Ab heute darf in den höheren Klassen nur noch die Hälfte der Schüler in die Klasse. dpa
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Ab heute darf in den höheren Klassen nur noch die Hälfte der Schüler in die Klasse.

Bei Schulleitern nachgefragt

Wechsel-Unterricht im Landkreis Weilheim-Schongau als enormer Kraftakt

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Heute startet an den Schulen im Landkreis ab den 8. Klassen (mit Ausnahme der Abschlussjahrgänge) der Unterricht im Wechsel-Modell. Wir haben bei den Rektoren nachgefragt.

Landkreis – „Wir sind digital gut versorgt“, erklärt Schongaus Realschulleiter Armin Eder. Ab dem heutigen Mittwoch werden bei ihm die achten und neunten Klassen im Wechsel-Modell unterrichtet. In Zeiten der Krise freut man sich manchmal schon über kleine Dinge – so wie Eder über den täglichen Wechsel zwischen Unterricht und Home-Schooling. So sei der wöchentliche Wechsel-Unterricht nach Pfingsten eine „Katastrophe“ gewesen. „Für die Schüler war das wie Ferien. Jetzt haben sie eigentlich wenig Leerlauf.“

Unterricht vom Klassenzimmer auf den Laptop zu Hause gestreamt wird an der Realschule Schongau nicht. Das liegt vor allem am fehlenden Netz. Und auch datenschutzrechtlich ist die Angelegenheit nicht ganz so einfach. Stattdessen halten die Lehrer für die Hälfte der Klasse Frontal-Unterricht, während die andere Hälfte zu Hause Aufgaben erledigt, die es am Vortag mitgegeben hat. Auch Lern-Videos aus dem Internet, aber auch von den Lehrern selbst gestaltete Videos stehen auf dem Programm. Für die Lehrkräfte ein enormer Kraftakt, bestätigt Eder.

Wechselunterricht im Landkreis Weilheim-Schongau: Schüler sind technisch gut versorgt

Technisch seien alle Schüler versorgt, versichert der Schulleiter, unter anderem auch mit den Leih-Geräten, die der Landkreis an den Schulen ausgegeben hat. Alleine: Damit ist die Kuh noch nicht vom Eis. Was ist mit Familien, in denen mehrere Kinder vom Home-Schooling betroffen sind? „Wenn alle drei gleichzeitig streamen sollen: Da bräuchte die Familie drei Geräte und ein Wahnsinns-Internet.“

Nicht nur deshalb verweist Eder darauf, wie wichtig der Präsenz-Unterricht am Ende doch sei. Schließlich musste er in diesem Schuljahr feststellen, welche großen Lücken der monatelange Wochen-Wechsel bei den Schülern hinterlassen hat.

Wechselunterricht im Landkreis Weilheim-Schongau: Herausforderung für Schüler und Lehrer

An der Mittelschule Peißenberg sind vier achte Klassen vom Wechsel-Unterricht betroffen. Auch Rektorin Susanne Coldwell favorisiert den täglichen Wechsel. Die Distanz, sagt sie, sei dann nicht ganz so groß. Über das Programm „Teams“ könnten Schüler von zu Hause aus akkustisch und optisch ins Klassenzimmer hinzugeschaltet werden – theoretisch. Denn das Ganze sei „eine technische Herausforderung. Es ist aufwändig und bringt eigentlich nicht so viel.“

Das Konzept hier: Im Präsenz-Unterricht wird der neue Stoff vermittelt, der dann am nächsten Tag zu Hause vertieft wird. Täglich gibt es eine Video-Sprechstunde mit dem Lehrer nach dem Unterricht. Eine Herausforderung für Lehrer und Schüler: „Wir sind nervlich am Anschlag. Man weiß ja nie: Was kommt als nächstes?“, fragt Coldwell. Besonders schwierig sei die Situation auch für die Schüler mit Deutsch als zweite Sprache. Hier arbeitet man in Peißenberg noch daran, wie man diese besonders zu betreuenden Kinder trotzdem im Unterricht lassen kann.

Wechselunterricht im Landkreis Weilheim-Schongau: Viel Ungewissheit

Besonders betroffen vom Unterricht im Wechsel-Modell sind die Gymnasien – hier trifft es die Jahrgangsstufen acht, neun, zehn und elf. Und weil hier das Fachlehrer-Prinzip gilt, heißt das für die Lehrer: In der ersten Stunde haben sie vielleicht eine ganze Klasse, in der zweiten eine Home-Schooling-Klasse und in der dritten vielleicht eine Klasse mit einem Schüler in Quarantäne, der auch extra versorgt werden muss. „Für uns ist das sehr schwierig. Die Lehrer und auch die Eltern leben mit sehr viel Ungewissheit.“, sagt Rektorin Beate Sitek.

Unterricht streamen aus dem Klassenzimmer: Auch am Gymnasium Weilheim ist das nicht geplant. Es fehlt schlichtweg an der technischen Ausstattung. „Unser Netzwerk ist begrenzt.“ Zeitweise könne vielleicht das ein oder andere mal Unterricht gestreamt werden. Mehr gibt das Netz dann aber auch nicht her.

Auch hier gilt: Im Präsenz-Unterricht wird neuer Stoff vermittelt, zu Hause dann am nächsten Tag geübt. Die Aufgaben bekommen die Schüler über das Programm „Next Cloud“ eingestellt. Für Sitek stellt sich die Frage, wie und ob das alles mit dem hohen pädagogischen Ehrgeiz vereinbar ist, mit dem an der Schule gearbeitet würde.

Am Gymnasium Weilheim sind ebenfalls noch Leih-Tablets übrig, die der Freistaat gestellt hat. „Aber die Frage ist doch: Wer traut sich zu sagen, dass er zu Hause kein Gerät hat?“, sagt Sitek.

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