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Haben ihre eigene Meinung über die Frauenquote (v.li.): Alexandra Bertl, Bezirks- und Kreisrätin, Margit Horner-Spindler, Bürgermeisterin in Reichling und CSU-Ortsvorsitzende, Pamela Kennerknecht, Vorsitzende des Kreisverbands der Frauenunion

Unionsfrauen im Landkreis uneins

CSU-Frauenquote abgelehnt: „Frustrierendes Ergebnis“

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Eine Frauenquote auf Kreisebene wollte CSU-Chef Markus Söder durchsetzen. Der CSU-Parteitag entschied anders. Das stößt bei  Unionsfrauen im Landkreis Weilheim-Schongau auf Kritik.

Landkreis – Statt eines verbindlichen Anteils von 40 Prozent Frauen in den Kreisvorständen der CSU, so wie es auf Landes- und Bezirksebene seit Jahren umgesetzt wird, haben sich die Delegierten beim Parteitag am Wochenende auf einen Kompromiss geeinigt: Wie berichtet, wird die 40-Prozent-Frauenquote in Kreisvorständen nun als „Soll-Bestimmung“ kommen und nicht verpflichtend. „Ein frustrierendes Ergebnis“, findet Pamela Kennerknecht, Vorsitzende des Kreisverbands der Frauenunion. „Ich bin ganz eindeutig für die Frauenquote“, sagt sie, denn es brauche unbedingt „mehr weibliche Vorbilder in der CSU“.

Pamela Kennerknecht, Vorsitzende des Kreisverbands der Frauenunion

Zwar gebe es sehr viele engagierte Frauen in der Partei – aber diese brauchen laut Kennerknecht auch die Chance, weiterzukommen. Für Frauen sei das aber immer noch sehr schwierig. 

„Wie überall, wo Männer dominieren, ist es so, dass sie eher Männer nach sich ziehen. In Unternehmen ist es genau so“, sagt Pamela Kennerknecht aus Obersöchering. Die Frauenquote sieht sie als unabdingbares Mittel, um den Prozentsatz von Frauen in der CSU und den Kreisvorständen zu erhöhen.

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Das sagt CSU-Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler aus Reichling zur Frauenquote

Margit Horner-Spindler, Bürgermeisterin in Reichling und CSU-Ortsvorsitzende

Dass mehr Frauen in die Politik gehen, findet auch Margit Horner-Spindler wichtig, die sich ebenfalls für mehr Ausgewogenheit ausspricht. Doch eine Quote ist für die Reichlinger Bürgermeisterin und CSU-Ortsvorsitzende keine Lösung. „Das kann man nicht erzwingen. Wir sollten auf Frauen zugehen und sie anwerben, sich politisch zu engagieren und ihre Erfahrungen mit einzubringen“, so Horner-Spindler.

Als sie 2008 in den Reichlinger Gemeinderat gewählt wurde, war sie die einzige Frau im Gremium. Jetzt ist sie die einzige Bürgermeisterin im Landkreis Landsberg. Doch sie findet, dass ein gesellschaftlicher Wandel feststellbar ist und es mittlerweile mehr Frauen in die Politik zieht. „Als Frau hat man heute keine Nachteile mehr. Mittlerweile zählt die Leistung“, so Horner-Spindler.

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Den Kompromiss, die 40-Prozent-Quote als Soll-Regelung einzuführen, findet sie gut. „Wir leben in einer Demokratie und es ist wahnsinnig wichtig, dass die Basis ihre Meinung Kund tut“, so die Reichlinger Bürgermeisterin. Deshalb könne auch nicht von einem Desaster die Rede sein, weil CSU-Chef Markus Söder wenig Unterstützung für die Quote bekam – schließlich wurde gemeinsam eine Lösung gefunden.

Darum lehnt Bezirksrätin Alexandra Bertl eine Frauenquote in der CSU ab

Ähnlich empfindet auch Alexandra Bertl aus Weilheim die Diskussion um die Frauenquote in der CSU. „Ich persönlich halte nichts von einer Quote – aber den Kompromiss trage ich gerne mit und bin gewissermaßen stolz, dass es so eine konstruktive Diskussion über die Quote gegeben hat“, so die Kreis- und Bezirksrätin.

Alexandra Bertl, Bezirks- und Kreisrätin

Die Quote lehnt sie unter anderem deshalb ab, weil sie durch Qualität überzeugen und weiterkommen möchte – nicht, weil sie eine Frau ist. „Wenn man bedenkt, dass wir eine Landrätin, sowie eine Bezirksrätin haben und es eine Bürgermeisterkandidatin in Weilheim gibt, braucht es hier auch gar keine Frauenquote“, so Bertl.

Trotzdem sei es wichtig, Frauen in der CSU zu fördern und die Diskussion darüber nicht auf die Quote festzusetzen. „Zum Beispiel haben wir ein Mentoringprogramm für Frauen“, erklärt Bertl. Dennoch müssten mehr Wege gefunden werden, Frauen zu ermutigen in die Politik zu gehen. „Die meisten Frauen fragen sich nicht, ob sie das wollen, sondern, ob sie das können“, sagt Bertl. Das sei laut ihr ein größeres Hindernis, als eine fehlende Quote.

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