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Friedhofsschänder zerstört wahllos hunderte Gräber - Entsetzen bei den Angehörigen

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Von: Elke Robert

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Sind entsetzt: Marion Ringelsbacher und Charlotte Schaupp räumen am Grab von Tochter, Nichte und Eltern auf.
Sind entsetzt: Marion Ringelsbacher und Charlotte Schaupp räumen am Grab von Tochter, Nichte und Eltern auf. © Elke Robert

Selbst vor der letzten Ruhestätte von Kindern schreckte der Täter nicht zurück: Bis zu 150 Gräber auf dem Schongauer Waldfriedhof wurden beschädigt. Die Polizei hat einen Verdacht.

Schongau – Leere Grableuchten, herausgerissene Blumenstöcke, abgebrochene Verzierungen – vor allem Engel mussten unter dem Friedhofsschänder leiden. Sie liegen mit abgeschlagenen Flügeln und Köpfen neben den Gräbern. Der Täter ist – scheinbar ohne Ziel – quer durch den Schongauer Waldfriedhof gewütet. Bei Urnengräbern hebelte er die im Boden liegenden Abdeckplatten weg. Grabschmuck wurde entweder neben die Gräber auf den Weg oder in die Hecke geworfen.

Wir sind absolut fassungslos.

Bettina Schade, Stadt Schongau

„Wir sind absolut fassungslos“. Das ist der erste Satz von Bettina Schade. Die geschäftsleitende Beamtin und Daniel Felsmann von der Schongauer Friedhofsverwaltung, hatten sich am Mittwoch selbst von den Schäden überzeugt. Auf den ersten Blick sind diese nicht sehr groß – wenn man es rein im materiellen Sinne betrachtet. Aber es hat sich jemand an vielen letzten Ruhestätten zu schaffen gemacht, einen Ort der Erinnerung zerstört, schlicht und einfach die Totenruhe gestört.

Gräber-Schändung in Schongau: Auch vor Kindergräbern macht er nicht halt

„Der Friedhof ist für viele, die einen lieben Menschen verloren haben, ein Ort des Abschieds, der letzte Ruheort der bleibt“, so Schade. Die Trauernden würden oft viel Zeit damit verbringen, das Grab herzurichten. Irgendjemand schreckte dennoch nicht davor zurück und machte sich in voller Absicht an den Gräbern zu schaffen.

Auch Gräbern von Kindern. Und den Ruhestätten der stillgeborenen Kinder. Es sei schwer einzuschätzen, was dahinterstecke, so Schade. Einige Gräber seien stark betroffen, andere gar nicht. Gezielte Angriffe etwa auf eine Familie oder eine Personengruppe gebe es offenbar nicht, auch nicht auf eine bestimmte Reihe. „Das ist völlig wahllos, ein System ist nicht erkennbar“, so Schade.

Die Abdeckungen von Urnengräbern am Waldfriedhof wurden weggehoben oder umgedreht.
Die Abdeckungen von Urnengräbern am Waldfriedhof wurden weggehoben oder umgedreht. © Hans-Helmut Herold

„Ich habe die ganze Nacht geweint“ - Angehörige sind entsetzt über Grabschändungen

„Das ist so entsetzlich. Was geht in diesem Menschen vor?“ Das fragt sich Matthias Ringelsbacher, der zum Grab einer Zweijährigen führt. Kein Engel ist mehr an seinem Platz. Wie auch am Grab seiner Tochter Diana, die mit 27 Jahren bei einem Autounfall starb. „Nicht mal die Toten haben ihre Ruhe“, sagt er, und weiß gar nicht, wie er alles in Worte fassen soll. „Ich habe die ganze Nacht geweint“, sagt seine Frau Marion. „Warum muss man das auch noch aushalten.“ Matthias Ringelsbacher kann das alles nicht begreifen. Für ihn ist „ein Herzensschaden“ entstanden. Zum Aufräumen sind auch Schwester und Schwager von Matthias Ringelsbacher gekommen, Charlotte und Peter Schaupp. Diana liegt im Grab der Großeltern.

Das Grab einer Zweijährigen hat der Unbekannte leergefegt, der gesamte Schmuck liegt neben der Grabstätte.
Das Grab einer Zweijährigen hat der Unbekannte leergefegt, der gesamte Schmuck liegt neben der Grabstätte. © Hans-Helmut Herold

Die Eheleute Ringelsbacher waren es auch, die am Dienstagabend die Polizei alarmierten. Jeden Tag kommen sie ans Grab ihrer Tochter, am Montag war noch alles in Ordnung, als sie tags darauf am späten Nachmittag wiederkehrten, alles kaputt. „Im Namen meiner ganzen Familie lobe ich 1500 Euro Belohnung aus, damit der Täter gefunden wird“, betont Matthias Ringelsbacher. Seine Frau hofft, dass sich durch den Anreiz des Geldes vielleicht Zeugen bei der Polizei melden.

Störung der Totenruhe: Polizei Schongau ermittelt - ähnlicher Fall in Peißenberg

Die Polizei Schongau ermittelt bereits gegen Unbekannt wegen Störung der Totenruhe, was am Waldfriedhof passiert ist, bezeichnet Polizeichef Herbert Kieweg als „groben Unfug“. Es gibt offenbar Parallelen zu einem ähnlichen Fall am Peißenberger Friedhof St. Johann. Dort war eine 53-jährige Frau beobachtet worden, wie sie Blumen, Kreuze und anderen Grabschmuck von den Grabstätten herunternahm und auf anderen Gräbern verteilte. „Ob die Frau auch für die Geschehnisse auf dem Waldfriedhof in Schongau verantwortlich ist, bedarf noch weiterer Ermittlungen“ so Kieweg. Geschädigte Grabbesitzer und Zeugen sollen sich bitte melden.

Vor allem Engel mussten unter dem Friedhofsschänder leiden. Sie liegen mit abgeschlagenen Flügeln und Köpfen neben den Gräbern.
Vor allem Engel mussten unter dem Friedhofsschänder leiden. Sie liegen mit abgeschlagenen Flügeln und Köpfen neben den Gräbern. © Hans-Helmut Herold

Auch bei der Stadt Schongau werden Hinweise entgegengenommen, die dann an die Polizei weitergeleitet werden. Man geht davon aus, dass die Schäden im Laufe des Dienstags entstanden sind. Nach den Beobachtungen der Ringelsbachers sei auch die Nacht auf Dienstag möglich. Abgesperrt wird der Friedhof in der Regel nicht. „Und darüber sind wir auch sehr froh“, so Matthias Ringelsbacher. So sei der Besuch am Grab auch mal abends möglich.

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