Alles andere als einladend sieht derzeit die Kneippanlage an der Lechuferstraße aus. Sie soll heuer saniert und in einem zweiten Bauabschnitt ergänzt werden mit einem Pflanzbeet für Heilpflanzen.
+
Alles andere als einladend sieht derzeit die Kneippanlage an der Lechuferstraße aus. Sie soll heuer saniert und in einem zweiten Bauabschnitt ergänzt werden mit einem Pflanzbeet für Heilpflanzen.

Von Kneipp zum tropfenden Wasserhahn

Kneipp-Anlage wird erneuert - bei Diskussion um Kräuterbeet zeigt sich schwierige Gesprächskultur im Schongauer Stadtrat

  • Elke Robert
    vonElke Robert
    schließen

Die Schongauer Kneipp-Anlage soll ertüchtigt werden und ein Beet für Heilpflanzen bekommen. Wieder einmal zeigte sich, dass die Gesprächskultur im Stadtrat derzeit nicht ganz einfach ist.

Schongau – Die Erneuerung der Schongauer Kneipp-Anlage lässt Bettina Buresch (Grüne) nicht los. Zumindest brachte die Stadträtin in der ersten März-Sitzung das Thema aus der Februar-Sitzung noch einmal aufs Tapet. Speziell ging es ihr um das Kräuterbeet, das angelegt werden soll, wie Stadtbaumeister Sebastian Dietrich und Bauamtsmitarbeiter Martin Blockhaus in der Sitzung vorgestellt hatten. Die Befürchtung der Umweltreferentin schon in der damaligen Sitzung: Der Bereich rund um die Kneipp-Anlage in der Schongauer Lechuferstraße ist zu schattig und feucht für einen Kräutergarten mit Obstwiese. Die Grünen-Stadträtin wiederholte ihre Einwände noch einmal. „Ich habe auch mit dem Gartenbauamt gesprochen, das meine Befürchtungen teilt“, machte sie deutlich. Sie schlug einen Ortstermin vor, um gemeinsam zu besprechen, was dort umgesetzt werden könne. Schließlich gehe es auch darum, die Anlage dauerhaft zu erhalten. „Wir müssen das unterhalten und erst mal sehen, was dort machbar ist.“

Bürgermeister Falk Sluyterman bremste Bettina Buresch etwas ein. Sicherlich könne Stadtförster Klaus Thien auch in großer Runde vortragen, welche Pflanzen bei der Kneipp-Anlage gedeihen, aber die Absprache könne auch im Rahmen der laufenden Verwaltungstätigkeiten geschehen. Er fand das Einbinden von 24 Stadträten „übertrieben“, denn „irgendwann unterhalten wir uns hier sonst wirklich über tropfende Wasserhähne“. Natürlich werde man sie, Bettina Buresch, als Umweltreferentin gerne mit dazuholen.

Kneipp-Anlage in Schongau wird saniert: Diskussion um geplantes Kräuterbeet

Stadtbaumeister Dietrich machte darauf aufmerksam, dass das Kräuterbeet, wie vorgestellt, auch erst im zweiten Bauabschnitt kommen solle. Vorgesehen ist ein Pflanzbeet mit Heilpflanzen. „Hier wird viel zu kompliziert gedacht“, äußerte sich dann auch Marianne Porsche-Rohrer, die als Apothekerin und Kräuterexpertin in die Vorbereitungen mit einbezogen war und gemeinsam mit dem städtischen Bauamt auch die Förderunterlagen ausgearbeitet hatte. Von den rund 50 000 Euro an Kosten werden im Rahmen eines Sonderprogramms des Freistaates anlässlich des 200. Geburtstags von Sebastian Kneipp immerhin 18 000 Euro übernommen.

„Ganz viele Pflanzen haben keinerlei Ansprüche an Bodenverhältnisse“, erläuterte Porsche-Rohrer weiter, „es handelt sich ja hier nicht um Exoten“. Heilpflanzen seien nichts Kompliziertes, „es gibt so viel, was bei uns wächst und gebräuchlich und nützlich ist, da muss man keine Purzelbäume schlagen.“ Porsche-Rohrer nannte unter anderem verschiedene sogenannte „Unkräuter“ wie Spitzwegerich und Holunder.

Bürgermeister Sluyterman versprach, die Umweltreferentin demnächst auch bei einem Termin mit dem Wasserwirtschaftsamt dazuzuholen, wenn es nämlich um das gewünschte Freischneiden von Sichtachsen zum Lech im Bereich der Lechuferstraße geht.

Schongaus Geschäftsleiterin rechnet vor, was „Frage des Monats“ kostet

Fragen im Stadtrat zu stellen oder über Themen zu diskutiert, scheint in jüngster Zeit recht schwierig zu sein. Mit den „tropfenden Wasserhähnen“ hatte Sluyterman auf einen gleichlautenden älteren Redebeitrag von Hans Rehbehn angespielt. Wie berichtet, war der CSU-Stadtrat in einer Stadtratssitzung wegen angeblich vieler Fragen vom Bürgermeister gerügt worden. Auch war Rehbehns formlose Anfrage zur Wahlbetrugsanzeige an die Verwaltung als „Frage an den Stadtrat“ auf die Tagesordnung gesetzt worden, wogegen sich Rehbehn verbal gewehrt hatte. Michael Eberle (CSU) wiederum, der die Wahl angefochten hatte und seinerseits regelmäßig eine „Frage des Monats“ zu unterschiedlichsten aktuellen Themen formulierte, war darauf hingewiesen worden, dass er die Verwaltung beschäftige.

Geschäftsleiterin Bettina Schade hatte sich tatsächlich die Mühe gemacht und listete in der darauffolgenden Sitzung einmal auf, was die Verwaltung denn so eine „Frage des Monats“ koste: Vier bis fünf Arbeitsstunden, davon zwei bis drei vom Sekretariat und zwei Stunden von ihr. Unterm Strich kam Schade auf „rund 400 Euro“. Eberle hatte zuletzt wissen wollen, wie die Stadt Schongau vom Personal her ausgestattet ist, und ob man den Personalstand mit Städten ähnlicher Größe vergleichen kann.

Schongau-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Schongau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Schongau – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare