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Josef Westenrieder aus Obersöchering und Projektleiterin Sonja Gässler mit Nisthilfen für Schwalben.

350 „Schwalbenwinkel“

Erfolgreiche Nisthilfe für Schwalben in modernen Laufställen

Schwalben im Stall gelten als Glücksbringer. Allerdings sind sie selten geworden und bereits auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten in Bayern zu finden. Aus diesem Grund leisten Vogelschützer Nisthilfe – mit Erfolg.

Landkreis– Die Gründe für den Rückgang der Schwalben sind vielfältig: Insektenschwund, Gefahren auf dem langen Flug nach Afrika, aber auch die Versiegelung der Landschaft – so fehlt den Schwalben das Baumaterial und geeignete Brutplätze. Rauch- und Mehlschwalbe nutzen ihre Nester jedes Jahr erneut, weshalb die Nester ganzjährig geschützt sind. Nicht umsonst gelten sie als Glücksbringer, denn durch ihre Anwesenheit sollen Blitz, Hagel, Sturm und anderes Unheil vom Hof abgewehrt werden.

„Zudem sind Schwalben nützliche Fliegenvernichter, für jede Brut wird zur Aufzucht der Jungen etwa ein Kilogramm Insekten verfüttert, das sind ca. 250 000 Insekten“, sagt Michael Schödl vom Landesbund für Vogelschutz.

Mehlschwalben bauen ihre halbkugeligen Nester aus 700 bis 1500 Lehmkügelchen außen an rauen Fassaden unter Dachvorsprüngen direkt unter dem Traufbereich. Die Schwalben holen sich das Baumaterial auf feuchten Wegspuren, in Drecklachen oder unbefestigten Hofplätzen.

Rauchschwalben brüten innen, meist in Ställen. Die Nester sind schalenartig offen. In die Lehmmasse werden Stroh, Heu oder auch Tierhaare eingearbeitet. Die Umstellung auf moderne Laufställe stellt diese Art vor neue Probleme.

Eine neu entwickelte Nisthilfe, der „Schwalbenwinkel“, ähnelt dem bevorzugten Nistbereich, einen Eck oder Winkel, und soll Rauchschwalben helfen auch in Laufställen zu brüten.

Junge Rauchschwalben in einer Nisthilfe. Dort ist das Nest vor dem Herunterfallen geschützt.

Um den Schwalben in Sachen Wohnungsbau unter die Arme zu greifen, startete heuer das Schwalbenprojekt der Regionalgruppe Garmisch-Partenkirchen/Weilheim-Schongau des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in den beiden Landkreisen. Laut Auskunft von Michael Schödl, Alpenreferent beim LBV, meldeten sich insgesamt 56 interessierte Landwirte und weitere „Schwalbenbesitzer“ (oder solche, die gute Voraussetzungen haben es noch zu werden) bei der ehrenamtlichen Projektleiterin Sonja Gässler, um mit den kostenlos zur Verfügung gestellten Nisthilfen ihre Schwalben zu unterstützen.

1000 Euro aus LEADER-Mitteln

Möglich wurde das durch 1000 Euro Projektmittel für „Bürgerengagement“ in Rahmen der LEADER-Förderung. Dabei wurden im Landkreis Garmisch-Partenkirchen den Landwirten und weiteren Schwalbenbesitzern insgesamt 120 Nisthilfen kostenlos zur Verfügung gestellt. Weitere 230 Nistmöglichkeiten wurden an Interessenten in den Landkreisen Weilheim-Schongau und Bad Tölz/Wolfratshausen abgegeben.

Die Rauchschwalben-Nisthilfen für Laufställe wurden in einigen Ställen gut angenommen. Im Stall von Familie Köpf in Oberammergau nutzten die Schwalben, zusätzlich zu den bereits vorhandenen Nestern, fünf der acht aufgehängten „Schwalbenwinkel“ zur Brut.

Durch den „Schwalbenwinkel“ können in Laufställen, die wenig Brutmöglichkeiten bieten, mehr Schwalben brüten. Außerdem wird damit in Laufställen, wo bisher keine Schwalben waren, die Chance erhöht, dass Schwalben einziehen.

Familie Westenrieder vom Marxhof in Obersöchering hat zehn „Schwalbenwinkel“ in ihrem Laufstall aufgehängt. Vorher brüteten hier keine Schwalben. Dieses Jahr zog ein Rauchschwalben-Paar in einer der Nisthilfen in zwei Bruten jeweils fünf Junge groß. „Ein Anfang ist gemacht, und nächstes Jahr werden noch mehr Schwalben einziehen“, so die Hoffnung der Vogelschützer..

Auch ein Teil der Kunstnester für Mehlschwalben wurde bereits dieses Jahr zur Brut genutzt. Besonders dort, wo bereits Mehlschwalben brüten, ist eine Besiedelung erfolgreich. So kann die Kolonie vergrößert oder runtergefallene Nester ersetzt werden.

Bei Familie Köpf in Oberammergau sind die Mehlschwalben gleich in die Kunstnester eingezogen. Diese wurden aufgehängt, da im Winter ein Nest heruntergefallen war. „Als Kulturfolger sind unsere Schwalben auf die Akzeptanz und mittlerweile auch auf unsere Hilfe angewiesen“, sagt Sonja Gässler..

Das Schwalbenprojekt soll nächstes Jahr weitergeführt werden. Wer sich für den Schwalbenschutz engagieren möchte kann sich beim LBV melden (Tel. 08821/ 73464, gap@lbv.de).

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