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Die grauen Flecken auf der Karte werden weniger: In Wildsteig gehen neue Glasfaseranschlüsse bereits in Betrieb, Rottenbuch und Böbing folgen im Frühjahr.

Breitbandausbau im Landkreis Weilheim-Schongau

„Trommeln ist schneller als das Internet“

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Der Landkreis Weilheim-Schongau hinkt beim Breitbandausbau dem Bundes- und dem Landesdurchschnitt hinterher, auch wenn die Gemeinden ihr Bestes geben: ein Überblick.

Weilheim-Schongau – Wessobrunns Rathauschef Helmut Dinter redet nicht lange um den heißen Brei: „Wir schneiden grottenschlecht ab“, sagt er mit Blick auf die Breitbandverfügbarkeit in seiner Kommune. Die Flächengemeinde in der Mitte des Landkreises bemüht sich seit Jahren um eine bessere Versorgung. Als einziger Anbieter stehe nur die Telekom bereit, bedauert Dinter. Und die lässt sich Zeit. Erst im Herbst dieses Jahres soll mit dem staatlich geförderten Breitbandausbau begonnen werden, rund eineinhalb Jahre sind für die Arbeiten veranschlagt, berichtet der Gemeindechef. Die Situation sei „sehr unbefriedigend“, findet er.

Der Hauptort Wessobrunn ist bereits mit 30 Mbit/s und mehr versorgt, daher wird dort in absehbarer Zeit nichts weiter geschehen: ab 30 Mbit/s gibt es keine staatlichen Fördermittel für den weiteren Breitbandausbau (siehe Kasten). Die bislang unterversorgten Ortsteile Wessobrunns bekommen dafür „Glasfaser bis ins Haus“. Der Staat bezuschusst das mit 80 Prozent, die übrigen 20 Prozent muss Wessobrunn selbst schultern. Und die gehen ins Geld: Der Rathauschef rechnet mit einer Millionen Euro, die die Gemeinde selbst stemmenmuss. Er sei „stinksauer auf die große Politik“, lässt Dinter wissen. Denn er sieht den Bund in der Pflicht, die Bürger mit schnellem Internet zu versorgen. Und die Tatsache, dass der Hauptort Wessobrunn nach dem Breitbandausbau schlechter versorgt sein wird als der Rest, findet der Rathauschef fast schon „pervers“.

Wildsteig prescht beim Internet nach vorne

Ähnliche stellt sich die Situation in Wildsteig dar. Die südlichste Gemeinde des Landkreises zählte Mitte vergangenen Jahres noch zu den Verlierern in der BMVI-Statistik, mittlerweile gehört sie zu den Gewinnern. „Wir zählen zu den am besten ausgebauten Gemeinden“, sagt Bürgermeister Josef Taffertshofer mit Blick auf den jüngst abgeschlossenen Breitbandausbau. Allerdings profitiert Wildsteigs Ortsmitte auch nicht von dem aktuellen Ausbauprogramm, das den Bürgern die Glasfaser bis ins Haus bringt. Das Dorfzentrum und den Ortsteil Morgenbach waren schon 2010 auf den bestehenden Kupferleitungen erschlossen worden. Hier müssen sich die Bürger ebenfalls mit rund 30 Mbit/s begnügen, das sogenannte Vectoring für schneller Datenübertragungen in den Kupferleitungen lässt noch auf sich warten. „Und das Kupfer hat auch irgendwo seine Grenzen“, meint Taffertshofer, der auf weitere Förderungen hofft. „Es wird ein frisches Programm aufgelegt werden müssen“, fordert der Bürgermeister.

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Glasfaser-Programm: Vorfreude in Böbing und Rottenbuch

Weit hinten in der Liste des BMVI rangieren derzeit auch noch die Gemeinden Rottenbuch und Böbing, die nach den Worten von Bürgermeister Markus Bader (Rottenbuch) aber im Frühjahr „die bestausgebautesten in ganz Deutschland sein werden“. Das wird im März mit einem „Kabelfest“ groß gefeiert, kündigt Bader an. Die Gemeinden waren zeitgleich mit dem Glasfaser-Programm gestartet. Nach dem Ausbau werden im Frühjahr in der Gemeinde Rottenbuch 540 Haushalte und 60 Unternehmen mit Bandbreiten von mindestens 50 Mbit/s versorgt sein, in Böbing sind es 165 Haushalte und acht Firmen. Mehr als 80 Prozent der neuen Anschlüsse erhalten 100 Mbit/s und mehr.

Der kleine Wermutstropfen: Auch in Böbing und Rottenbuch bleiben die bereits Versorgten beim ganz schnellen Internet außen vor. Sie surfen weiter auf den Kupferkabeln. Man sei aber „insgesamt gut aufgestellt“, versichert Böbings Rathauschef Peter Erhard auch mit Blick auf das Vectoring der Telekom. Und der Kollege aus Rottenbuch betont: „Letztlich bekommen alle schnelles Internet“, so Bader.

Steingaden müht sich

Von einer flächendeckenden schnellen Breitbandversorgung kann Steingaden aktuell nur träumen. Zwar ist die Lechgemeinde schon in zwei Förderprogrammen des Freistaats und beantragt gerade ein Drittes. Bislang ist laut BMVI-Statistik aber nichteinmal die Hälfte der Einwohner in der 64 Quadratkilometer großen Gemeinde mit mehr als 16 Mbit/s unterwegs. Und viele Bürger der 53 Ortsteile haben noch deutlich langsamere Verbindungen. Von Fronreiten im Süden bis Riesen im Norden kommen sie laut Gemeinde-Kämmerer Siegfried Bernert oft nur auf 1 Mbit/s. „Manchmal ist Trommeln schneller als das Internet“, seufzt er.

Immerhin hat der Breitband-Ausbau in den unversorgten Gebieten begonnen, aber er zieht sich in die Länge. Von „schwierigen Grundstücksverhandlungen der Telekom“ und „Tiefbaufirmen, die am Anschlag sind“, weiß Bernert zu berichten. Darum verzögert sich der aktuelle Glasfaser-Ausbau zwischen Fronreiten und Riesen um ein Jahr auf Ende 2019. Und Glasfaser bis ins Haus wird es für die Anlieger auch nicht geben, weil das zu teuer würde. „Die letzte Meile“ sei Kupfer, sagt Bernert, der auch auf das Vectoring setzt. „Damit seien 50 Mbit kein Thema“, versichert er.

Bestens mit Glasfaser versorgt sind in der Gemeinde immerhin schon 25 Anschlüsse in der Langau, Litzau und Wies. An dem Strang hängen unter anderem die Katholische Landvolkshochschule und die Bildungs- und Erholungsstätte Langau.

Und auf satte 100 Mbit/s via Glasfaser hoffen auch die Landwirte in der Gemeinde Steingaden. Die soll der sogenannte Höfebonus des Freistaats bringen. Den Antrag für das Programm hat der Kämmerer gerade gestellt. 138 Anwesen im Außenbereich sollen angeschlossen werden. Die Kosten liegen bei rund 1,5 Millionen Euro, von denen 80 Prozent der Freistaat übernimmt.

Steingaden muss für den Breitbandausbau also auch sehr viel Geld in die Hand nehmen, der Ausbau könne nur sukzessive in einzelnen Abschnitten erfolgen, bedauert Bürgermeister Xaver Wörle. Er ist von der großen Politik genauso enttäuscht wie sein Kollege in Wessobrunn. „Eigentlich ist das eine staatliche Aufgabe, die aber die Gemeinden vollziehen müssen“, sagt Wörle zum Breitbandausbau.

Eglfing muss auf schnelles Internet warten

Schlusslicht beim schnellen Internet ist laut Statistik mit großem Abstand die kleine Gemeinde Eglfing. Der Hauptort ist laut Bürgermeister Klemens Holzmann zwar schon vor drei Jahren mit 30 Mbit/s ausgebaut worden, der Ortsteil Obereglfing sowie die Aussiedlerhöfe und Weiler surfen nur mit 6 Mbit/ durch Internet. Für sie hat die Gemeinde im Bundesprogramm einen Glasfaserausbau beantragt. Holzmann rechnete allerdings mit einer Wartefrist von drei Jahren.

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