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Mitgliederrückgang macht Sorgen

Veteranenvereine werben um Ungediente

Mit den Soldaten- und Veteranenvereinen im Schongauer Land geht es permanent abwärts – zumindest was die Mitgliederzahlen betrifft. Mit ein Grund ist zweifellos die Aufhebung der Wehrpflicht. Um dem Abwärtstrend entgegenzuwirken, gehen immer mehr Vereine dazu über, auch ungediente Kameraden in ihren Reihen aufzunehmen.

Schongau – „Nur so können wir uns vor dem Aussterben retten“, sagt Willi Gabel, Vorsitzender der Soldaten- und Veteranenkameradschaft Peiting. Dort ist bereits vor rund zehn Jahren die Satzung geändert worden, so dass auch Kameraden, die nicht bei der Bundeswehr gedient haben, als fördernde Mitglieder in den Verein aufgenommen werden können.

Von den rund 220 Mitgliedern der Peitinger Kameradschaft sind etwa 20 Ungediente, darunter auch die beiden Bürgermeister Michael Asam und Franz Seidel. Weibliche Mitglieder? Bisher Fehlanzeige in Peiting. „Wir würden sie mit Handkuss aufnehmen“, sagt Willi Gabel schmunzelnd.

Überhaupt müsse – so der Peitinger Vorstand – man froh sein, wenn sich noch Leute finden, die einem Soldaten- und Veteranenverein beitreten. An der Höhe des Mitgliederbeitrags kann es nicht scheitern. Der liegt in Peiting derzeit bei acht Euro pro Jahr. Allerdings steht bereits eine Erhöhung an. Ab 2018 gilt der neue Beitrag von jährlich zehn Euro.

In den Reihen des Schongauer Soldaten- und Veteranenvereins gibt es „Ungediente“ schon lange. „Das ist schon vor meiner Zeit eingeführt worden“, sagt Vorstand Kurt Büchler, der jetzt seit 14 Jahren an der Vereinsspitze steht. Die Mitgliederzahl in Schongau ist bereits unter 100 abgesunken. „Wir sind jetzt 92 Mitglieder“, verrät Büchler. Heuer seien vier Abgänge und nur ein Neuzugang zu verzeichnen gewesen – also ein Abwärtstrend.

In Schongau werden 13 Euro als Jahresbeitrag erhoben. Stirbt ein Mitglied, sind knapp 250 Euro fällig (für eine Nachrufanzeige in der Zeitung, für einen Kranz und die Musik bei der Beerdigung). Die vier Todesfälle kosteten den Verein heuer somit rund 1000 Euro.

Eines ist klar geregelt: „Die Vorstandschaft muss ihre Zustimmung erteilen, wenn es um die Aufnahme eines Ungedienten geht“, sagt Büchler. Das sei bei der Satzungsänderung vor rund 20 Jahren so festgelegt worden.

Ungediente Kameraden gibt es auch schon beim Soldaten- und Veteranenverein in Altenstadt (derzeit 144 Mitglieder). Im Wegfall der Wehrpflicht sieht Vorstand Walter Taubenberger die Hauptursache für die sinkenden Mitgliederzahlen. Deshalb habe sich der Verein auch für Ungediente geöffnet. „Wichtig ist, dass sie sich mit dem Vereinszweck identifizieren“, ergänzt Walter Taubenberger.

Beim Soldaten- und Veteranenverein Rottenbuch (125 Mitglieder) ist die Satzung vor rund fünf Jahren geändert worden, um Ungedienten den Beitritt zu ermöglichen. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht, bestätigt der Vorsitzende Martin Strobl. Rund zehn Neuzugänge konnten dadurch bisher gewonnen werden.

In Böbing steht am 18. November die Entscheidung an, ob Ungediente aufgenommen werden. Der Verein zählt aktuell 136 Mitglieder. „Darunter sind auch noch vier Kriegsteilnehmer mit über 90 Jahren“, sagt Vorstand Gerhard Hofauer. Wie er berichtet, befürworte die Vorstandschaft in Böbing die Aufnahme von Ungedienten. „Die Entscheidung liegt letztendlich aber bei den Mitgliedern“, fügt Hofauer hinzu. Die müssten bei der Hauptversammlung am Samstag, 18. November, einer Satzungsänderung zustimmen. Die neue Satzung in Böbing kann vorab bereits im Internet unter Böbing – Vereine – Veteranen und Reservisten eingesehen werden.

Der Jahresbeitrag von sechs Euro ist beim Böbinger Veteranen- und Reservistenverein relativ niedrig. Hinzu kommt: Mitglieder erhalten bei der Hauptversammlung kostenlos ein Essen und eine Mass Bier. „Das geht nur, weil der Verein durch Papiersammlungen eine zusätzliche Einnahmequelle hat“, verrät Gerhard Hofauer.

Michael Gretschmann

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