Am letzten Straßenzug im Gnettnerareal Schongau werden nun die Lücken geschlossen. Möglich ist in beiden Grundstücken Geschosswohnungsbau, auch Gewerbe ist erlaubt.
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Am letzten Straßenzug im Gnettnerareal Schongau werden nun die Lücken geschlossen. Möglich ist in beiden Grundstücken Geschosswohnungsbau, auch Gewerbe ist erlaubt.

Max-Dingler-Weg im Gnettnerareal

Schongauer Weg soll nach Nazi-Dichter benannt werden

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Am Gnettnerareal werden die letzten Lücken geschlossen. Ob diese Mehrfamilienhäuser aber wirklich wie geplant an einem Max-Dingler-Weg stehen, darüber sollte man sich noch einmal Gedanken machen: Dingler gilt in seiner Heimatstadt als „aktiver Nazi und Rassist“, in Murnau wurde Dingler 2017 von der Liste der Ehrenbürger gestrichen.

  • Im Gnettner-Areal sind fast alle Grundstücke bebaut, nur am Max-Dingler-Weg fehlt noch etwas
  • Wie Recherchen der Heimatzeitung ergeben haben: Der Namensgeber der Straße hat eine umstrittene Vergangenheit
  • Die Straße hat seit 2006 ihren Namen, ist aber noch nicht gewidmet

Schongau – Der Bau- und Umweltausschuss billigte in seiner jüngsten Sitzung eine Bebauungsplanänderung für den letzten noch freien Straßenzug im Süden des Gnettnerareals. Gebaut werden kann ähnlich wie im nördlichen Bereich am Peter-Dörfler-Weg, es handele sich auch um den gleichen Investor, so die Information von Stadtbaumeister Sebastian Dietrich. Allerdings soll nur eines der beiden Grundstücke als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen werden.

Auf diesem West-Grundstück kann Geschosswohnungsbau entstehen mit neun Metern Wandhöhe. Wie viele Wohneinheiten dort Platz haben, dies wolle man dem Bauherrn nicht vorschreiben, es darf aber etwas dichter gebaut werden als im Norden. Das östliche Nachbargrundstück wird als Mischgebiet ausgewiesen. Auch dort stehe das Ziel der Stadt nach zusätzlicher Wohnbebauung im Vordergrund, jedoch ist dort zusätzlich kleineres Gewerbe zur Gebietsversorgung zulässig.

Bäckerei wäre im Gnettnerareal erwünscht

„Eine Bäckerei wäre durchaus vorteilhaft für die Versorgung des Gebiets“, lobte Bettina Buresch (Grüne). Die Stadträtin regte an, darauf zu achten, dass bei Fertigstellung auch die Parkbuchten Richtung Altenstadter Straße hergestellt werden.

„Das muss in ordentliche Verhältnisse gebracht werden. Ich würde mich freuen, wenn dies nach gefühlten Jahrzehnten zu Ende gebracht würde.“ Dieser Bereich sei bisher als Baustelleneinrichtungsfläche benötigt worden, hieß es in der Sitzung, aber man werde dann darauf hinweisen, so Dietrich.

Die Straße ist noch nicht gewidmet, hat aber bereits einen Namen

Gelegen sind die Grundstücke laut Bebauungsplan an einem Max-Dingler-Weg, der letzten noch nicht gewidmeten Straße in diesem Baugebiet. Beschlossen hat die Straßennamen der Stadtrat bereits vor vielen Jahren, nämlich abschließend in seiner Sitzung Ende Dezember 2006.

Max Dingler war Dichter und Zoologe

Literaten und Dichter sind in der ganzen Siedlung namentlich vertreten, Wege benannt nach Oskar Maria Graf, Ludwig Ganghofer oder Ludwig Thoma zweigen vom Kurt-Gnettner-Ring ab. Auch Max Gottfried Dingler, geboren 1883 in Landshut und gestorben 1961 in München, war Zoologe und Schriftsteller. Vor allem als Mundartdichter hatte sich der Murnauer einen Namen gemacht.

Dingler war Mitbegründer der NDSAP-Ortsgruppe von Murnau

Allerdings ist die Person Dingler durchaus umstritten, wie ein Blick in seinen Lebenslauf zeigt, u.a. war er Mitbegründer der Murnauer NSDAP-Ortsgruppe. In der Marktgemeinde hatte man 2011 zunächst den Namen der nach ihm benannten Mittelschule geändert. In Landshut, der Heimatstadt Dinglers, reagierte man ebenfalls und widmete 2014 eine Straße um. Begründung: Dingler sei „fanatischer, kämpferischer Nationalsozialist und Rassist“ gewesen. 2017 war Dingler in Murnau von der Liste der Ehrenbürger gestrichen worden. Sein Wirken während der NS-Zeit sei hinreichend bekannt und zweifelsfrei erforscht, hieß es.

Einige Fakten wie die Frühe Nähe zur NS nicht zu übersehen

Die Vorschläge für die Namen im Gnettnerareal kamen von Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer, damals auch Stadtrat. „Man muss unterscheiden, ob er ein Dichter ist, der in der Nazi-Zeit lebte, oder ein Nazi, der zum Dichter wurde“, so Schmidbauer. Ihm sei zum damaligen Zeitpunkt nichts bekannt gewesen, was auch nur andeutungsweise in Richtung Nazivergangenheit gewiesen hätte.

In den Literatur-Gremien gebe es nirgends Behauptungen, die Dingler Vorteilsnahme oder Amtsmissbrauch oder auch nur öffentliche Unterstützung von NS-Verbrechen unterstellen würden.

Dennoch ließen sich ein paar Fakten nicht übersehen und wegwischen, wie Schmidbauer auf Anfrage unserer Zeitung recherchierte, etwa die frühe Nähe zur NS. „Offensichtlich war Dingler ein naiver Hitler-Verehrer, der nicht unbedingt gewürdigt werden muss.“ Er wolle die von ihm seinerzeit vorgeschlagene Straßenbenennung „heute nicht groß verteidigen, wenn ich auch meine, dass wir zur Zeit andere Sorgen hätten und dass es auch gute Gründe dafür gibt, die Benennung einfach zu belassen“.

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