Selbsthilfegruppe gegründet 

Darüber reden hilft beim „Burn-out“

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Immer mehr Arbeitnehmer sind ausgebrannt. „Burn-out“ kann zu psychischen Erkrankungen führen. Im Landkreis hat sich die erste Selbsthilfegruppe gegründet.

Landkreis – „Das ist sicherlich in unserem Gebiet nicht anders.“ Dr. Stefan Günther, Leiter des Gesundheitsamts Weilheim, macht sich keine Illusionen. Bundesweit nehmen die Arbeitsunfähigkeitstage bei Mitarbeitern wegen physischer und psychischer Erschöpfung zu – ein Trend, der auch zwischen Lech und Loisach zu vermuten ist, wovon der Behördenchef ausgeht. Er nennt es „ein gesellschaftliches Problem“.

Die AOK spricht in ihrem Fehlzeiten-Report 2018 zwischen 2008 und 2017 von einer Verdreifachung der Fehlzeiten bei ihren Mitgliedern. Umgerechnet auf mehr als 36 Millionen gesetzliche krankenversicherten Beschäftigten bedeute dies: Circa 166 000 Menschen waren 2017 wegen eines „Burn-outs“ mit 3,7 Millionen Fehltagen krankgeschrieben. Aus diesem Grund ist es für Mediziner Günther „ganz wichtig“, dass im Landkreis die erste Selbsthilfegruppe ihre Premiere feiert.

Zwei Frauen haben Selbsthilfegruppe initiiert

Initiiert wurde diese von zwei Frauen. Beide 41 Jahre alt und aus der Region. Beide selbst von einem „Burn-out“ betroffen. Sie wollen anonym bleiben, nennen wir sie Heidrun und Martina. „An Depressionen leide ich schon länger“, erzählt Heidrun. Sie arbeitet im Büro.

Vor vier Jahren kristallisierte sich heraus, dass Heidrun ausgebrannt ist. Erschöpfung und Antriebslosigkeit quälten sie. „Ich wollte nicht mehr zur Arbeit gehen.“ Bei Leidensgenossin Martina, die im sozialen Bereich arbeitet, fing es 2009 mit generellen Schmerzen an. Problem: Eine klare Diagnose gibt es bei „Burn-out“ nicht. „Man spricht nur über Symptome“, sagt Amtschef Günter. Wie Angstzustände oder Panikattacken. „Bei jedem ist es anders“, weiß Martina. Die Grenzen seien fließend. Und überhaupt, ergänzt Heidrun, gibt es eine große Scheu: „Es ist ein riesengroßes Tabuthema.“

Zum ersten Treffen erschienen zehn Interessierte  

Über das Landratsamt, dessen Unterstützung sie loben, riefen die beiden Frauen die Gruppe ins Leben. Zum ersten Treffen erschienen knapp zehn Interessierte, geblieben sind aktuell sieben Mitglieder. Bei den Terminen geht es sehr offen zu, berichtet Martina. „Wir sind bunt gemischt.“ Alle Berufe und Branchen sind vertreten. Die Altersstufen reichen von Mitte 20 bis Ende 50. Die Themen ergeben sich in der Runde. Die beiden Initiatorinnen bereiten die Zusammenkünfte vor und nach. „Es gibt auch Hausaufgaben“, sagt Martina – schließlich sollen fachliche Inhalte vermittelt werden.

Das Reden über die eigene Krankheit hilft, bekräftigen die beiden Frauen unisono. Denn eines hat die 41-jährige Martina aus eigener Erfahrung gelernt: „Man muss sich aktiv mit der Situation auseinandersetzen.“ Laut Techniker Krankenkasse ist es wichtig, „dass die Betroffenen Einsicht zeigen und sich eingestehen: Ich bin überlastet, ausgebrannt.“ Martina hat es selbst erlebt: „Man muss positive Kleinigkeiten wieder sehen. Man verlernt Dinge zu machen, die einem gut tun.“

Gruppentreffen als Ergänzung zur Behandlung

Die Gruppentreffen sollen nicht nur feste Strukturen für den Alltag schaffen, sondern eine Ergänzung nach der therapeutischen Behandlung sein. Denn nach dem Klinikaufenthalt herrscht oft eine Leere. „Die Nachhaltigkeit ist nicht gegeben“, spricht Martina von zu wenigen Anschlussplätzen im ambulanten Bereich und lange Wartezeiten auf einen Termin.

Weil ein „Burn-out“ eine Auswirkung auf das persönliche Umfeld hat, ist die Gruppe offen: nämlich auch für betroffene Angehörige.

Infos: im Selbsthilfebüro des Gesundheitsamts (Telefon 0881/681-1616) oder per E-Mail an stephsper len@gmail.com. Die Gruppe trifft sich jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat jeweils von 18.30 bis 20 Uhr in Jo’s Café in Peißenberg.


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Rubriklistenbild: © afp

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