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Kann guten Gewissens weiter nähen: Kathrin Grobosch aus Morgenbach (Wildsteig). 

Wirtschaftsminister äußert sich zu Anliegen

Anwaltskanzlei rudert zurück: „Nähbienen“ stellen wieder Masken her

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Weil sie rechtliche Folgen befürchteten, stellten die „Nähbienen“ keine Masken mehr her. Doch nun rudern die Abmahnanwälte zurück. Und der Wirtschaftsminister äußert sich.

Landkreis – „Weiternähen und den Abmahnanwälten keine Chance geben!“ Das ist die Botschaft von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Er löst damit ein Problem, das nicht nur das Ehrenamts-Projekt der Nähbienen aus dem Landkreis jäh ausgebremst hat. Aiwanger hat Partei für die ehrenamtlichen Näh-Initiativen ergriffen: „Wir sind auf das ehrenamtliche Engagement dieser Bürgerinnen und Bürger dringend angewiesen, um den Versorgungsengpass mit Masken vor Ort abzumildern.“

Viele Bürger, nicht nur im Landkreis Weilheim-Schongau, hatten zur Selbsthilfe gegriffen und Masken für den Eigenverbrauch aus Baumwollstoff und Ähnlichem genäht. Zuletzt ist allerdings Unruhe aufgekommen, weil juristisch spitzfindige Menschen sich daran gestoßen hatten, dass selbstgenähte Masken manchmal als Atemschutzmasken bezeichnet werden. 

Aus Angst vor rechtliche Folgen wurden keine Masken mehr genäht: Anwaltskanzlei rudert zurück

Aiwanger: „Wer die Masken unter der Bezeichnung Behelfsmaske, Stoffmaske oder Mundbedeckung anbietet, ist auf der sicheren Seite. Ich hoffe, dass wir weiterhin auf die Unterstützung der vielen Menschen zählen können und ermutige alle zum Weiternähen“, so der Minister weiter. Mit etwas Vorsicht gebe man Abmahnanwälten keine Chance und könne das Ziel erreichen, welches für viele Menschen lebenswichtig sei: Die Zahl der Ansteckungen zu reduzieren.

Auf die Berichterstattung in der Heimatzeitung hat auch die von Aiwanger angesprochene Kanzlei „it-recht-kanzlei“ reagiert. In einer schriftlichen Stellungnahme, die unserer Zeitung vorliegt, rudert man zurück. In der Tat hätte man wohl erstmalig auf die rechtlichen Fallstricke bei der Bereitstellung selbstgefertigter Mundbedeckungen aufmerksam gemacht und damit einen medialen Rummel erzeugt. „Ziel des Beitrages war es allerdings nur, Näher rechtlich zu sensibilisieren und gleichzeitig Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.“

Es werden wieder Masken genäht: Das sagen die „Nähbienen“ dazu

Kein Wort von Abmahnung also, stattdessen gibt man seitens der betroffenen Kanzlei jetzt gut gemeinte Tipps: So genüge es für die Verkehrsfähigkeit von selbstgefertigten Masken bereits, auf den Wortbestandteil „Schutz“ zu verzichten. Und weiter: „Ein Einstellen jeglicher Näh- und Abgabetätigkeiten ist freilich nicht erforderlich.“

Klingt also deutlich harmloser als das, was die ehrenamtlichen Masken-Näherinnen in den vergangenen Tagen zum Einstellen ihrer Tätigkeit gebracht hat. Das beruhigt auch Kathrin Grobosch aus Morgenbach bei Wildsteig. In Eigeninitiative hatte die Schneiderin im März von Kinderkleidung komplett auf Masken umgestellt. Anfangen hatte sie, weil sie selbst betroffen ist. „Mein Vater ist schwer lungenkrank.“ Das Thema Corona, so erzählt sie, nehme sie schwer mit. Von Nachfragen war sie – ebenfalls wie die Nähbienen-Initiative aus dem Landkreis – regelrecht überrannt worden.

„Nähbienen“ sind auf Stoffspenden angewiesen

Stets hatte sie eines kommuniziert, was alle eigentlich wissen: Die selbst genähten Stoffmasken sind kein wirksamer Schutz gegen Covid19. „Aber es ist besser als nichts“, betont Grobosch. Inzwischen deckt sie ehrenamtlich den Bedarf in Einrichtungen ab, die dringend Mundschutz benötigen, aber keinen mehr bekommen. Die Lebenshilfe Ostallgäu, die Behinderteneinrichtungen betreibt, hat sie zum Beispiel versorgt. Diverse Pflegeeinrichtungen. Bis sie vor Angst, sich in einer rechtlichen Grauzone zu bewegen, am Wochenende aufgehört hatte.

Jetzt, nach Aiwangers Worten, will sie wieder weitermachen. Wie viele andere Nähbienen im Landkreis auch. Angewiesen ist sie dabei auf Stoffspenden. Denn ein eigenes Einkommen hat die Schneiderin mit Kleingewerbe aufgrund der Krise nun nicht mehr. Trotzdem: Für die gute Sache will sie weiter alles geben.

Alle Entwicklungen zum Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau finden Sie in unserem Newsticker.

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