Das Heiliggeist-Spital in Schongau.

Appartements im Altenheim

Wegen Pflegenotstands:  Betreutes Wohnen im Heiliggeist-Spital

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Der Pflegenotstand ist in Schongau nicht nur angekommen, sondern hat bereits seine finanziellen Auswirkungen: Weil 14 Pflegezimmer im Heiliggeist-Spital wohl auch in naher Zukunft nicht belegt werden können, da das Personal fehlt, sollen nun sechs Appartements für Betreutes Wohnen gebaut werden. Der Stadtrat muss noch zustimmen.

Schongau – „Der Pflegenotstand zwingt uns zu Leerstand.“ Christian Osterried, Einrichtungsleiter des Heiliggeist-Spitals in Schongau, berichtete in der Stiftungssenatssitzung wie gewohnt ungeschönt. Sein bisher ins Unreine gesprochene Vorschlag wird nun konkret: einige Räumlichkeiten im ersten und zweiten Stock umzuwandeln in sechs Appartements. Diese sollen dann vermietet werden an Menschen, die sich betreutes Wohnen wünschen. Das Stadtbauamt sei bereits involviert, der Denkmalschutz ebenfalls, so Osterried. Er sieht das Vorhaben nicht nur „als machbar, es hat auch einen gewissen Charme“, schwärmte Osterried im Ausschuss. Umgebaut werden soll im ersten und zweiten Stock angrenzend an die Heiliggeist-Spitalkirche. Zwar dürften wegen des Denkmalschutzes keine Balkone gebaut werden, aber auch so sei der Blick in den Serenadenhof und vom zweiten Stock aus in Richtung Hoher Peißenberg sehr schön.

Ohnehin würden nun in diesem Bereich Sanierungsmaßnahmen anstehen, die Bausubstanz sei ähnlich alt wie bei den Zimmern im Erdgeschoss, bei denen die Sanierung bereits abgeschlossen ist, informierte der Heimleiter. Diverse Pflegezimmer müssten aber im Spital wohl auch noch in absehbarer Zukunft leer stehen, derzeit können nur 100 statt 114 Bewohner aufgenommen werden. Osterried sieht das Betreute Wohnen daher auch als gute Ergänzung und als Einnahmequelle. Der Vorteil: Die Bewohner können die Infrastruktur des Heimes wie Verpflegung oder Wäscheservice nutzen, müssen es aber nicht. Auch ein externer Pflegedienst könnte etwa beauftragt werden.

Erste Kostenberechung liegt bei 350.000 Euro

Seine erste Kostenberechnung hat Osterried an den Umbau im Erdgeschoss angelehnt und geht von rund 350 000 Euro aus. Konkrete Zahlen könnten erst mit der Planung vorgelegt werden, „aber dafür brauchen wir einen Architekten“. Wie Osterried beim Punkt „Wirtschaftsplan“ (Bericht folgt) ausführte, müsse außerdem umgeschuldet werden, denn die Pflegeplätze waren gefördert worden. „Da müssen wir uns rauskaufen, damit das Türchen Betreutes Wohnen überhaupt aufgehen kann.“

Mitglieder des Stiftungsausschusses von Umbauplänen begeistert

Die Mitglieder des Stiftungsausschusses waren von den Umbauplänen durchwegs begeistert: „Das ist eine super Idee, in Schongau fehlt Betreutes Wohnen insgesamt“, betonte SPD-Stadtrat Armin Schleich. „Ich bin dafür, dass wir das anpacken.“ Ähnlich war die Reaktion von Kornelia Funke (CSU), es sei ein sinnvoller und logischer Schritt. Und die Lage sei traumhaft. Wie Osterried erläuterte, sei wohl schon früher für etwaige Umbaupläne vorgeplant worden, denn eine Rufanlage am künftigen Eingang gegenüber des Lagerhauses und Briefkästen sind bereits installiert.

Barbara Karg (SPD) wollte wissen, ob seitens des Heiliggeist-Spitals für das Betreute Wohnen auch Pflege angeboten werden könne. Primär rechnet Osterried nicht damit, dass Pflegepersonal benötigt werde, man müsse da beim Pflegegrad die Grenze ziehen. „Bei einem Menschen, der schwerst pflegebedürftig ist und ständig eine Versorgung braucht – Pflegestufe vier bis fünf –, macht das Betreute Wohnen keinen Sinn mehr“, machte Osterried deutlich. Grundsätzlich wird jedoch die Schwelle zum Pflegeheim gesenkt.“

Die Nachfrage ist offenbar groß

Ein mögliches Interesse am Betreuten Wohnen war schon beim letzten Seniorentag abgefragt worden. Bürgermeister Falk Sluyterman wollte wissen, wie denn die Rückmeldungen gewesen seien. Auf seine Frage, „kriegen wir die Wohnungen überhaupt voll?“, erntete er viel Gelächter in der Runde. „Ich sehe da keine Probleme“, so Osterried. Bereits an diesem einen Tag hätten sich mindestens zehn Senioren eingetragen. Osterried verwies auf die Anlage in Weilheim mit mehr als 40 Wohnungen. „Sie haben dort eine Warteliste, die sie in fünf Jahren nicht abarbeiten können.“

Schon am Dienstag könnte der Stadtrat entscheiden

Der Ausschuss empfahl das Vorhaben einstimmig. Möglicherweise kann schon am Dienstag in der Stadtratssitzung entschieden werden.

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Der Fachkräftemangel in der Altenpflege trifft Schongau bereits voll. Schon 2018 konnten acht Plätze im Heiliggeist-Spital nicht besetzt werden.

Die Heiliggeist-Spital-Stiftung Schongau investiert und geht eine mögliche Zukunft mit Betreutem Wohnen aktiv an. Der Haushaltsplan 2019 weist ein Plus auf.

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