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Kein Swimmingpool, sondern Schongaus Trinkwasser-Reservoir: Wassermeister Bernd Sedlmeier auf der Treppe im Hochbehälter in Schwabsoi en, der zu den größten im Landkreis zählt.

Das Wasser im Schongauer Land 

Kühles Nass in Top-Qualität

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Nitratbelastungen sind im Schongauer Land zum Glück kein Thema. Das Trinkwasser wird getrunken, wie es aus der Tiefe kommt. Für die Reinheit bürgen die Stadtwerke und ihr Wassermeister Bernd Sedlmeier, der obendrein von einem schier unerschöpflichen Vorrat spricht: „Wir haben Wasser im Überfluss.“ Und auch ein zweites Standbein.

Schwabsoien/Schongau– Auf dem Weg von Schwabsoien nach Sachsenried zweigt die schmale Straße scharf rechts ab und und führt steil einen kleinen Berg hinauf. Oben steht ein kleines eingezäuntes Häuschen. Es wirkt sehr unscheinbar. Und das ist nach Angaben von Wassermeister Bernd Sedlmeierauch so gewollt. Nicht jeder muss sofort wissen, dass unter dem Haus ein mächtiges unterirdisches Bauwerk schlummert, das große Teile des Schongauer Lands mit Wasser versorgt: Der Hochbehälter der Stadtwerke zählt mit seinem Fassungsvermögen von 4000 Kubikmetern zu den größten im Landkreis.

Sedlmeier schließt die Tür auf und bittet seinen Besuch herein. Würde ein Fremder in den Hochbehälter eindringen, wird ein stiller Alarm ausgelöst. Im Inneren fällt der Blick zunächst auf eine Schautafel an der Wand. Sie zeigt das weit verzweigte Wassernetz der Stadtwerke: Verbindungen, Übergabepunkte und die größten Abnehmer. Am „durstigsten“ ist die Firma Hochland: Rund 35 000 Kubikmeter verbraucht das Unternehmen laut Sedlmeier jeden Monat. Insgesamt sind es bis zu 129 000 Kubikmeter, die jeden Monat vom Hochbehälter aus durch das Rohrnetz fließen und von den Verbrauchern abgenommen werden.

Diese Menge ist nach den Worten des Wassermeisters überhaupt kein Problem, denn „wir haben Wasser im Überfluss“. In Schwabsoien können demnach jeden Tag 4300 Kubikmeter Wasser aus den zwei Schongauer Brunnen gepumpt werden. Es kommt aus Tiefen von 42 und 38 Meter. 64 Liter pro Sekunde sprudeln in den Hochbehälter.

Auch die Schwabsoier leiten ihr Wasser aus einem dritten Brunnen in den Schongauer Behälter. Die Gemeinde kauft den Stadtwerken die gleiche Menge wieder ab, so kommen die Schwabsoier in den Genuss eines sehr günstigen Preises von 38 Cent netto pro Kubikmeter. Zum Vergleich: Die Schongauer Bürger zahlen 92 Cent plus Mehrwertsteuer.

Der Laie stellt sich allerdings die Frage, warum die Schwabsoier überhaupt etwas bezahlen müssen? Schließlich sind doch auch die Schongauer Brunnen auf ihrem Gemeindegrund?! Die Antwort des Wassermeisters überrascht: „Trinkwasser gehört der Allgemeinheit, egal wo man es findet“, erklärt Sedlmeier. Das Wasser unter Schwabsoien gehört also den Schongauern, weil sie es in den 1990er Jahren entdeckt hatten. Sie durften die beiden Brunnen bohren, den Hochbehälter bauen und alles ihr Eigen nennen.

Und das machen sie derzeit bekanntlich sogar ein zweites Mal: Als zweites Standbein für die Wasserversorgung dienen Schongau in Zukunft drei weitere Brunnen im Heiliggeist-Wald auf Denklinger Flur. Auch dort waren die Stadtwerke auf der Suche nach Wasser fündig geworden. Und das buchstäblich in letzter Sekunde: „Erst bei der neunten von zehn Bohrungen waren wir erfolgreich“, erinnert sich der Wassermeister. Und die demnächst mögliche Fördermenge in Denklingen übersteigt mit 70 Litern pro Sekunde sogar noch die in Schwabsoien. Die Gemeinden Denklingen, Kinsau und Hohenfurch können problemlos mit angeschlossen werden und haben so alle ebenfalls ein zweites Standbein, das der Freistaat bei allen bayerischen Kommunen anmahnt. Schongau hat derweil sogar ein drittes: Der Brunnen in Kreut (Gemeinde) Peiting gehört ebenfalls den Lechstädtern. Die 900 Kubikmeter Wasser, die täglich durch eine Rohrverbindung unter dem Lech nach Schongau fließen, würden als Notversorgung für die gesamte Stadt aber nicht ausreichen.

Eines haben alle Brunnen gemein, ihr Wasser ist von hoher Qualität: „Wir haben Gott sei dank kein Problem mit Nitrat“, sagt Sedlmeier. Das ist bekanntlich in Deutschland nicht überall der Fall. Der Europäische Gerichtshof hat die Bundesrepublik im Juni dieses Jahres sogar verurteilt, weil die von Düngung verursachte Nitratbelastung im Grundwasser zu hoch ist.

Im Durchschnitt überschritten 28 Prozent der Messstationen inzwischen den Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter Wasser. Zum Vergleich: „Wir haben einen Wert von 9 bis 11 Milligramm“, betont der Wassermeister der Schongauer Stadtwerke. Das Wasser sei absolut rein und unbehandelt, versichert Sedlmeier. „Die Qualität ist besser als so manches Mineralwasser im Supermarkt.“ Und es werde streng kontrolliert. 24 Mal pro Jahr werden im gesamten Verteilernetz Proben genommen. Beanstandungen gab es laut Sedlmeier noch nie.

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