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Seine königliche Hoheit zu Besuch beim Bayernbund: (v.l.) Kreisvorsitzender Ludwig Bertl, Prinz Luitpold von Bayern und der stellvertretende Kreischef Luitpold Braun.

Vortrag beim Bayernbund

Revolution aus Sicht der Herrscher

Im Schongauer Ballenhaus wurde die bayerische Revolution von 1918 wieder lebendig. Der Bayernbund lud zum blaublütigen Vortrag.

Schongau – Die Revolution von 1918 jährt sich heuer am 7./8. November zum 100. Mal. Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold von Bayern berichtet darüber auf Einladung des Bayernbund-Kreisverbands Weilheim-Schongau/Garmisch-Partenkirchen in Schongau – aus der Sicht des bayerischen Herrscherhauses. Gut 100 Besucher im Ballenhaus waren begeistert.„Manche Menschen machen die Welt wunderbar, wenn sie nur da sind“, sagte der Bayernbund-Kreisvorsitzende Ludwig Bertl und fügte an: „Die Wittelsbacher haben großen Anteil am Mythos Bayern.“ Irmgard Braun sang für seine königliche Hoheit die offizielle Bayerische Königshymne „Heil unserm König. Heil!“ Unter den rund 100 Gäste im Ballenhaus waren auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß, die Geistlichkeit mit Gottfried Fellner, Hans Fries und Hartwig Obermüller sowie Bezirksrätin Dr. Alexandra Bertl, der ehemalige MdL, Johann Neumeyer und Schongaus Ehrenbürger Fritz Holzhey.

Vor 100 Jahren hatte Kurt Eisner die Republik Bayern ausgerufen und den König für abgesetzt erklärt. Obwohl er dazu keine andere Legitimation hatte als die Straße. „Es war die Zeit, in der Prinzregent Ludwig III eine schwere Erbschaft angetreten hatte“, sagte Prinz Luitpold. Der Prinzregent sei sehr sozial gewesen und habe sehr schnell erkannt, dass der Erste Weltkrieg nicht gewonnen werden könne. Nur, beim Kaiser sei dies nicht durchsetzbar gewesen. „Es herrschten unglaubliche Missstände.“ Die von der bayerischen Armee nicht beseitigt werden konnten, weil sie zu dieser Zeit noch in Frankreich kämpfte.

Aus dieser Situation heraus ist die Revolution entstanden – vorn ein geordneter Zug, hinten eine Bande von Randalierern. Die lediglich sagte, „wir sind die Neuen“. Schlimm für Prinz Luitpold, dass in dieser Situation die Beamtenschaft nichts gesagt habe und die Lethargie der Bürger erstaunlich gewesen sei. Die konstituierende Monarchie ist der Diktatur gewichen. „Es war eine kleine Elite, die für sich das Recht in Anspruch nahm, eine Diktatur zu schaffen.“ In dieser Zeit hatte sich Kronprinz Ruprecht Hals über Kopf nach Berchtesgaden abgesetzt. Zuvor hatte er die Bayerische Beamtenschaft vom Amtseid entbunden. Im Zweiten Weltkrieg hätten noch etliche Angehörige des Königshauses bei der Armee gedient, seien aber alsbald „als dienstunwürdig“ entlassen worden. Die Familie von Kronprinz Ruprecht ist nach Italien emigriert und hat komplett den Krieg überlebt.

Einen kleinen Abstecher in die neuere Zeit machte Prinz Luitpold mit einer Bemerkung auf die gewählten Abgeordneten: „Eine Art Kaste, von denen nicht viele im Arbeitsleben waren. Nöte von Arbeitern und Freiberuflern sind denen verloren gegangen.“ Er bedauerte, dass es nur eine ganz kleine Schicht ist, „die sagt, wo es lang geht“.

Zur Rolle der königlichen Familie meinte der Prinz kurz und bündig: „Sie kümmert sich um die Tagespolitik und um wohltätige Einrichtungen.“ Mit dem von Irmgard Braun gesungenen Revolutionslied, getextet von Ferdl Weiß, klang der Vortrag aus.

Walter Kindlmann

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