1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Schongau

Filme zum Thema Heimat: Wanderkino „Bewegliche Bilder“ zieht durchs Schongauer Land

Erstellt:

Kommentare

Das ist Wanderkino: In Kinsau am Sportgelände sah das Kinopublikum den Film „Ape Maria“.
Das ist Wanderkino: In Kinsau am Sportgelände sah das Kinopublikum den Film „Ape Maria“. © Manuela Schmid

Was bedeutet Heimat? Dieser Frage wollen sich Theresa Zwerschke und Elisa Schmitt in ihrem Wanderkino „Bewegliche Bilder“ nähern. Mit jedem Film beleuchten sie den Heimatbegriff aus einem anderen Blickwinkel.

Landkreis – Drei Wochenenden, sechs Spielstätten: Das Wanderkino „Bewegliche Bilder“ bringt pünktlich zur Urlaubszeit reichlich Filmkultur in die Region. Immer der Frage nachgehend, was Heimat bedeutet, kramen die 28-jährigen Kinomacherinnen Theresa Zwerschke und Elisa Schmitt Filme aus fünf Jahrzehnten hervor. Mal gehen sie dabei zurück bis zu Werner Herzogs „Herz aus Glas“ in das Jahr 1976, mal lassen sie einen zeitgenössischen Spielfilm über die Leinwand flimmern.

„Wir haben uns gefragt: Was macht einen Film zum Heimatfilm“, erklärt Theresa Zwerschke bei einer der Vorstellungen, die in Kinsau am Sportplatz stattfand. Bayerische Heimatfilme spielten ja oft vor einer grandiosen Alpenkulisse. „Aber was macht Heimat noch aus?“

Wanderkino zieht durch Schongauer Land und zeigt Filme zum Thema „Heimat“

Am vergangenen Samstag haben die Veranstalterinnen Leinwand und Beamer auf dem Kinsauer Sportplatz aufgebaut. Mit dröhnendem Motorengeräusch begann dort der Film „Ape Maria“. Eine Ape, ein dreirädriges Kultfahrzeug aus Italien mit Fahrerkabine, rattert durch die schneebedeckte Südtiroler Landschaft am Rande der Dolomiten.

Die Ape ist für den Jugendlichen Andreas ein Gefühl von Heimat: Sie ist sein alltägliches Fortbewegungsmittel, er fährt damit in die Kneipe, um sich mit Freunden zu treffen und Billard zu spielen. Oder in die Baumhütte, die mitten in den Bergen im Wald liegt. Um sein Gefährt in Schuss zu halten, schraubt er mit seinem Freund ununterbrochen an seiner Ape herum.

Die Macherinnen: Theresa Zwerschke (links) und Elisa Schmitt sind mit dem Wanderkino im Schongauer Land unterwegs.
Die Macherinnen: Theresa Zwerschke (links) und Elisa Schmitt sind mit dem Wanderkino im Schongauer Land unterwegs. © Manuela Schmid

Der Film von Greta Mentzel ist ein Heimatfilm der etwas anderen Art: Hier steht nicht die schöne Bergkulisse im Vordergrund, und es gibt auch keine dramatische Handlung. Vielmehr wird das alltägliche Leben von zwei Südtiroler Burschen gezeigt: Wie sie ihre Freizeit verbringen, wie sie die Nächte durchmachen, oder wie sie mit der Ape eine ganze Tür in den Wald transportieren, um sie dann in ihre Baumhütte hochzuhieven.

Und immer wieder ist das Dröhnen der Ape zu hören – das Gefährt ist für Andreas fast so etwas wie sein Heiligtum. Die Ape, das Dorf in den Bergen, die Billardkneipe: Das alles ist für Andreas wohl das, was man Heimat nennen kann.

Kinoabend in Kinsau musste wegen Regen abgebrochen werden - Filme werden nachgeholt

Der nächste Film, „The Village“, der in Kinsau noch anlief, führte das Kinopublikum in ein türkisches Dorf. Wieder ein ganz anderes Stück Heimat. Doch viel war von diesem Kurzfilm leider nicht zu sehen: Ein Platzregen setzte der Open-Air-Vorstellung ein plötzliches Ende. Die Filme, die in Kinsau dadurch nicht mehr zu sehen waren, sollen nun stattdessen bei der letzten Vorstellung am 13. August im Kulturzentrum in Schwabniederhofen gezeigt werden.

(Unser Schongau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

„Eigentlich wollten wir da die Kurzfilme zeigen, die im Workshop entstanden wären“, sagt Zwerschke und erzählt von dem Workshop, in dem Jugendliche ihren eigenen Film hätten drehen und schneiden können. Weil sich nicht genügend Teilnehmer angemeldet hatten, konnte der Kurs allerdings nicht stattfinden.

Filme beleuchten Heimatbegriff aus verschiedenen Perspektiven

Die Filme im Wanderkino werfen Fragen auf wie: „Was genau ist eigentlich Heimat?“, „Wie wird Heimat in den betrachteten Filmen definiert und welches Bild wird damit gezeichnet?“ Aber auch: „Wer wird mit den Filmen repräsentiert, wer wird dabei ausgeschlossen – und welche Zukunft von Heimat kann dadurch womöglich erprobt werden?“

Schmitt und Zwerschke, aufgewachsen in Schwabniederhofen und Birkland, leben heute in Berlin. Schmitt arbeitet als Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin und ist zur Zeit Studentin im Fachbereich „Kulturen des Kuratorischen“ an der Kunsthochschule Leipzig. Zwerschke arbeitet als freie Künstlerin und Kunstpädagogin.

„Wollen mit Wanderkino etwas zur Kulturszene der Region beitragen“

„Weil wir durch unser Aufwachsen im Schongauer Land eine starke Verbindung zu der Gegend haben, wollen wir gerne mit unserem Wanderkino etwas zur Kulturszene der Region beitragen“, erklären die beiden. Weil das Kulturprojekt vom Kulturamt Weilheim-Schongau und dem Fonds Soziokultur der Bundesregierung unterstützt wird, ist der Eintritt kostenlos.

Die Kinoabende sollen die Zuschauer auch zum Diskurs anregen. Gesprochen wird teils mit den Filmemachern selbst, etwa über Hintergründe zum Film. Und natürlich über eigene Definitionen von Heimat. „Die Filme treten ja bei jedem eigene Gedanken los“, sagt Zwerschke. „Da hatten wir schon interessante Gespräche.“ Von Manuela Schmid und Theresa Kuchler

Spielplan des Wanderkinos

kommt am Donnerstag, 4. August, um 21 Uhr nach Birkland in das Gasthaus Zum Neuwirt („Apachen über Ansbach“; „Das Ei ist eine geschissene Gottesgabe“) und am 5. August um 21 Uhr auf den Schulhof in Altenstadt („Neubau“). Am 12. August spielt das Kino um 21 Uhr im Atelier Graficum in Peiting („Echo“;„Herz aus Glas“). Der letzte Vorstellungs-Abend ist am 13. August um 20 Uhr im Kulturzentrum in Schwabniederhofen (verschiedene Kurzfilme).

Alle News und Geschichten aus Schongau sind auf unserer Facebook-Seite zu finden.

Auch interessant

Kommentare