Startklar nach dem monatelangen Lockdown: Auch bei Stefanie Bernhards Salon „Pony & Style“ ist im März kaum noch ein Termin zu bekommen.
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Startklar nach dem monatelangen Lockdown: Auch bei Stefanie Bernhards Salon „Pony & Style“ ist im März kaum noch ein Termin zu bekommen.

Viele Termine bereits vergeben

Ab heute öffnen die Friseure im Landkreis: Endlich wieder waschen, schneiden, föhnen

Waschen, schneiden, föhnen – seit heute ist das endlich wieder in allen Friseursalons im Landkreis möglich, die zum Teil schon um sieben Uhr früh geöffnet haben. Auf die Friseure kommt viel Arbeit zu: Mancher Kunde fühlt sich schon wie ein Schauspieler der Oberammergauer Passionsspiele.

  • Nach monatelanger Zwangspause dürfen die Friseure ab heute wieder ihre Salons aufsperren.
  • Der Andrang der Kunden ist groß, viele Termine sind bereits vergeben.
  • Kritik gibt es an der Zehn-Quadratmeter-Regel.

Landkreis „Der Kundenansturm nach dem monatelangen Lockdown ist so groß, dass wir erst wieder in vier Wochen Termine vergeben können“, erzählt Michael Luig. In seinem Penzberger Geschäft „Haarschneider“ muss er Extraschichten einlegen, um wilde Mähnen zu bändigen, die während der pandemiebedingten Schließung gewachsen sind.

„Ich schau aus, als ob ich nächstes Jahr bei den Oberammergauer Passionsspielen mitmachen würde“, sagt Josef Staudigl, der schon vor drei Wochen telefonisch einen Termin vereinbart hatte. Viele Frauen sind ihren Partnern während des Lockdowns mit einem Rasierer zuleibe gerückt – immerhin waren seit Mitte Dezember keine Friseurbesuche mehr möglich.

Die vergangenen Wochen hat Michael Luig mit zwiespältigen Gefühlen erlebt, wie er sagt: „Einerseits konnte ich die entspannte Zeit mit meiner Frau genießen, aber auf der anderen Seite hat es sich wie Arbeitslosigkeit angefühlt, als wäre man in einem Vakuum gefangen.“

Es gelten strenge Hygienevorschriften für die Friseure

Auch sein Kollege Björn Wünschir ist glücklich, dass die Arbeit für sein Team und die beiden Auszubildenden heute wieder beginnen kann. „Im vergangenen Jahr haben wir im Geschäft umgebaut und heuer ein wenig renoviert“, erzählt er. Wegen der enormen Nachfrage ist sein Salon in Penzberg an sechs Tagen in der Woche von 8 bis 20 Uhr geöffnet – unter strengen Arbeitsschutz- und Hygienevorschriften für Personal und Kunden. Abweichend vom Arbeitsschutzstandard für das Friseurhandwerk hatte die bayerische Staatsregierung verpflichtend FFP2-Masken für die Beschäftigten vorgesehen. Das wurde laut Wünschir aber geändert und jetzt gilt: „Unsere Kunden müssen eine FFP2-Maske tragen, der Friseur darf grundsätzlich mit einer medizinischen Maske arbeiten.“ Das entspricht auch der geltenden Regelung im Handel.

In Schongau hat Ulrike Herzog in den vergangenen Tagen ihren Salon „Haarmonie“ gereinigt und desinfiziert; sie freut sich, dass ihr Terminbuch für März ebenfalls gut gefüllt ist. „Als zusätzliche Schutzmaßnahme gegen Corona werden wir zwischen den Kunden durchsichtige Paravents aufstellen“, berichtet sie. Die Zeit der Kurzarbeit sei schwierig gewesen und habe für viele Friseure auch bedeutet, dass sie die Ersparnisse für ihre Altersvorsorge angreifen mussten. Herzog: „Darum sind wir sehr froh, jetzt endlich wieder was tun zu können!“

Ganz ähnlich empfindet es ihre Kollegin Stefanie Bernhard, die erst vor einem Jahr ihren Salon „Pony & Style“ in Wessobrunn eröffnet hat und bis heute insgesamt vier Monate lang schließen musste. „Nach so langer Zeit meine Stammkunden wieder zu sehen, ist eine große Freude“, sagt sie. Es gehe nicht nur um eine schicke Haarpracht, sondern auch um einen privaten Plausch: „Wir Friseure sind ja manchmal fast so etwas wie Seelsorger, wenn wir Kunden schon jahrelang kennen.“

Eine Mindestfläche von zehn Quadratmeter pro Person muss eingehalten werden

Mit der neuen Zehn-Quadratmeter-Regel wird das alte Raumkonzept vom Frühjahr 2020 über den Haufen geworfen. Nach Angaben des Landesinnungsverbandes des bayerischen Friseurhandwerks sowie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege gilt von nun an der aktualisierte Arbeitsschutzstandard: Den Salon darf demnach nur betreten, wer einen Termin vereinbart hat. Es gilt ein Mindestabstand von eineinhalb Metern zwischen den Kunden und eine Mindestfläche von zehn Quadratmetern pro Person.

„Das Schwierige daran ist auch, dass ständig neue Auflagen und Vorschriften kommen, sodass eine längerfristige Planung obsolet ist“, stellt Christian Kaiser als bayerischer Landesinnungsmeister fest. Vor allem kleinere Läden bekämen Probleme, weil sie auf ihrer Fläche nicht mehr alle Mitarbeiter und Kunden gleichzeitig unterbekommen können. „Wir im Verband sehen diese Zehn-Quadratmeter-Regel deshalb kritisch“, sagt Kaiser. „Im Gegensatz zu Geschäften, wo sich die Kunden in den Räumen ständig bewegen, bleiben Friseur und Kunde ja immer an einem festen Platz und halten sich die meiste Zeit über auf einer Fläche von vielleicht vier Quadratmetern auf.“ Trotzdem sei er „unglaublich froh, dass wir ab heute überhaupt wieder arbeiten dürfen“.

VON PETER STÖBICH

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