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Auch Weilheim blieb beim Pfingsthochwasser vor 20 Jahren nicht verschont. Mit Sandsäcken kämpfte man in der Stadt – wie hier an der Kreuzung Johann-Baur-Straße/Röntgenstraße – gegen die Wassermassen. 

Umfrage

Hochwasser: Behörde schlägt Alarm wegen unterschätzter Gefahr

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Vor 20 Jahren hielt das Pfingsthochwasser den Landkreis in Atem. Das Wasserwirtschaftsamt in Weilheim nutzt das Jubiläum jetzt, um auf eine nach wie vor von vielen unterschätzte Gefahr für Hochwasser hinzuweisen.

Landkreis – Die Bilder von damals, sie dürften vielen noch gut in Erinnerung sein. An Pfingsten 1999 traten im ganzen Landkreis Bäche und Flüsse über die Ufer. Mit Sandsäcken versuchte man verzweifelt, den Wassermassen Herr zu werden. Das Jahrhundert-Ereignis war ein Weckruf. Über 50 Millionen Euro flossen seitdem laut Wasserwirtschaftsamt allein im Landkreis Weilheim-Schongau in Hochwasserschutzprojekte, um eine Wiederholung einer solchen Katastrophe in Zukunft zu verhindern.

Allerdings: Der Schutz hat Grenzen. Daher sei auch jeder Einzelne weiterhin gefordert, sein persönliches Risiko gering zu halten, betont die Behörde. Doch eine Befragung, die die Initiative der bayerischen Wasserwirtschaft in Auftrag gegeben hat und deren Ergebnis jetzt vorliegt, lässt bei Roland Kriegsch, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim, die Alarmglocken läuten. 

Vor allem eine Gefahr für Hochwasser werde von der Bevölkerung unterschätzt. Zwar gaben 79 Prozent der Befragten, die persönliche Schäden durch Hochwasser erlitten haben, an, dass Starkregen die Ursache dafür war. In Oberbayern wissen jedoch nur zwölf Prozent der Interviewten, dass Starkregen fast jeden treffen kann. „Das Ergebnis hat mich besonders beunruhigt“, sagt Kriegsch. Auch im Landkreis haben Starkregenereignisse zuletzt immer wieder zu großen Schäden geführt, etwa in Peißenberg.

Das passt zu einem weiteren Ergebnis der Umfrage. 18 Prozent der Befragten in Oberbayern waren schon einmal von Hochwasser betroffen. Im Durchschnitt erlitten sie gleich dreimal seit 1999 Schäden durch Überflutungen; der Höchstwert in ganz Bayern. Kein Wunder, dass für 42 Prozent der Befragten in der Region Hochwasserschutz ein wichtiges Thema ist – bei mehrfach von Hochwasser betroffenen Menschen sogar 73 Prozent.

Hundertprozentige Sicherheit vor Überflutungen gibt es nicht

Eine hundertprozentige Sicherheit vor Überflutungen gebe es trotz des Ausbaus von technischen Hochwasserschutzmaßnahmen nicht, betont der Wasserwirtschaftsamtsleiter. „Wirksamer Hochwasserschutz beginnt bei der Eigenvorsorge.“ Diese Aussage teilen allerdings nur 29 Prozent der Befragten. Sie vertrauen lieber auf den Staat.

Erschreckend aus Sicht von Kriegsch: Jeder Fünfte in Oberbayern hält es für unnötig, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen. „Das ist eine grobe Fehleinschätzung, denn schon kleine bauliche Maßnahmen am Haus können Folgeschäden stark reduzieren.“ Wer von Hochwasser betroffen war, weiß das: 79 Prozent dieser Personen haben danach Schutzmaßnahmen umgesetzt, am häufigsten wurde der Keller abgedichtet. Drei Viertel derjenigen, die keine Vorsorgemaßnahmen getroffen haben, nennen als Grund dafür, dass sie noch nie von Hochwasser betroffen waren. Offenbar werde Vorsorge erst zum Thema, nachdem Schäden durch Hochwasser entstanden seien, so Kriegsch.

Klimawandel erhöht Risiko von Hochwasser

Von denjenigen in Oberbayern, die keine Vorkehrungen ergriffen haben, wissen 28 Prozent nicht, dass sie sich zum Beispiel durch Pumpvorrichtungen, Sandsäcke oder durch eine Abdichtung des Kellers schützen können. Dies ist der schlechteste Wert in Bayern. Dabei drängt die Zeit. Das sei den Bürgern durchaus bewusst: Dass der Klimawandel das Risiko von Hochwasser erhöht, glauben in Oberbayern immerhin 71 Prozent.

Gut dran ist laut Wasserwirtschaftsamt, wer im Schadensfall entsprechend versichert ist. Allerdings, auch das ist ein Ergebnis der Umfrage, haben nur 40 Prozent der Bayern eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen.

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