So eng ist derzeit der Weg an der Bahn entlang, wie dieser Mann demonstriert – und würde es auch bleiben. Bis zu einer Viertelmillion Euro für einen nicht barrierefreien Weg ist der Gemeinde zu teuer.
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So eng ist derzeit der Weg an der Bahn entlang, wie dieser Mann demonstriert – und würde es auch bleiben. Bis zu einer Viertelmillion Euro für einen nicht barrierefreien Weg ist der Gemeinde zu teuer.

Peiting Bahnhof Nord

Eine Viertelmillion Euro für 200 Meter nicht barrierefreien Trampelpfad

  • Elke Robert
    VonElke Robert
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Die Brücke am Bahnhof Nord in Peiting war schon immer eine ärgerliche Engstelle, dennoch wollte die Gemeinde Peiting den Weg erhalten. Nachdem nun aber für die 200 Meter bis zu eine Viertelmillion Euro fällig werden könnte, wird sich der Gemeinderat das am Dienstag noch einmal überlegen.

Schongau – „Fußweg Nordbahnhof Peiting zum Eiselenweg: Beendigung der Planung/Realisierung, Kündigung des Pachtvertrages mit der DB Netz AG hinsichtlich des Weges und der Fußgängereinhausung auf Bahngrund“: So liest sich ein Tagesordnungspunkt der nächsten öffentlichen Sitzung des Marktgemeinderates am morgigen Dienstag. Und dahinter verbirgt sich ein kleiner Sprengsatz.

Wie Bürgermeister Peter Ostenrieder am vergangenen Freitag auf Anfrage der Schongauer Nachrichten erläuterte, muss die Gemeinde Peiting nun handeln. „Wir werden uns von dem Weg verabschieden“, erklärte er ganz deutlich. Das ist auch bereits mit allen Fraktionen abgestimmt, braucht aber noch eine öffentliche Beschlussfassung.

Vor zwei Jahren war der Kostenvoranschlag noch deutlich geringer

Worum geht es? Bereits vor zwei Jahren hatte man sich darauf verständigt, dass man den rund 200 Meter langen Fußweg am Nordbahnhof zum Eiselenweg erhalten will – auch wenn dieser die Bezeichnung Weg eigentlich gar nicht verdient. Denn auch nach einer Herstellung durch die Marktgemeinde wäre dieser eng und alles andere als barrierefrei.

Bauchschmerzen hatte man schon immer, denn die Gemeinde darf zwar zahlen, aber der Grund gehört auch weiterhin der Deutschen Bahn. „Trotzdem hatte die Gemeinde entschieden, dass es uns das wert ist“, so Ostenrieder. Im November 2020 stand für die Maßnahme nach der Schilderung des Bürgermeisters ein Betrag zwischen 90 000 und 100 000 Euro im Raum.

Sachlage sieht nun ganz anders aus

Mittlerweile sieht die Sachlage ganz anders aus: Im Juni war sie wie geplant mit dem Ausbau der beiden Bahnhöfe Ost und Nord begonnen worden. Wie Ostenrieder auf Nachfrage zu dem Tagesordnungspunkt der Sitzung erklärte, hatte es offenbar im August eine Bodenbeprobung gegeben. Dabei stellte sich nun wohl heraus, dass das Erdreich am Bahndamm stark belastet ist und dass für die Wegsanierung deutlich tiefer ausgegraben werden müsste als bisher angenommen – was die Baumaßnahme natürlich auch wesentlich teurer macht.

Der Weg soll bis zu einer Viertelmillionen Euro kosten

Nach Ostenrieders Schilderung könnte sogar bis zu einer Viertelmillion Euro anfallen. Die Gemeinde habe zwar noch einmal nachgehakt, ob es nicht eine andere, günstigere Variante gebe, aber die fällt für Ostenrieder auf den ersten Blick ebenfalls durch: Der Weg darf wohl nicht asphaltiert werden, dennoch soll kein Wasser ins Erdreich eindringen. Der Bürgermeister befürchtet, dass durch die starke Verdichtung der Ablauf von Oberflächenwasser nicht gewährleistet wäre, so dass der Bürger auf dem unbefestigtem Weg bei Regen entweder im Wasser watet, oder im Winter schlimmstenfalls auf einer Eisbahn entlangschlittert. Kosten für die Marktgemeinde für diese etwas abgespeckte Lösung: rund 200 000 Euro.

Trotz Urlaubszeit mit den Fraktionen verständigt

„Wir haben uns trotz Urlaubszeit mit den Fraktionen verständigt und sind alle der Meinung: Wir ziehen uns zurück“, fasste Ostenrieder es zusammen. Und er wird noch deutlicher: „Es wäre Verschwendung von Steuergeldern, so viel Geld für einen verbesserten Trampelpfad auszugeben.“ Der Gemeinderat muss am Dienstag darüber abstimmen, die weitere Planung zu stoppen und den Pachtvertrag mit der Bahn für den Fußweg zu kündigen. Diskutiert werden soll nun darüber, ob man das Geld nicht besser in einen anderen Weg steckt: „Lieber einen Umweg über den Gumpen in Kauf nehmen, dafür ist das dann aber ein vernünftiger gemeindeeigener Weg.“

Sitzungstermine:

Der Marktgemeinderat Peiting tagt am morgigen Dienstag, 14. September, ab 19 Uhr in der Schloßberghalle in Peiting. Neben dem Fußweg am Nordbahnhof Peiting stehen weitere Punkte auf der Tagesordnung. So wird etwa Marcus Graf zu Gast sein und die Musikschule Pfaffenwinkel vorstellen. Zuvor findet ab 18.30 Uhr an gleicher Stelle eine öffentliche Bauausschuss-Sitzung statt.

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