warum IG metall in Schongau nicht gestreikt hat

„Die haben sich einfach rausgeschlichen“

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Schongau - Der Tarifstreit in der Metallindustrie ist vorbei, es gibt 4,8 Prozent mehr Lohn. Die Gewerkschaft hatte auch in der Region gestreikt, zum Beispiel am Mittwoch erneut bei der Firma Zarges in Weilheim und am Donnerstag bei Aerotech in Peißenberg. Von Streikweste und Trillerpfeife war dagegen in der Region Schongau wenig zu sehen oder zu hören. Warum?

Einige Schongauer Betriebe wie Gustav Klein oder Beluk sind zwar Vollmitglied im Arbeitgeberverband, mit dem die Gewerkschaft verhandelte, aber von der Anzahl der Beschäftigten nicht so groß und gewichtig, als dass ein Streik eine besondere Außenwirkung haben könne, erläutert Daniela Fischer, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Weilheim. Daher erging von der IG Metall auch an diese Beschäftigten kein Streikaufruf.

Zwar möchte Fischer keinerlei Zahlen nennen, aber große Betriebe im Raum Schongau haben entweder gar keinen Tarifvertrag mehr wie die Hirschvogel Automotive Group mit Hauptsitz in Denklingen und Werk in Schongau. Oder aber die Betriebe haben einen Anerkennungstarifvertrag wie die Firma Hoerbiger.

Hirschvogel hat keinen Tarifvertrag mehr,  Hoerbiger einen Anerkennungstarifvertrag

Auch wenn Hoerbiger nicht Mitglied im Arbeitgeberverband ist: „Alles, was Gewerkschaft und Arbeitgeberverband für den Flächentarifvertrag aushandeln, wird bei Hoerbiger 1:1 übernommen“, so Fischer. Es bestehe daher überhaupt keine Voraussetzung für einen Streik, da der Arbeitgeber sich ja dazu verpflichtet habe, alles aus dem Tarifvertrag umzusetzen, im Gegenteil unterliege man einem Friedensvertrag.

„Die Entgelte sind geregelt und gesichert“, bestätigt Herbert Baumer, stellvertretender Konzernbetriebsrat bei Hoerbiger, „wobei dieser Anerkennungstarifvertrag natürlich immer eine Kompromisslösung ist, sonst würde der Arbeitgeber ja im Tarifvertrag bleiben.“ Auch wenn die Bedingungen aus Gehalts- und Manteltarifverträgen der IG Metall übernommen würden, gelte dies nicht für einzelne, neu verhandelte Tarifverträge. Die jetzigen Tarifverhandlungen waren eine reine Lohnrunde, aber für die rund 2030 Beschäftigten der Hoerbiger-Gesellschaften, für die der Konzernbetriebsrat zuständig ist, inklusive der 1500 aus dem Raum Schongau, habe sich beispielsweise bei den vergangenen Tarifverhandlungen durchaus eine Verschlechterung ergeben. Baumer zählt Neuerungen im Bereich Qualifizierungsmaßnahmen und Altersteilzeit auf. Für letztere gebe es aber bei Hoerbiger zumindest eine Betriebsvereinbarung. Die Tarifflucht der Betriebe im Raum Schongau bezeichnet Baumer als „zum Teil erschreckend. Die haben sich einfach rausgeschlichen.“ Dabei sei man doch momentan in einer „profitablen Situation“.

Unterstützung aus Schongau hatten etwa die streikenden Kollegen von Aerotech dennoch. Denn die IG Metall hatte einen Bus angeboten, der vor den Werkstoren der Firma Hoerbiger wartete, um Arbeitnehmer – in ihrer Freizeit wohlgemerkt – nach Peißenberg zu bringen. Grundsätzlich sei die Beteiligung sehr groß gewesen, so Daniela Fischer. „Die Streikbereitschaft war so gut, weil so wenig angeboten wurde – das erzürnte die Leute einfach“, sagt die IG Metall-Bevollmächtigte. „In vielen Betrieben im Oberland ist gut zu tun, die Leute machen regelmäßig Überstunden. Es werden Gewinne gemacht – und trotzdem sind die Angebote der Arbeitgeber so mickrig.“ Letztlich liegt das Ergebnis aber nicht weit weg von den geforderten fünf Prozent – die Warnstreiks haben sich also gelohnt.

Rubriklistenbild: © dpa

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