sind Deine Hände groß genug, jetzt darfst Du spielen“, hatte sein Lehrmeister gesagt.

Der junge Huppertz lernte schnell, denn er ist sehr musikalisch. Beruflich entschied er sich dennoch für einen anderen Weg und und studierte zunächst Physik. Über Bonn und München führte sein Weg nach Mammendorf, in dem der 55-Jährige lebt. Als er um die 40 gewesen sei, habe ihn „die Musik zurückgeholt“, sagt der 55-Jährige. Er fuhr seine Arbeit im Computerbereich zurück, begann ein berufsbegleitendes Studium, schloss es ab und wurde staatlich anerkannter Dirigent und Musiklehrer. Seitdem ist er glücklich.

In Schongau unterrichtet Huppertz seit Januar nun die 14-jährige Schülerin Laura Bartsch, im März kam eine zweite Schülerin dazu. Und er hat natürlich noch mehr Kapazitäten frei. Um das Instrument zu erlernen, sind laut Huppertz keine besonderen Vorkenntnisse notwendig. Wer sich ein Fagott anschaffen möchte, muss allerdings ein paar Euro mitbringen. Die Instrumente sind handgefertigt, Neuanschaffungen liegen im Minimum zwischen 5000 und 6000 Euro. Für den Unterricht in der Musikschule werden aber Leihinstrumente zur Verfügung gestellt, für die Jüngeren steht ein sogenanntes Fagottino bereit.

Für das Fagottino, das „nur“ 3000 Euro kostete, hat der kommissarische Musikschulleiter höchst selbst gesorgt: Marcus Graf feierte am 25. Februar seinen 50. Geburtstag. Statt um Geschenke hatte er um Spenden für das Instrument gebeten. 1600 Euro kamen so zusammen, beinahe den gleichen Betrag legte der Vorstand der Musikschule obendrauf. Das große Fagott schaffte laut Graf die Stadtkappelle an. Spielen wird es Laura Bartsch, die die Stadtkapelle bereits seit einem Jahr mit der Querflöte begleitet. Bei Bedarf greift sie künftig auch zum Fagott, zu dem auch sie ihre Liebe entdeckt hat.

Marcus Graf freut sich sehr, dass die Schule ihr Portfolio um ein weiteres Instrument erweitern konnte: „Bei uns gab es das Fagott im Unterricht bis jetzt noch nie, in der Region wird es etwas stiefmütterlich behandelt.“

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