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Nicht mehr alle Flüchtlinger dürfen eine Arbeitsstelle annehmen – wer aus einem sicheren Herkunftsland stammt oder schlechte Chancen auf eine Anerkennung in Deutschland hat, dem wird keine Arbeitserlaubnis ausgestellt.  

Arbeitserlaubnis für Asylhelfer

Viele fallen jetzt durchs Statistik-Raster

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Weilheim-Schongau – Dass die Staatsregierung die Hürden für arbeitssuchende Flüchtlinge jetzt erhöht hat, bereitet dem Ausländeramt in Weilheim einen ganzen Berg an Mehr-Arbeit – und den Asylhelfern Kopfzerbrechen. Es wird kompliziert. Für alle Beteiligten.

Asylbewerbern, die schlechte Aussichten haben, dauerhaft in Deutschland bleiben zu dürfen, wird vom Ausländeramt in Weilheim künftig keine Arbeitserlaubnis mehr erteilt. So will es eine neue Regelung. Für die Sachbearbeiter im Landratsamt heißt das konkret: Jeder neue Antrag auf Arbeitserlaubnis, der ab sofort eingeht, wird unter strengen Gesichtspunkten geprüft.

Auf Lydia Schminke und ihr Team im Ausländeramt wartet viel Arbeit. „Jeder Einzelfall muss geprüft werden.“ Eine Arbeitserlaubnis gibt es nur für diejenigen, die mit einem „rechtmäßigen, dauerhaften Aufenthalt rechnen können“. Sprich: Menschen aus Ländern mit hohen Bleibe-Perspektiven.

Unterschieden wird hier in drei Kategorien: „Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern bekommen generell keine Arbeitserlaubnis“, so Schminke. Das betrifft Menschen aus Südosteuropa, dem Balkan, Ghana und dem Senegal. Eine klare Sachlage gibt es auch für Menschen aus Ländern, die in ihrer Heimat gefährdet werden. Sie dürfen – außer im Einzelfall spricht etwas dagegen – meist mit einer Arbeitserlaubnis rechnen. Das gilt für Asylbewerber aus den fünf Ländern Eritrea, Somalia, Iran, Irak und Syrien.

Afghanen haben die größten Chancen

Und dann gibt es noch die Länder, die irgendwo zwischen Anerkennung und Ablehnung liegen: Pakistan, Afghanistan, Nigeria, Mali, Sierra Leona und Uganda. Die größten Chancen in dieser Gruppe können sich Afghanen machen. Prozentual gesehen schaffen sie es laut den neuesten Statistiken des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zu 55 Prozent zu einem Bleiberecht zu kommen – und damit auch eine Arbeitserlaubnis zu erlangen. „Dabei handelt es sich allerdings meistens nur um Abschiebeverbote, aber nicht um eine Anerkennung“, führt Lydia Schminke aus. Überwiegend fallen Familien unter dieses 55 Prozent, nicht jedoch alleinstehende Männer. Unter diesen Gesichtspunkten wird auch in Sachen Arbeitserlaubnis bewertet.

Für Menschen aller Länder Herkunft gilt überdies: Ist die Identität ungeklärt – sprich, fehlt der Pass – oder gibt es Vorstrafen, so wird generell keine Arbeitserlaubnis erteilt.

Vor allem bei den Pakistani – statistisch gesehen werden hier nur 3,5 von 100 Bewerbern in Deutschland anerkannt – rechnet Lydia Schminke mit Gegenwind. „Das könnte Probleme geben, die wollen alle arbeiten“, weiß sie aus Erfahrung.

An die 100 Anträge von Asylbewerbern auf Arbeitserlaubnis landen monatlich bei der Ausländerbehörde im Landkreis Weilheim-Schongau. Jeder Einzelfall muss nun genau geprüft werden. Das kostet Zeit. Und Nerven. Zumal es laut Schminke nur ein kleiner Prozentsatz aller Antragssteller sei, der einen Antrag stellt, eine Genehmigung bekommt und dann ein Jahr an einem Arbeitsplatz arbeitet.

Die Realität sehe so aus: „Manche wollen gar nicht mehr antreten. Manche wollen schon wieder kündigen.“ Die neue Regelung macht es unter diesen Bedingungen nicht unbedingt leichter.

Das gilt im Übrigen für alle Landkreise. Denn mit den Nachbarlandkreisen hat sich Weilheim-Schongau abgesprochen. Gleiches Recht für alle Antragsteller also in einer ganzen Region.

Arbeitgeber brauchen dringend Leute

Glück gehabt, haben angesichts dieser Neuregelung jetzt erst mal diejenigen, die bereits eine Arbeitserlaubnis haben – unabhängig vom sicheren oder unsicheren Herkunftsland. Und trotzdem ist der Erlass für alle Asylhelfer eine „Katastrophe“, wie Landkreis-Asylkoordinator Jost Herrmann unumwunden erklärt. „Es geht um Leute, die willig sind zu arbeiten. Und es geht um Arbeitgeber, die dringend Leute brauchen.“ Die Gastronomie wäre ohne die Asylbewerber aufgeschmissen, glaubt Herrmann.

Er baut darauf, „dass das Ausländeramt seinen Spielraum ausnutzt, wenn alles andere für den Antragsteller spricht“. Dafür gibt es auch einen guten Grund, der die ganze Gesellschaft betrifft: Asylbewerber, die einen Arbeitsplatz haben, geben Geld für ihre Unterbringung ab. Das freut wiederum den Steuerzahler. Hinzu käme, dass ohne Arbeit „der Frust größer wird“. Und, so Herrmann: „In unserem Landkreis nimmt keiner der arbeitswillig ist, einem anderen den Job weg.“

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